Mobile Anwender nutzen bereits eine breite Palette von Programmen und Dienstleistungen über das Internet. Doch die Cloud eröffnet ihnen auch die Möglichkeit zum Drucken – sogar von Smartphones und Tablet-PCs aus. Für „Mobile Printing“ ist ein Mobilgerät erforderlich, das zum Drucken über integrierte Funktionen oder zugeladene Software verfügt, zudem eine Datenverbindung zum Internet sowie ein Zieldrucker, der darüber erreichbar sein muss.Beim Cloud Printing gilt es, Drucker für Druckaufträge erreichbar zu machen, die Anwender via Netzwerk oder Internet übermitteln. Die Druckerhersteller selbst setzen bei ihren Lösungen natürlich am Ausgabegerät an. Allerdings sind solche proprietären Lösungen oft auf die eigenen Druckermodelle beschränkt.
HP beispielsweise stattet seine Druckermodelle für den eigenen Cloud-Printing-Dienst „Eprint“ mit einer E-Mail-Adresse aus, damit diese über das Internet erreichbar und von Druckertreibern und Druckerbefehlssprachen (zum Beispiel PCL) unabhängig sind. Anwender schicken Dokumente wie Bilder, Text- und Excel-Dateien, Powerpoint-Folien und Web-Seiten zum Ausdrucken per E-Mail an diese Adresse. Der Druckauftrag landet zunächst in der HP Eprint Cloud, die ihn für den Druck aufbereitet und anschließend an den ausgewählten Drucker weiterschickt.
Dieses Verfahren funktioniert allerdings nicht bei Dokumenten mit Passwortschutz, digitaler Signatur oder Makros. Pro E-Mail an den Drucker darf ein Anwender maximal zehn Anhänge mit je bis zu 5 MByte Datenvolumen schicken. Zusätzlich zu beachten: Theoretisch kann jeder, der die E-Mail-Adresse eines Eprint-fähigen Druckers kennt, auf diesem Weg darüber ausdrucken. Um dabei die Kontrolle zu behalten sollten Unternehmen das so genannte „HP Eprintercenter“ nutzen. Damit können sie die Drucker registrieren und für erwünschte Nutzer explizit freischalten. Zudem erfolgt laut HP die Datenübertragung dann über eine gesicherte Verbindung an die Drucker. Die im HP-Rechenzentrum zwischengelagerten Druckaufträge werden gemäß Betreiber sofort nach der Übermittlung gelöscht.
Mit „HP Eprint Public“ ermöglicht der Hersteller seinen Partnern, Drucker über die Cloud bereitzustellen. Anwender können mit Smartphones und Blackberrys Druckaufträge schicken, die eine von den Partnern betriebene Cloud-Lösung aufbereitet und an die gewählten Drucker schickt (zum Beispiel Hotels). Als Lösung für Unternehmen hat HP die Version „Eprint Enterprise“ entwickelt. Damit kann sich ein Unternehmen auf der Basis von Windows Server 2003 oder 2008 seinen eigenen Eprint-Service aufbauen und installieren. Anwender drucken mit allen mobilen Geräten, die den Versand von Unternehmens-E-Mails zulassen, über die Corporate Cloud innerhalb der Unternehmens-Firewall.
Druckerhersteller als Cloud-Pioniere
Konkurrent Epson wiederum stattet seine Druckermodellserien ebenfalls mit E-Mail-Funktion aus. Über den Dienst „Epson E-Mail Print“ weisen Nutzer ihrem „E-Mail Print“-fähigen Drucker eine E-Mail-Adresse zu. Von überall auf der Welt können sie dann Druckaufträge an diesen Drucker schicken. Ist der Drucker ausgeschaltet, werden die Druckjobs für bis zu 72 Stunden gespeichert. Um festzulegen, wer den Drucker nutzen darf, registrieren Anwender diesen dann über den Hersteller.
Auch Epson bietet für Unternehmen eine besondere Lösung an: Wenn diese eine bestimmte Domain definieren, um Mitarbeiter zum Drucken zu berechtigen, ist es nicht erforderlich, viele einzelne E-Mail-Adressen anzulegen. Anwender wiederum können wahlweise nur den Anhang oder auch die dazugehörige E-Mail drucken. Einzige Einschränkung: Die Dateigröße darf 10 MByte nicht überschreiten.
