Zur Eröffnung seines neuen Executive Briefing Centers (EBC) in München hatte Citrix zwei prominente Vertreter seiner Führungsriege geladen: Chefmarketier Tim Minahan skizzierte die Zukunft der Arbeit, während Cheftechnologe Christian Reilly die Funktionsweise der Virtual-Workspace-Management-Lösung Citrix Cloud erläuterte und live demonstrierte. Auch den Einfluss des Internet of Things (IoT) auf Arbeitsumgebungen hat Citrix im Blick.

„Die Welt ist heute eine ganz andere im Vergleich zu vor fünf oder auch nur vor zwei Jahren“, betonte Tim Minahan, SVP und CMO von Citrix. Er verwies auf den raschen Wandel in Geschäftsprozessen und Technikumgebungen, zunehmenden Zeit- und Personalmangel sowie auf den Wandel, wie Technik heute genutzt wird. Erstmals in der Geschichte finde man fünf Generationen von Mitarbeitern in den Unternehmen – deren jüngste, die ständig in irgendeinen Bildschirm blickenden Teenager („Screenager“) ganz andere Anforderungen hätten als die älteren Kollegen. Auch gebe es in den Entwicklungsländern fünf Milliarden Menschen, die bald all ihre Geschäfte per Smartphone abwickeln würden.

Für die IT bringe dies, so wiederholte Minahan eine hinlänglich bekannte Tatsache, vor Herausforderungen in puncto Komplexität und Security. Hier biete Citrix mit Citrix Cloud einen zentralen Kontrollpunkt für sichere, virtuelle Workspaces in einer Multi-Cloud-Umgebung, die den Mitarbeitern Zugang zu allen benötigten Apps und – dank der Hybrid-Cloud-fähigen Filesharing-Lösung Sharefile – den Daten verschaffe.

Citrix-CTO Christian Reilly umriss, wie Citrix Cloud aktuelle Anforderungen erfüllt: Nicht nur könne man damit eine „Cloud First“-Strategie beschleunigen, sondern auch Hybrid-Cloud-Szenarien nutzen. Wie dies Limitierungen traditioneller IT überwindet, veranschaulichte er anhand der Updates: „Welche Version von Gmail nutzen Sie?“, fragte er in die Runde. Niemand wusste dies zu beantworten. „Eben“, so Reilly, „Sie nutzen einfach immer die aktuellste Version“ – um den Rest kümmert sich Google.

Die Cloud sei für Citrix von zentraler Bedeutung: „Unsere Cloud-Strategie ist unsere Citrix-Strategie“, so der CTO. „Alles, was wir als Cloud-Service verfügbar machen können, werden wir als Cloud-Service verfügbar machen.“ Dies umfasse die Flaggschifflösungen Xenapp und Xendesktop ebenso wie die EMM-Lösung (Enterprise-Mobility-Managment) Xenmobile, Sharefile und die ADC-Plattform (Application Delivery Controller) Netscaler, die alle Citrix-Angebote verbindet.

„Unsere Cloud-Strategie ist unsere Citrix-Strategie“, so Citrix-CTO Christian Reilly. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Reilly betonte, Citrix Cloud sei als voll von Citrix verwalteter Service (auf Microsoft Azure) ebenso verfügbar wie als Mix aus Public- und Private-Cloud-Umgebungen. Lediglich die Cloud-basierte Control Plane der Lösung sei immer vorgegeben, die übrigen Bausteine könne man in einer beliebigen Kombination aus Public und Private Clouds betreiben – also auch Vsphere oder Hyper-V.

Alle Services der Citrix Cloud seien vorab integriert, einschließlich des Secure Browsers und der Smart Tools (Werkzeuge für Einrichtung, Migration, Skalierung etc.). Im Rahmen seiner Live-Demo erläuterte Reilly die Vorteile des Secure Browsers: Da der Web-Browser isoliert in der Cloud laufe (als Published Browser), schaffe ein Angriff auf den Browser keinen Kanal in das Unternehmensnetz – ein Hauptangriffsvektor für Malware entfalle damit.

Reilly betonte, dass die Windows-Apps und -Desktops – wie Cloud-üblich – automatisch skalierbar seien. Die Domain werde in Azure AD gehostet, die Anbindung an das Active Directory des Kundenunternehmens erfolge über Microsofts ADFS (Active Directory Federation Services). Mittels Cloud-Connectoren binde man dann AWS, Google Cloud oder andere Umgebungen ein. Auf Client-Seite nutze man HTML5, sodass die früher bei Citrix zwingend erforderliche Client-Installation (Receiver) entfalle.

Im Gespräch mit LANline äußerte sich Christian Reilly anschließend auch zum Einfluss des IoT auf das Workspace-Management. Er verwies auf die Akquisition des IoT-Anbieters Octoblu durch Citrix 2015. Octoblu ist eine IoT-Messaging- und Automationslösung auf der Basis der Open-Source-Plattform Meshblu, die mittels unterschiedlicher Protokolle und Connectoren die Kommunikation zwischen Anwendern, Rechnern und IoT-Geräten ermöglicht. Citrix zielte mit der Akquisition damals vor allem auf den Bereich „Office IoT“. Ein Beispielszenario wäre, dass die Klimaanlage den Raum für ein Meeting, das im Kalender der Teilnehmer steht, vorab auf die gewünschte Temperatur bringt und zum Meeting-Beginn automatisch das Licht angeht.

„Die Workflows kann man über ein intuitives Interface selbst designen“, so Reilly, „und dieser Workflow-Designer lässt sich natürlich in der Citrix Cloud hosten.“ Das Management der IoT-Geräte könne über Xenmobile erfolgen, sofern sich dort Agenten aufspielen lassen. In den übrigen Fällen – die Geräte im IoT lassen eine nachträgliche Softwareinstallation oft nicht zu – könne man die Devices über Connectoren in Workflows einbinden, um Abläufe durchgängig zu automatisieren.

Das Workflow-Design für die IoT-Automation am Arbeitsplatz erfolgt bei Octoblu über ein anwenderfreundliches Interface. Bild: Citrix

Obwohl IoT derzeit ein sehr heißes Thema ist, erwähnte Christian Reilly Octoblu in seiner EBC-Keynote erstaunlicherweise gar nicht. Das lässt Raum für Spekulationen, ob Citrix bei der nächsten Hausmesse Synergy (23. bis 25. Mai in Orlando, USA) entsprechende IoT-Automationslösungen für virtuelle – oder eben auch physiche – Arbeitsumgebungen in den Mittelpunkt rücken wird.

Octoblu bildet das Kernstück von Citrix‘ Workspace-IoT-Architektur. Bild: Citrix

Dr. Wilhelm Greiner ist Stellv. Chefredakteur der LANline.