Verwendet noch jemand Virtualisierung auf dem Desktop? Diese Frage werden viele Administratoren sicher mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. So ist es umso besser, dass VMware nun auch eine brandneue Version von VMware Workstation anbietet. Wir haben sie uns angeschaut und mehreren Testläufen unterzogen.

Lange hat es gedauert, bis VMware seine Workstation-Lösung für die Virtualisierung auf dem Desktop endlich in einer neuen Version vorstellte – so lange, dass schon Gerüchte kursierten, die Entwicklung dieser Software würde eingestellt. Aber nun steht die Workstation in der Version 14 bereit. Hatte das Interims-Release mit der Bezeichnung 12.5 wenig mehr als die Unterstützung weiterer Plattformen zu bieten, so wartet die neue Version doch mit einigen weitergehenden Verbesserungen auf.

Erster Blick, Update und Inbetriebnahme

Uns stand für diesen Testbericht Workstation 14 Pro in der Vollversion zur Verfügung. Mit dieser Software haben wir ein Update einer bereits installierten Workstation 12.5 auf einem Windows-10-System in der Enterprise-Version vorgenommen. Die erste positive Überraschung erlebten wir gleich am ersten Tag nach der Installation, als unser Windows-System wieder einmal automatisch ein Update dieses Host-Rechners durchführte: Die Vorversion hatte nach manchen Updates des Betriebssystems Schwierigkeiten mit dem Netzwerk, die sich zumeist erst durch ein Zurücksetzen der Netzwerkeinstellungen der Workstation beheben ließen; die aktuelle Version 14 Pro hingegen zeigte keinerlei Probleme solcher Art.

Auf dem ersten Blick alles wie gewohnt: VMware Workstation Pro 14. Leider auch wie gewohnt: Nach wie vor ist die Software nur mit englischer (oder japanischer) Oberfläche erhältlich.

Wie wir es von den bisherigen Versionen gewohnt waren, verlief das Update zügig, und die auf dem Host vorhandenen Gastsysteme (Windows 7, Windows 10 in diversen Ausprägungen sowie zwei Linux-Systeme) wurden sofort übernommen. Lediglich der Tausch des VMware-Netzwerk-Layers erforderte einen Neustart des Windows-10-Systems. Ein erster Test mit dem ältesten Gastsystem – einem Windows 7 Ultimate, dessen virtuelle Maschine bereits unter der Version 10 der VMware-Workstation angelegt und betrieben wurde – startete sofort. Nur die VMware-Tools waren zu erneuern, was aber (auf Nachfrage) automatisch erfolgte – soweit also ein sanfter Übergang für eines unserer alltäglichen Arbeitsgeräte.

Neuerungen

Doch wo waren die Neuerungen zu finden? Die Workstation-Oberfläche hat sich schon seit Jahren kaum verändert, was leider auch für das schon häufig monierte Problem der Lokalisierung gilt: Während die „großen“ ESX-Lösungen auch mit deutscher Oberfläche aufwarten können, bleibt es bei der Workstation bei Englisch – das gilt auch die Online-Dokumentation. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass die Software auch mit japanischer Oberfläche verfügbar ist und die Firmenzentrale keine Erklärung dafür gibt, warum nur diese Sprachvarianten bereitstehen.

Was besonders Netzwerkadministratoren freuen wird: Mit Workstation 14 Pro lässt sich die Latenz eines Netzwerkadapters frei konfigurieren – ideal für Testszenarien in „schlechten“ Netzwerken.

Wie schon VMware Workstation 12.5, so läuft auch diese Version nur auf einem Host mit 64-Bit-Betriebssystem. Als Gastsysteme hingegen kann man nach wie vor auch 32-Bit-Betriebssysteme betreiben. Im Bereich der CPUs werden die aktuellen Intel-Kaby-Lake- und AMD-Ryzen-Prozessoren unterstützt. War es zuvor noch möglich, die Software auf einem Host mit einem „Intel Core 2 Duo“-Prozessor zu betreiben, so ist nun ein 64-Bit-Prozessor der Generation „Sandy Bridge“ oder später gefordert. Ähnlich bei der AMD-Prozessoren: Konnten Nutzer hier bisher „Athlon 64 FX“-Dual-Core-CPUs oder gleichwertige Prozessoren einsetzen, arbeitet die Workstation 14 nur mit 64-Bit-Prozessoren der Generation „Bulldozer“ oder neuer. Auf Core-i-Prozessoren der allerersten Generation von 2008 und einigen älteren Atom-Prozessoren lässt sich die Software ebenfalls nicht mehr betreiben. Diese Einschränkungen gelten auch für den Workstation 14 Player.