Ähnlich verfährt der Hersteller Xerox mit seinem Dienst „Mobile Print“: Anwender senden ihre Datei (Microsoft Word, Excel, Powerpoint, HTML-E-Mail sowie PDF-, TXT-, RTF- und JPG-Dateien) von überall und auch von jedem beliebigen Smartphone per E-Mail als Anhang an einen sicheren Server. Sie erhalten umgehend einen Bestätigungscode, mit dem sie das Dokument an jedem Multifunktionsdrucker im Netzwerk ausdrucken können, der über eine Programmierschnittstelle für Spezialanwendungen („Xerox Extensible Interface Platform – EIP“) verfügt. Verschiedene Druckoptionen wie Farb- oder Schwarz-Weiß-Druck, Duplex, Draft-Modus oder auch Heften wählt der Anwender am Drucker selbst aus. Sehr wahrscheinlich wird in Kürze jeder Druckerhersteller einen ähnlichen Dienst zum mobilen Drucken oder Cloud Printing anbieten – diese Lösungen dürften allerdings stets auf die jeweils eigenen Druckermodelle beschränkt sein.
Cloud Printing von Google und Cortado
Google verfolgt mit „Google Cloud Print“ das große Ziel, von jedem mobilen Endgerät überall auf der Welt auf jedes Output Device drucken zu können. Google Cloud Print basiert auf dem Google-Browser Chrome. Diese Lösung soll unabhängig von Druckerherstellern – und damit auch von Druckertreibern – funktionieren und nicht nur mit Android-basierenden Smartphones und Tablet-PCs kompatibel sein, sondern auch mit Notebooks, PCs, Netbooks etc. Notwendig ist dazu ein Endgerät auf dem der Browser Google Chrome oder das Betriebssystem Google Chrome OS installiert ist. Anwender benötigen außerdem ein Google-Konto, um Verknüpfungen zu Druckern herzustellen. Dabei ist Google auf die Druckerhersteller angewiesen, die die passende Kommunikationsschnittstelle in ihre Modelle integrieren müssen. „Cloud Print“-fähige Drucker sind derzeit von Epson und Kodak verfügbar. Auch die Eprint-fähigen Modelle von HP gehören dazu.
Außerdem lassen sich über den im Google Chrome Browser integrierten „Google Cloud Print Connector“ auch nicht-„Cloud Print“-fähige Drucker mit Google Cloud Print nutzen. Drucken ist auch in diesem Fall nur aus Google Chrome oder den Google Apps (zum Beispiel Google Mail und Google Docs) heraus möglich. Natürlich muss dazu auch der PC, an dem der Drucker angeschlossen ist, eingeschaltet sein, sonst ist Ausgabegerät nicht erreichbar.
Damit das Drucken via Google Cloud Print vor unberechtigtem Zugriff geschützt ist, laufen die Daten laut Google nur über sichere Internet-Verbindungen (HTTPS). Sofort nach dem Drucken werde zudem das Druckdokument von den Google-Servern gelöscht. Jeder Druckauftrag und seine „History“ lassen sich komplett über eine „Google Cloud Print“-Management-Seite löschen. Über diese Seite können Anwender auch Zugriffsrechte für andere Nutzer verwalten und Druckaufträge verfolgen.
Am einfachsten lässt sich Google Cloud Print natürlich über die so genannten Chromebooks auf der Basis von Chrome OS nutzen – dort fungiert es als Standarddrucktechnik. Bei eingerichteten Druckern ist es möglich, über „Strg + P“ sofort jede Web-Seite zu drucken oder aus den Web-Applikationen die Ausgabe über den “Drucken mit Google Cloud Print”-Button heraus zu initiieren. Für Unternehmen lässt sich Google Cloud Print problemlos skalieren und entweder anstelle oder in Verbindung mit der bestehenden Netzwerkdruck-Infrastruktur einsetzen.
Der Softwarehersteller Cortado wiederum verfolgt mit seiner kostenlosen Lösung „Cortado Workplace“ einen ganz anderen Ansatz, der sich für Apple Iphones, Blackberrys, Android-Smartphones und -Tablet-PCs sowie für Symbian-Geräte eignet: Die mobilen Endgeräte suchen nach Druckern, auf die sich via WLAN oder Bluetooth zugreifen lässt. Letztere müssen nicht über das Internet erreichbar sein. Für dieses Verfahren sind allerdings Druckertreiber erforderlich, von denen über 6.000 auf dem Cortado-Server installiert sind. Über den Druckernamen des vom Anwender gewählten Druckers in seiner Umgebung sucht das mobile Gerät den passenden Treiber. Alternativ kann der Anwender auch einen aus einer Liste wählen. Anschließend kann er sein zu druckendes Dokument von seinem Smartphone aus an den Cortado-Workplace-Server schicken oder ein bereits dort in seinem Speicher abgelegtes Dokument zum Drucken auswählen. Der Server verarbeitet den Druckauftrag und schickt ihn komprimiert an das Smartphone zurück.
