Backup-Lösungen gibt es wie Sand am Meer und solche, die speziell virtuelle Systeme in VMware- und Hyper-V-Umgebungen sichern, nicht weniger. Wer in diesem Markt auffallen möchte, muss schon etwas Besonderes bieten. Altaro versucht es mit Einfachheit und einem attraktiven Preis.

Der Hersteller Altaro weist in den Produktinformationen und auf seiner Homepage immer wieder darauf hin, dass die Sicherungslösung in wenigen Minuten einsatzbereit ist und ein erstes Backup bereits nach weiteren fünf Minuten laufen wird. Eine schnelle Installation ist jedoch kaum das wichtigste Argument bei der Auswahl einer Sicherungssoftware. Dennoch sei bereits verraten: Die Software ist wirklich in Windeseile einsatzbereit und leistet einen guten Job.

Altaro VM Backup bietet den kompletten Leistungsumfang einer Sicherungssoftware, den Administratoren beim VM-Einsatz erwarten dürfen. Das Programm läuft unter Windows und greift über die APIs von VMware und Microsoft direkt auf die Hosts zu. Eine zusätzliche Datenbank zur Speicherung der Aktionsprotokolle und Einstellungen benötigt die Altaro-Lösung nicht.

Der Administrator beginnt damit, die gewünschten Virtualisierungs-Hosts über den Namen oder die IP-Adresse aufzunehmen. Die dort betriebenen VMs entdeckt das Programm von allein; der Benutzer legt dann über den integrierten Scheduler eine regelmäßige Sicherung auf unterschiedlichen Speicherorten an. Neben lokalen Festplatten oder Shares im Netz unterstützt Altaro das Einbinden sogenannter Offsite-Speicherplätze. Hierzu installiert der Administrator eine zusätzliche Windows-Software auf einem PC oder Server. In der Oberfläche muss er den gewünschten Speicherplatz zuweisen. Dabei kann es sich auch um einen einzelnen Ordner im Dateisystem handeln. Über frei wählbare Benutzernamen, Passwörter und einer zusätzlichen Buchstaben-/Zahlenkombination als „Master Key“ sind gesicherte Zugriffe auf diese Speicherbereiche möglich.

Gerade einmal drei erste Schritte verlangt Altaro VM Backup 7 von seinem Anwender bis zur Erstellung des ersten Backups.

Neben der Komplett- und differentiellen Sicherung von VMs bietet Altaro noch eine selektive Rücksicherung auf Datei- oder Ordnerbasis. Für Microsoft Exchange Server geht der gezielte Zugriff noch etwas weiter: Bei Bedarf kann der Administrator einzelne Elemente wie E-Mails oder Kalendereinträge aus einem Postfach wiederherstellen.

Inline-Deduplizierung

Version 7 enthält zwei wichtige neue Funktionen. Die erste, „Augmented Inline Deduplication“, arbeitet eher still und heimlich im Hintergrund. Ihre Existenz bemerkt der Administrator lediglich anhand verkürzter Backup-Zeit. Leider stand uns keine identische Testumgebung mit der Vorversion zur Verfügung, um die Beschleunigung in Zahlen zu belegen. Im Vergleich zu bisher getesteten Backup-Lösungen arbeitete die Altaro-Software aber in der Tat äußerst zügig und ohne nennenswerte Auslastung der Hardware. Die Software bescheinigte uns, im Test rund 62 Prozent Speicherplatz durch Deduplikation und Komprimierung eingespart zu haben.

Etwas augenfälliger ist das ebenfalls neue „Booting from Backup“. Manche Problemstellung kann es erfordern, auf die Wiederherstellung aus dem Backup zu verzichten. VM Backup 7 ermöglicht es hier, eine VM direkt aus der Sicherung heraus zu starten. Altaro bietet die Funktion in zweierlei Ausprägungen: Der „Verification Mode“ dient dazu, eine VM aus dem Backup heraus auf ihre Funktionstüchtigkeit hin zu prüfen. Alle Änderungen an dieser aus dem Backup generierten VM verwirft die Software selbstständig. Der sogenannte „Recovery Mode“ ist dafür gedacht, bei einem Systemausfall unmittelbar aus dem Backup eine Kopie der dadurch nicht länger verfügbaren VMs für die produktive Arbeit bereitzustellen. Die ursprüngliche Maschine, das Original, wird im Hintergrund wiederhergestellt und zwischenzeitlich vorgenommene Änderungen werden nachgepflegt. Zudem hat Altaro mit der Version 7 die offizielle Unterstützung für Microsoft Windows Server 2016 bekannt gegeben. Auch die Optik der Software hat der Hersteller ein wenig angepasst.