Schon mit Version 12.5 hatten wir kaum Probleme, die Insider-Releases des Windows 10 Creators Update und des nachfolgenden Fall Creators Update zu installieren und zu betreiben. Doch erst ab dieser Version sind diese als Host- wie auch als Gastsysteme vollständig und offiziell unterstützt. Zu den unterstützen Linux-Varianten zählen nun unter anderem Ubuntu 17.04 und Fedora 26 als Gastsysteme. Laut VMware wurde auch die Benutzerschnittstelle für die Linux-Workstation derart umgeschrieben, dass sie sich nun auch mit GTK+ 3 versteht.

Die Beliebtheit der VMware-Station bei IT-Fachleuten beruht nicht zuletzt darauf, dass sich mit ihrer Hilfe sehr gut virtuelle Netzwerke aufbauen und konfigurieren lassen. So kann ein Administrator beispielsweise schlechte Netzwerkverbindung simulieren, indem er die Paketverluste einfach hochsetzt und die Bandbreite einschränkt. So lässt sich feststellen, ob beispielsweise bestimmte Anwendungen auch mit geringerer Netzwerk- oder gar einer WAN-Verbindung noch zuverlässig arbeiten können.

Neue virtuelle Hardware inklusive: Nun steht auch ein virtuelles TPM-Modul zur Verfügung, was beispielsweise das Testen von Bitlocker-Installationen deutlich vereinfacht.

Gerade zum Nachbilden von WAN-Verbindungen ist die neue Konfigurationsoption sicher nützlich, die VMware den virtuellen Netzwerkkarten in Version 14 mitgibt: Nun kann der Anwender die Latenz des Netzwerkadapters selbst konfigurieren. Auf der Oberfläche der Workstation ist es nun zudem möglich, in der Konsolenansicht einer aktiven virtuellen Maschine direkt IP- und MAC-Adresse sowie die Art der Netzwerkverbindung (Bridged, NAT oder Host-only) anzuzeigen, ohne dass dazu die Einstellung der VM zu öffnen wären. Dazu müssen in der VM allerdings die VMware Tools mindestens in Version 10.1.15 installiert sein. Ebenfalls neu im Netzwerkbereich: Die virtuellen Netzwerke, deren Namen bisher festlagen (VMnet0, VMnet1 und so weiter), lassen sich nun im „Virtual Network Editor“ problemlos umbenennen.

Mehr Sicherheit

Weitere Änderungen und Verbesserung betreffen die Sicherheit und hierbei die weitergehende Unterstützung der „Virtualisierung in der Virtualisierung“ („Nested Virtualization“). Zwar war es schon mit der Vorversion der Workstation möglich, beispielsweise Hyper-V in einem Windows-Gastsystem zu betreiben. Doch Microsoft hat mit den neuen Windows-10-Versionen Sicherheitsfeatures wie Credential Guard und Device Guard eingeführt, die bestimmte Bereiche des Betriebssystems durch Einsatz von Virtualisierungstechnik schützen können.

So wird nun die Aktivierung von VBS (Virtualization-Based Security) unter Windows 10 und Windows Server 2016 als Gastbetriebssystem unterstützt. Auf Windows-10-Enterprise-Systemen stellt Microsoft mit dem Windows Defender Application Guard zudem eine weitere Virtualisierungstechnik für mehr Sicherheit zur Verfügung: Mit ihr kommt quasi eine Sandbox für den Edge-Browser in Form einer virtualisierten Umgebung zum Einsatz. Es war uns zwar möglich, dieses Feature im virtualisiertem Gastsystem zu aktivieren und ein Application-Guard-Fenster aufzurufen, dies stürzte aber reproduzierbar immer wieder ab. Nachdem dieses Verhalten aber auch auf einem Windows-10-Rechner auftrat, der direkt auf der Hardware lief, sind diese Probleme wohl nicht auf die Virtualisierung der VMware Workstation zurückzuführen, sondern auf Probleme der Windows-10-Version.

