Ob Umsatzentwicklung oder komplexe Kostenkalkulationen – mit der Visual-Analytics-Software Tableau lassen sich Daten und Zahlen in anschauliche Grafiken verwandeln. Der Telekommunikationsanbieter M-net erkennt mithilfe der Software zum Beispiel, wie rentabel seine Hauptverteiler, Leitungen oder auch ganze Regionen sind.

Welche Endnutzer lassen sich noch rentabel versorgen? Wie wirken sich Preisverfall, neue Technik und steigender Wettbewerbsdruck aufs Geschäft aus? Solche Fragen sind für einen Telekommunikationsanbieter wie M-net aufwändig zu beantworten, da die Kostensituation von einer Vielzahl individueller Faktoren abhängt. Außerdem müssen die für die Berechnung relevanten Informationen meist manuell aus einer Vielzahl von Quellen zusammenkommen – im Fall von M-net aus SAP, Billing, Fremdrechnungen für gemietete Leitungen, Adressdaten und technischen Dokumenten. Sobald sich auch nur an einer Kennzahl etwas ändert, ist eine neue Kalkulation erforderlich. Ein Szenario, das Unternehmen, die mit komplexen Daten hantieren, gut bekannt sein dürfte.

Abhilfe schaffen Visual-Analytics-Lösungen, mit denen sich Daten schnell analysieren und in anschaulichen Visualisierungen darstellen lassen. M-net setzt seit dem vergangenen Jahr die Self-Service-Plattform Tableau ein, um die Rentabilität einzelner Leitungen bis auf Anschlussebene zu individualisieren und Umsätze sowie Kosten geografisch darzustellen. Der TK-Anbieter war auf der Suche nach einer Lösung, die alle benötigten Daten automatisch konsolidieren, individuelle Analysen fahren und Regionen in Kartenform darstellen kann. Da nicht alle relevanten Datenquellen im hauseigenen Data Warehouse verfügbar sind, sollten sich mit der Software auch heterogene Quellen anschließen lassen.

Herausforderung Softwareauswahl

Das bisher eingesetzte Geoinformationssystem ArcGIS Desktop genügte diesen Anforderungen nicht, da es nur einzelne Sachverhalte geografisch darstellen konnte. Die Alternative, ArcGIS aus der Cloud zu nutzen, erwies sich als zu aufwändig, andere Tools enttäuschten in Tests. „Die richtige Software zu finden, war eine der größten Herausforderungen des Projekts“, erklärt Bernhard Kneidl, Bereichsleiter Controlling & Business Intelligence bei M-net.

Der Einsatz von Tableau hat die Rentabilitätsberechnung bei M-net deutlich beschleunigt. Technische Analysen, für die früher Kapazitäts-, Umsatz- und Kostenpositionen in tagelanger manueller Arbeit aus verschiedenen Quellen zusammengesucht, anteilsmäßig zugeordnet und in Excel-Tabellen aufsummiert werden mussten, stehen heute per Mausklick zur Verfügung.

Doch der Aufwand hat sich offenbar gelohnt: Auf Basis von Tableau gelang es der BI-Abteilung, das sogenannte Ausbau-Cockpit zu entwickeln, ein Werkzeug zur Analyse und Präsentation von kaufmännischen und technischen Informationen. Damit lassen sich die mehr als 300 angeschlossenen Hauptverteiler-Anschlussbereiche geografisch und in Listenform mit Kennzahlen wie Umsatz, Kosten, Vertragsanzahl, Produkten oder Marktanteilen darstellen.

Berechnungen von Deckungsbeiträgen sind schnell und einfach zu visualisieren. Fragt zum Beispiel ein Geschäftskunde eine Hochbit-Leitung an, liefert das Cockpit alle relevanten Informationen: Wie ist das Gebiet bisher angebunden? Können wir den Kunden sofort versorgen? Oder muss die Anbindung erweitert werden?