Über eine drahtlose Verbindung kann der Anwender jetzt die aufbereiteten Druckdaten mit seinem Smartphone an den Drucker schicken. Dieser direkte Weg zum Drucker, der nicht mehr über die Cloud erfolgt, soll laut Cortado außerdem Sicherheit bei vertraulichen Daten bieten. Dieses Verfahren funktioniert mit allen gängigen Dateitypen, die sich als E-Mail-Anhang an den Drucker schicken lassen. Die entsprechende Applikation muss dabei nicht auf dem mobilen Gerät installiert sein. Die für den Unternehmenseinsatz entwickelte Lösung „Cortado Corporate Server“ unterstützt darüber hinaus das Drucken auf Netzwerkdruckern mit weiteren Leistungsmerkmalen.
Apps für Drucker und mobile Endgeräte
Für die verschiedenen Dienste und Lösungen zum Cloud oder Mobile Printing gibt es viele Apps für Smartphones und Tablet-PCs. Dabei handelt es sich nicht um reine Cloud-Anwendungen wie dem „HP Eprint“-Service, sondern um Apps für das direkte Drucken über WLAN oder Bluetooth. „HP Iprint Photo“ für Apples IOS stellt ein Pionierbeispiel für Apps zum mobilen Drucken dar. Der Hersteller hat auch Apps für Eprint-fähige Drucker entwickelt, die Anwender kostenlos herunterladen und auf dem Drucker installieren können. Das Angebot variiert je nach Druckermodell und Land. HP bietet außerdem ein „Print Apps Software Development Kit (SDK)“, um Partnern die Möglichkeit zu geben, weitere Print Apps für Eprint zu entwickeln. Passend zu seiner Eprint-Lösung entwickelte HP die „Eprint Public Printing App“ für Apple Iphones, Android Smartphones und Blackberries. Damit sehen Anwender auf Reisen via GPS, ob und wo Eprint-fähige Drucker in der Nähe sind, die „HP Eprint Enterprise Solution Customers“ (Hotels, Flughäfen, Shops etc.) betreiben. Sie senden den Druckauftrag anschließend ab und erhalten eine E-Mail mit Zugangscode zum Drucker.
Falls die Anwender erst noch einen Eprint-fähigen Drucker in ihrer eigenen Umgebung finden müssen, hilft ihnen dabei in ähnlicher Weise die HP-App „Eprint Service“, die im Apple App Store, Android App Market und in der Blackberry App World verfügbar ist. Mithilfe von GPS und einer Suchfunktion findet das Smartphone den nächstgelegenen Eprint-Drucker. Zudem können Anwender über diesen Dienst auch die Inhalte auf ihrem Smartphone auswählen, die sie drucken wollen. Dazu erhalten sie einen „Ident Code“ übermittelt, den sie am Drucker eingeben müssen.
Mit der Epson Iprint App wiederum bietet Epson eine Anwendung zum kabellosen Drucken und Scannen im SOHO- und Bürobereich direkt von einem Smartphone aus. Zurzeit ist diese App kompatibel mit Apples mobilen Geräten (Iphone, Ipad, Ipod Touch), eine Version für Android-Geräte ist geplant.
Das bereits weit verbreitete Airprint von Apple stellt keine App dar, sondern ein Protokoll, das bereits viele Druckerhersteller in ihren Geräten integrieren. Druckertreiber oder Software-Downloads sind bei diesem Verfahren nicht notwendig. Mit Apple Airprint drucken Nutzer drahtlos vom Iphone oder Ipad, was immer sie im Display anzeigen können: Safari, E-Mail, Fotos, Karten, Notizen, Iwork, PDFs in Ibooks oder Apps von anderen Entwicklern, die über eine integrierte Druckfunktion verfügen. Die Iphones und Ipads finden Airprint-fähige Drucker in der Umgebung automatisch. Außerdem lässt sich über Airprint auch auf Drucker ausgeben, die über einen Mac freigegeben sind.
Großflächige Lösungen zum Drucken überall
Jede Cloud- beziehungsweise Mobile-Printing-Lösung ist nur dann attraktiv, wenn sie möglichst großflächig konzipiert ist. Daher suchen Anbieter wie HP, Google oder Cortado nach Kooperationspartnern und Allianzen. HP beispielsweise hat in den USA die „Printeron“-Netzwerkpartnerschaft ins Leben gerufen, zu der etwa die Hotelkette Hilton, der Logistikdienstleister Fedex und die Fluggesellschaft Air Canada gehören.

Schematischer Überblick über die Funktionsweise von Google Cloud Print. Bild: SEH

Funktionsweise von E-Mail-basierenden Cloud-Lösungen, wie sie etwa Xerox, HP, oder Epson bieten. Bild: SEH

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