Gegen Naturkatastrophen, Stromausfälle und andere Be-drohungen des IT-Betriebs gibt es keinen kompletten Schutz. Hybride Speicherlösungen sowie strategisches Backup und Recovery helfen jedoch, dass aus Störungen des Geschäfts-betriebs nicht das Ende desselben wird.

Die Erwartungen der Anwender an die Performance und Verfügbarkeit von Unternehmensanwendungen und -daten sind so hoch wie nie zuvor. Steigende Anforderungen an die permanente Verfügbarkeit von Anwendungen über alle Geräte hinweg und die mangelnde Geduld der Anwender bei Ausfallzeiten belasten die IT-Teams in noch nie dagewesenem Maße. Diese Ungeduld zeigt sich unter anderem daran, dass IT-Teams in der Regel doppelt so viel Zeit benötigen, um ein technisches Problem zu lösen, wie Benutzer bereit sind, auf die Lösung dieses Problems zu warten. Diese Entwicklung ist unabhängig von der technischen Komplexität des ursprünglichen Problems.

Angesichts dieser hohen Erwartungen an die Verfügbarkeit von Anwendungen sind Unternehmen oft versucht, einen Ansatz bei der Datensicherung und -wiederherstellung zu wählen, der keinerlei Unterscheidung zwischen verschiedenen Daten und Applikationen vorsieht. Entsprechend sollen nach einem Ausfall Daten und Anwendungen unabhängig von der Bedeutung für den eigentlichen Geschäftsbetrieb möglichst schnell wieder zur Verfügung stehen.

Das führt dazu, dass nur eine einzige Strategie für die gesamte Infrastruktur entwickelt wird und somit nur eine einzige Backup- und Recovery-Implementierung für sämtliche Anwendungen und Daten erfolgt. Doch dieser Ansatz, der vermeintlich hohe Kosten einspart, führt unweigerlich zur Katastrophe. Denn es wäre gerade wichtig, zunächst die Daten und Anwendungen zuerst wiederherzustellen, die den Geschäftsbetrieb sichern. Erfolgt dies nicht, kann ein Systemausfall letztendlich auch das Überleben des Unternehmens gefährden.

Backup-Konzept passend zur Storage-Strategie

Die Ansprüche der Anwender an die ständige Verfügbarkeit ihrer Daten und Applikationen sind die Ursache einer immer komplexeren Anwendungslandschaft mit ihrer virtuellen Infrastruktur. Unternehmen setzen eine wachsende Anzahl von On-Premise-, Cloud- und hybriden Storage-Systemen ein, um flexibel auf wachsenden Speicherbedarf zu reagieren. Gleichzeitig wollen sie dabei die Kontrolle über beispielsweise personenbezogene Daten oder geistiges Eigentum behalten. Diese unterschiedlichen Speicheransätze erfordern jedoch jeweils einen spezifischen Backup- und Recovery-Ansatz, denn Unternehmen behandeln typischerweise verschiedene Daten auch bei der Ablage und Archivierung unterschiedlich. Daher sollten IT-Teams in einem ersten Schritt Speichermodelle suchen, die ihren individuellen Anwendungs- und Datenanforderungen entsprechen.

Sobald die Unternehmen eine Storage-Strategie eingeführt haben, gilt es, ein dazu passendes Backup-Konzept zu entwickeln und zu implementieren. IT-Teams sollten nach Lösungen suchen, die die Flexibilität der Datenablage und Archivierung unterstützen, um sicherzustellen, dass sich ihre Vorgehensweise bei Backup- und Recovery exakt auf die Geschäftsanforderungen abstimmen lässt.

Strukturiertes und analytisches Vorgehen

Aus dieser Anforderung wird deutlich, dass es eines strukturierten und analytischen Vorgehens mit einer genauen Bedarfsfeststellung bedarf, um nach der Storage-Strategie die passende Backup-Strategie zu entwickeln. Dabei müssen sich die IT-Verantwortlichen darüber im Klaren sein, dass diese Strategie das Speicher- und Archivierungskonzept abbilden muss. Eine einfache Universallösung, die alles gleich behandelt, ist definitiv fehl am Platz, denn sie ignoriert die unterschiedliche Bedeutung verschiedener Anwendungen und Daten für den Geschäftsbetrieb.

Eine der wichtigsten Überlegungen für Unternehmen ist es, sicherzustellen, dass sie zwischen geschäftskritischen und nicht geschäftskritischen Anwendungen und Daten unterscheiden und ihre Backup-Ressourcen entsprechend zuweisen. Während bestimmte Anwendungen absolut notwendig sind, um ein Unternehmen am Laufen zu halten, können andere Ausfallzeiten ohne große Auswirkungen auf das Unternehmen verkraften.