Kleine, aber sehr nützliche Änderung: In der Konsolenansicht stehen nun die Details zur Netzwerkschnittstelle einer aktiven VM direkt zur Verfügung. Man muss also nicht mehr in die Konfiguration der VM wechseln.

Sehr gut hat uns folgender Punkt gefallen: Bei der virtuellen Hardware, die VMware Workstation den Gastsystemen zur Verfügung stellt, steht jetzt nicht nur ein NVMe-Gerät (Non-Volatile Memory Express) für schnelleren Festplattenzugriff auf SSD-Speichermedien zur Verfügung, sondern auch ein virtuelles TPM (Trusted Platform Module). Dieses lange vermisste Feature kann beispielsweise das Testen von Bitlocker-Installationen deutlich vereinfachen.

Auch einen bisherigen Vorsprung der Hyper-V-Konkurrenz konnte VMware mit diesem Release aufholen: Durch Secure Boot lässt sich nun sicherstellen, dass in den VMs mit UEFI-Unterstützung nur Betriebssysteme mit signiertem Boot-Loader zum Einsatz kommen. Diese können dann auch nur signierte Treiber laden. Diese Sicherheitsmaßnahme hatte Microsofts Hyper-V schon bei der letzten Version mit den VMs der zweiten Generation bereitgestellt.

VMware Workstation 14 Pro kostet als Download-Version 274,95 Euro. Der Preis beinhaltet 30 Tage Support durch den Hersteller. Wer ein Jahr Support möchte, zahlt 331,95 Euro, drei Jahre kosten 425,95 Euro. Ein Update von Version 11.x oder höher beziehungsweise VMware Player in Version 7 oder höher kostet inklusive 30 Tagen Support 165,95 Euro (alle Preise inklusive Mehrwertsteuer). Wie schon die Vorversionen, so kann man auch Workstation 14 Player bei privater, nicht kommerzieller Nutzung kostenlos verwenden.

Fazit: Tool der Wahl

Wir waren uns nach diesem Test einig: VMware Workstation bleibt die erste Wahl – und dies, obbwohl die professionellen Windows-Systeme mit Hyper-V eine gute Lösung gratis mitliefern, die nun auch beachtliche moderne Features zu bieten hat, und Virtualbox von Oracle kostenlos für eine sehr breite Palette von Host-Systemen bereitsteht. Gerade wer viel testen und dabei auch vielfältige Netzwerkverbindungen simulieren muss, wird die Möglichkeiten des Virtual Network Editors zu schätzen wissen. Kommt im Unternehmen auch noch die „große“ Server-Virtualisierung auf ESX-Basis zum Einsatz, ist das Arbeiten mit VMware Workstation umso sinnvoller. Die stete Anpassung an die aktuellsten Betriebssystemversionen auf Host- wie auch Client-Seite tragen ebenfalls dazu bei, dass Administratoren gerne mit dieser Software arbeiten.

Natürlich halten wir es immer noch nicht für besonders gelungen, dass es die Entwickler beim größten Virtualisierungsunternehmen auf dem Markt, das dieses Marktsegment souverän beherrscht, immer noch nicht für nötig halten, endlich eine deutsche Systemoberfläche zu integrieren – mit modernen Tools für die Softwareentwicklung sollte das eigentlich kein Problem sein. Schließlich stehen die ESX-Systeme sehr wohl auch in deutscher Sprache bereit. Aber das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau – wir werden natürlich weiterhin diese Virtualisierungslösung in unserem Testnetzwerk einsetzen. Doch es gibt auch Anwender, die mit VMware Workstation 12.5 arbeiten und nicht unbedingt auf die Unterstützung brandneuer Hardware angewiesen sind. Ob sich für sie ein Update auf Version 14 wirklich lohnt, muss wohl jeder selbst entscheiden. Dafür kann man die Workstation schließlich 30 Tage mit allen Features testen.

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