Mit einer testweisen Wiederherstellung prüft der Administrator die Funktionalität einer gesicherten VM in einer Sandbox.

Die Installation der Altaro-Software ist einfach und besteht im Wesentlichen aus der Auswahl des Zielverzeichnisses. Alle derzeit gängigen Windows-Versionen ab 2008R2/Windows 7 stehen auf der Liste der unterstützten Systeme für den Betrieb der Software oder als zusätzlicher Offsite-Server. Bezüglich der Hardware fordert der Hersteller mindestens eine CPU der i5-Klasse, 1 GByte RAM und zusätzlich 25 MByte Arbeitsspeicher je 100 GByte zu sichernder Datenmenge. Die Client-Komponente auf einem Microsoft-Hyper-V-Host benötigt rund ein halbes GByte für den Betrieb.

VM Backup 7 sichert die VMs direkt von Host-Systemen. Hier unterstützt Altaro Windows Server 2008R2 Hyper-V oder höher, auch in der Core-Installation. In einer VMware-Umgebung läuft die Software mit Vsphere, Vcenter sowie ESXi 5.0 und höher. Die freien Varianten von ESXi kann der Administrator leider nicht mit der Altaro-Software sichern. Diese Limitierung teilt sich die Software mit anderen Lösungen am Markt: VMware stellt die entsprechenden API-Funktionen beim kostenlosen Hypervisor nicht zur Verfügung.

Im Test eine ganz gute Figur

Dank integrierter Deduplizierung spart Altaro VM Backup 7 im Hintergrund Speicherplatz.

Nach wenigen Minuten konnten wir die Installation im Test abschließen. Auch das Anlegen von Speicherorten und das Hinzufügen der Offsite-Varianten war nicht sonderlich kompliziert. Leider zeigt die Altaro-Software in der Oberfläche nicht alle benötigten Port-Adressen für die Einbindung von Offsite-Speichern an – mit dem Bereich 35116-35119 gelang uns die Einbindung eines zusätzlichen Speichers auf einem Server in einem Kamp-DHP-Rechenzentrum. Mag sein, dass eine Deduplikation an sich gute Dienste leistet, die Initialsicherung einer VM über eine schmalbandige DSL/Kabel-Anbindung ist und bleibt jedoch ein Geduldsspiel. Ohne einen leistungsstarken Upstream bleibt ein Offsite-Backup nach wie vor unattraktiv, insbesondere für das KMU-Umfeld.

Die Benutzeroberfläche von Altaro besticht wirklich durch ihre Einfachheit. Ein Blick in die Produktdokumentation ist kaum notwendig, da die Dialogfenster dem Benutzer genau erklären, was zu tun ist. Auch die Übersichten durchgeführter oder fehlerhafter Backup-Jobs erfordern keine weitere Erläuterung. Ein Exchange-Server mit vorhandenen Snapshots kann die Software nicht für den Erstvorgang sichern, um später mithilfe von CBT (Change Block Tracking) einzelne Objekte wiederherstellen zu können. Der dazugehörige Fehlertext ist vielleicht etwas lang, aber dennoch selbsterklärend. Was uns gut gefiel: Jeder dieser Fehlerdialoge endet mit einer Schaltfläche zur Aktivierung des „Altaro Live Chat“ mit dem Support. Als ebenfalls gut umgesetzt empfanden wir die Übersicht „Active and Upcoming Operations“. Bearbeitet die Software Jobs, sind diese im Dashboard aufgelistet. Steht aktuell nichts an, gibt das Programm aus, in wie viel Stunden wie viele Maschinen zum Backup anstehen.

Recovery problemlos

Die VM-Wiederherstellung ist per Mausklick schnell erledigt. Hierbei führt ein Softwareassistent den Benutzer durch die typischen Fragen wie Backup-Zeitpunkt oder Wiederherstellungsort. Bei Bedarf ist eine Wiederherstellung auf einem anderen Host möglich. Das sorgt für Flexibilität, etwa wenn noch nicht abschließend klar ist, ob man die VM tatsächlich aus dem Backup holen muss oder das Primärsystem nicht doch noch weiterarbeiten wird. Eine vorbereitete Wiederherstellung spart schlichtweg Zeit, und diese kann beim Recovery gar nicht kurz genug sein. Dass nur testweise durchzuführende Recovery endet in der Anlage einer Sandbox-VM auf dem Hypervisor mit dem zu erwartenden Hinweis, dass im Verwaltungsbereich eine doppelte Mac-Adresse aufgefallen ist.