Transparenz durch ausgefeilte Visualisierungsfunktionen

Die Antworten auf solche Fragen sind anhand von anschaulichen Diagrammen und Grafiken in der Regel auf einen Blick erkennbar, Kosten und Wirtschaftlichkeit lassen sich schnell und sicher beurteilen. Die Kriterien werden einfach in einer Landkarte ausgewählt und je nach Ausprägung der gewünschten Kennzahl automatisch eingefärbt. So erhält der User auf einen Blick eine Statusanalyse sowie die Entwicklung der Kennzahlen im Zeitablauf. „Von allen getesteten Lösungen beherrscht Tableau die geografische Visualisierung am besten“, fasst Markus Kolp, BI-Analyst bei M-net, zusammen. Auch Bereichsleiter Kneidl schätzt die zahlreichen Selektionsmöglichkeiten bei der geografischen Visualisierung: „Wie profitieren heute von einer enormen Kostentransparenz.“

Neben den kaufmännischen Informationen liefert das Ausbau-Cockpit auch technische Daten – etwa zu Netztopologie, Backbone-Leitungen oder der Anbindung der Hauptverteiler und Kundenanschlüsse mit den jeweiligen Übertragungskapazitäten. Mit einem Drill-down bis auf die Detailebenen lassen sich weitere Informationen zu einzelnen Leitungen – etwa Laufzeiten und Kosten – sowie zu individuellen Kundenverträgen interaktiv erforschen. Läuft zum Beispiel in mehreren Hauptverteilern der Support aus, kann das BI-Team mithilfe des HVT-Cockpits berechnen, wann ein Geräteaustausch lohnt und ob sich durch den Austausch Anbindungen und Technik optimieren lassen.

Neben den kaufmännischen Informationen liefert das Ausbau-Cockpit auch technische Daten – etwa zu Netztopologie, Backbone-Leitungen oder der Anbindung der Hauptverteiler und Kundenanschlüsse mit den jeweiligen Übertragungskapazitäten.

Individuell angepasste Lösungen wie das auf Tableau basierende M-net-Cockpit sind meist komplex und erfordern umfassende Schulungen. Tableau sei jedoch so einfach zu bedienen, dass die User in der Regel keine externe Unterstützung benötigen. „Dank der umfassenden Online-Dokumentation und der aktiven Tableau-Community konnte sich unser Team komplett selbstständig in die Plattform einarbeiten“, berichtet Kolp. Neben dem BI-Team arbeiten mittlerweile rund 20 Mitarbeiter aus Strategie, Technik und Vertrieb mit der Lösung.

Langfristige Prognosen

Die Strategieabteilung nutzt die Analysen zur Erstellung langfristiger Prognosen und zur Absicherung von Investitionsentscheidungen. Die Technik kann sich schnell über die aktuelle Anbindung oder vorhandene Netzkapazitäten in bestimmten Regionen informieren. Das Controlling erhält wichtige Kennzahlen zur Rentabilität bestimmter Kunden oder Infrastrukturen. In Zukunft soll ein Großteil der geografischen Analysen und Reports, die bisher manuell mit ArcGIS erstellt und per Hand versandt wurden, auf automatisierten, interaktiven Tableau-Dashboards ablaufen. ArcGIS bleibt weiter im Einsatz – allerdings nur für die Ausbauplanung und statische Karten.

Der Einsatz von Tableau hat die Rentabilitätsberechnung deutlich beschleunigt. Dank der Vielzahl an nativen Konnektoren kann die Software zudem Informationsquellen einbeziehen, die noch nicht im Data Warehouse vorliegen und jetzt nach und nach übernommen werden. Dadurch ist es leichter, die Auswirkungen bestehender oder geplanter Anschlüsse auf die Netzwerkleistung vorherzusagen, bei Bedarf zusätzliche Kapazitäten anzumieten oder überflüssige Leitungen abzukündigen.

Passgenau durch Detailwissen

Unrentable Hauptverteilergebiete lassen sich schnell identifizieren, sodass M-net zeitnah reagieren kann – etwa mit einer Reduzierung der Anbindungen oder einem kompletten Rückzug aus der betreffenden Region. „Wir sehen heute die Kosten-Nutzen-Situation an jedem einzelnen Anschlusspunkt. Dadurch können wir unseren Kunden maßgeschneiderte Lösungen anbieten“, so Kolp.

Paul Bremhorst ist Manager Customer Solutions bei Tableau, www.tableau.com.