Schon im Jahr 2009 definierte Gartner den „Cloud Services Broker“ (CSB) als einen Provider, der bei der Nutzung verschiedener Cloud-Angebote als Makler vermittelt. Inzwischen haben auch andere Marktbeobachter wie das Analystenhaus Forrester den Broker-Terminus übernommen. Der CSB-Markt steckt hierzulande – wie so vieles aus dem Cloud-Umfeld – noch in den Kinderschuhen. Aber je mehr Verbreitung Cloud-Services finden, desto wichtiger, nützlicher und dringlicher wird auch die CSB-Funktion sein.

Auf die Einführung des Begriffs „Cloud Services Broker“ im Juli 2009 (siehe lanl.in/xv4noZ) ließen die Gartner-Analysten Daryl C. Plummer et al. im Herbst 2010 eine umfassende Definition dieses noch jungen Marktsegments folgen („Defining Cloud Services Brokerage: Taking Intermediation to the Next Level“, Gartner Research Note, 8.10.2010). Plummer und Kollegen argumentierten, in der IT habe es schon immer die Rolle eines Vermittlers oder Maklers zwischen Unternehmen und externen Service-Anbietern gegeben, und im Cloud-Zeitalter gewinne diese Maklerfunktion als Baustein in der IT-Service-Supply-Chain an Bedeutung. Zwar sei ein Makler für den Bezug von Cloud-Services nicht generell vonnöten, aber in komplexeren Szenarien – insbesondere in solchen, die mehrere Cloud-Service-Provider umfassen – könne ein CSB einen Mehrwert liefern. Die Marktforscher empfahlen deshalb, einen CSB in Betracht zu ziehen, wenn die Service-Landschaft eines Unternehmens zahlreiche Cloud-Provider umfasst oder wenn der CSB in bestimmter Hinsicht wie etwa in puncto Risikominimierung oder Interoperabilität einen ausreichend großen Zusatznutzen stiftet.

 

Längst haben sich auch Dr. Stefan Ried et al. vom konkurrierenden Analystenhaus Forrester ausführlich diesem Thema gewidmet („Cloud Broker – A New Business Model Paradigm“, Forrester Research, 10.8.11). Auch Ried und seine Kollegen sehen vor dem Hintergrund eines allmählich reifenden Umfelds mit vielen Cloud-Service-Anbietern und hoher Elastizität einen Markt für neue Geschäftsmodelle. Deshalb raten sie allen Software- und Infrastrukturanbietern sowie Consultinghäusern, die ihr Portfolio in Richtung Cloud ausgedehnt haben, sich mit der Broker-Rolle zu befassen. Neben den naheliegenden Erweiterungen traditioneller Geschäftsfelder als Cloud-Infrastruktur- oder Cloud-Tool-Anbieter sowie Cloud-Builder definierten die Forrester-Analysten als Schnittmengen dieser Marktsegmente den SaaS-Provider, Cloud-Integrator und Cloud-Value-Added-Reseller – und im Zentrum eben den Cloud Broker (wie der CSB bei Forrester schlicht heißt). Dieses Modell betrachten Ried et al. als die komplexeste, da es Fähigkeiten und Know-how aus allen drei zugrunde liegenden Bereichen voraussetzt.

 

Forrester sieht diesen Broker in zwei Varianten auftreten: einerseits als „einfachen Broker“, der sich auf ein bestimmtes Segment wie zum Beispiel IaaS (Infrastructure as a Service) spezialisiert und hier durch Zusatzdienste einen Mehrwert zu generieren sucht; andererseits als „Full Broker“, der über sämtliche Delivery-Varianten des Cloud-Computing-Markts hinweg Angebote unterbreiten kann. Anders als beim Outsourcer früherer Tage (der ebenfalls häufig als „Generalunternehmer“ und damit als Makler auftrat) geht es im Cloud-Markt um ein dynamisches Sourcing über unternehmenseigene und Shared-Infrastrukturen hinweg – also einschließlich einer unternehmenseigenen Private Cloud, virtueller oder gehosteter Private Clouds sowie Public-Cloud-Angebote. Dieser Markt ist damit schnelllebiger, dynamischer und komplexer.

 

In der Tat ist das Service-Portfolio-Management durch die Vielzahl neuer Möglichkeiten aus der Sicht einer IT-Organisation um einiges komplizierter geworden (siehe dazu auch den LANline-Beitrag „Klassische IT vor dem Aus“ von Thomas Gerick, lanl.in/tN1Qm7). Hier könnte ein externer Dienstleister, der als Vermittler zwischen den Welten – oder genauer: zwischen den Wolken – auftritt, in vielerlei Hinsicht Entlastung bringen: beim Management von Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Angeboten (sowie deren Zusammenspiel mit klassischer IT-Infrastruktur), zur Vereinfachung zahlreicher Lieferantenbeziehungen (Supplier-Management), aber ebenso, um mit dem rasanten Tempo des Wandels und der sich dadurch ergebenden Sicherheitsherausforderungen fertigzuwerden. Nicht zuletzt gilt es, in der Cloud die Compliance zu wahren, zum Beispiel in Lizenzfragen.

 

Solange ein Unternehmen sein Engagement in Sachen Cloud auf den Aufbau einer reinen Private-Cloud-Umgebung beschränkt, wächst die IT-Abteilung automatisch in die Rolle eines Cloud-Service-Brokers für die Fachabteilungen. Forrester-Analyst Ried schätzt, dass bis Ende 2012 zirka zehn Prozent der deutschen Unternehmen Public- und Private-Cloud-Angebote nutzen, also Broker-Zielgruppe sind. Die Analysten von Gartner und Forrester raten Anbietern wie auch Consulting-Häusern, sich mit der Rolle des CSBs zu befassen. Für die IT-Organisationen in den Unternehmen wiederum kann es nur von Vorteil sein, frühzeitig die Auswirkungen des Cloud-Brokerage-Konzepts auf ihren Alltag zu erwägen und sich auf eine Zusammenarbeit mit CSBs vorzubereiten.

 

Der Autor auf LANline.de: wgreiner

Forrester geht davon aus, dass die Einführung des Cloud-Broker-Modells gemäß Reifegradstufen erfolgen wird. Bild: Forrester Research, „Cloud Broker Market Momentum“, Februar 2012

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