Beim Recovery einzelner Objekte von Exchange-Servern muss dem Administrator klar sein, dass Altaro keine Wiederherstellung direkt in die Outlook-Struktur ermöglicht. Hat sich der IT-Verantwortliche durch Festplatten, Partitionen und Ordner direkt zur .edb-Datenbankdatei durchgeklickt, ist die Auswahl der Elemente einfach. Bei der Suche nach .edb-Dateien aber dürfte die Software dem Administrator gern ein wenig besser zur Hand gehen. Der primäre Exchange-Administrator weiß sicher, in welcher Datenbankstruktur welche Postfächer residieren; führt aber ein Kollege nur vertretungsweise das Recovery durch, wird er hier länger brauchen. Als Resultat der Wiederherstellung erzeugt die Software eine .pst-Datei, die der Benutzer in seine Outlook-Umgebung importieren muss. Diese Vorgehensweise ist zwar flexibel, setzt aber auf Anwenderseite entsprechendes Know-how voraus.

Altaro reiht sich unter die Anbieter ein, die ihre Software mit der Cloud verknüpfen: Die Cloud Management Console erlaubt zumindest in der Unlimited Plus Edition das Einbinden verschiedener lokaler Altaro-Installationen nebst deren Fernsteuerung aus dem Web-Service heraus. Somit kann ein Backup-Verantwortlicher auch über das Internet verschiedene VM-Backup-Konfigurationen im Auge behalten, Jobs ansteuern und Reports einsehen.

Bei all der Cloud-Technik freuten wir uns auf einen mobilen Zugriff von einem Apple-IOS-Gerät aus. Diese Freude verging jedoch rasch: Altaro bietet weder Unterstützung für den Safari-Browser noch eine native App für IOS. Auch einen Anwender, der mit dem Opera-Browser unterwegs ist, zwingt Altaro zur Verwendung von Firefox, Chrome und Co.

Aufgrund der hohen Popularität von Veeam Backup ist ein kurzer Blick für einen Vergleich sicherlich zulässig. In puncto Bedienung, Installation und Systemanforderungen sticht Altaro den Konkurrenten aus: Veeam ist im Vergleich zu etablierten Backup-Anbietern schon einfach in der Bedienung, Altaro macht es noch eine Spur besser. Was bei dem Vergleich von Altaro zu Veeam jedoch gänzlich fehlt, ist die Unterstützung für Tape-Systeme, die Möglichkeit zur Einbindung von Skript-Jobs vor oder nach einem Backup und das CBT für Hyper-V-Systeme. Eine Funktion wie Veeamzip gibt es bei Altaro leider ebenfalls nicht. Bei Veeamzip handelt es sich um eine komprimierte Sicherung, die eigenständig in ein Zip-Archiv überführt wird, aber dennoch in der Datenbank als Sicherungspunkt vermerkt ist.

Fazit

Im Test stellte sich Altaro VM Backup 7 als äußert solide, gut programmierte und leicht zu bedienende Software heraus. Wie den anderen Marktbegleitern ist es auch den Entwicklern bei Altaro gelungen, eine ansprechende und gleichzeitig sehr funktionale Oberfläche zu programmieren: Man muss sich durch keine endlose Aneinanderreihung von Assistentendialogen klicken, vielmehr bietet Altaro ein in sich stimmiges Bedienungskonzept. Die Testergebnisse können sich sehen lassen, die Wiederherstellungs- und Sicherheitsfunktionen sind auf dem Stand der Zeit. Die Anbindung der Cloud-Oberfläche ist zudem gut gemacht. Für die Funktionen gibt es ohne Umschweife ein „sehr gut“. Auch die Preisgestaltung ist für den Kunden ansprechend: Altaro lizenziert pro Host und nicht per Sockel oder VM. Mit allen Funktionen kostet die Software in der Unlimited Plus Edition pro Host 862,75 Euro.

Firmen-Info
Info: Altaro
Tel.: 089/208026955
Web: go.altaro.com/de