Entsprechend dieser Überlegungen gilt es dann, im Falle des Systemausfalls auch das Thema Recovery zu planen. Es ist zwar offensichtlich, dass die Unterscheidung sinnvoll und notwendig ist, doch machen sich noch längst nicht alle IT-Verantwortlichen ausreichend Gedanken, wie und in welcher Reihenfolge im Fall der Fälle die Wiederherstellung der Anwendungen und Daten konkret abzuwickeln ist.

Prävention ist wichtiger als Backup-Strategie

Eine vielseitige Backup- und Recovery-Vorgehensweise ist für die Wiederherstellung vollständiger Server, Anwendungen und Daten nach einem Ausfall von entscheidender Bedeutung. Einen Ausfall verhindern aber Backup- und Recovery-Lösungen nicht. Umso wichtiger ist daher die Prävention.

Um dies zu erreichen, sollten sich IT-Profis mit Lösungen zur proaktiven Verwaltung, Überwachung und zum Schutz von Daten und Anwendungen in wachsenden, heterogenen Umgebungen mit komplexen Speicherlösungen beschäftigen.

Zwar gehört zu jeder Backup/Recovery-Lösung selbstverständlich auch die passende Systemüberwachung, doch wie sieht das in heterogenen IT-Landschaften aus, in denen unterschiedliche Lösungen unterschiedlicher Anbieter mit unterschiedlicher Oberfläche laufen? Wie behält die IT-Abteilung in einer solchen Umgebung den Überblick?

Cloud-basierte Management-Konsolen ermöglichen die Zusammenfassung der Überwachung zentral an einer Stelle mit einer Oberfläche und senken auf diese Weise den Aufwand für die IT erheblich.

Der erste Schritt an dieser Stelle sollte die Auswahl einer Lösung sein, die optimalerweise physische und virtuelle Systeme nicht nur überwachen kann, sondern den Administratoren darüber hinaus ermöglicht, anhand der Kennzahlen drohende Systemausfälle vorherzusehen und Lösungsoptionen vorzuschlagen. Die beste Unterstützung für die IT bieten dann Lösungen, die zu den genannten Funktionalitäten dann direkt auch das Management der Infrastruktur erlaubt. Damit haben die IT-Abteilungen die Möglichkeit, die auf den kritischen Systemen laufenden Daten und Anwendungen auf andere Systeme zu verschieben, das betroffene System zu ersetzen und die Applikationen und Daten auf das dann neue System zurück zu migrieren. Der befürchtete Systemausfall lässt sich somit durch entsprechende Präventivmaßnahmen umgehen.

Was als Konzept sicherlich überzeugend klingt, darf jedoch keine neue Komplexität ins Backup- und Recovery-Konzept bringen. Entsprechend sinnvoll ist daher eine Lösung, die für die unterschiedlichen Aufgaben des Monitoring (auch des Backups, um hier gegebenenfalls Probleme zu erkennen), Administration, Backup und Recovery unter einer einheitlichen Oberflächen zusammenfasst.

Eine selbstentwickelte Oberfläche für das Monitoring ist sicherlich ein Weg, wenngleich ein schwieriger. Alternativ dazu sollten sich die IT-Experten auf dem Markt umsehen, denn moderne Portale bieten dazu leistungsfähige Plattformen, um genau diese Transparenz im Monitoring zu schaffen.

Cloud-basierte Management-Konsolen, die End-to-End-Transparenz für eine vollständige Datensicherungsumgebung bieten, sind für diesen Anspruch meist erste Wahl. Denn diese ermöglichen die Zusammenfassung der Überwachung zentral an einer Stelle mit einer Oberfläche und senken auf diese Weise den Aufwand für die IT erheblich. Ein Aspekt, der dabei nicht immer ausreichend Beachtung findet, ist die Überwachung hybrider virtueller Infrastrukturen. Dabei ist genau dies heute in vielen Unternehmen Realität und muss funktional vom Portal bereitgestellt werden.

Einheitliche Verwaltungsoberfläche

Wichtig ist eine einheitliche Oberfläche, die genau über den jeweiligen Zustand der gesamten Datensicherungsumgebung informiert, unabhängig von den darunterliegenden Sub-Systemen. Denn diese reduziert den Schulungsaufwand und ermöglicht gleichzeitig Betriebsanomalien wesentlich schneller zu erfassen, als wenn die IT-Administratoren für jeden Anbieter und deren Software die Bedeutung von Hinweisen und Kennzahlen einzeln aufzunehmen müssen. Durch Lösungen unabhängiger Anbieter lassen sich dabei in der Regel zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Dritthersteller sorgen dafür, dass sich Backup- und Recovery-Systeme unterschiedlicher Anbieter einheitlich verwalten lassen und gleichzeitig ein Vendor Lock-in auf einen einzigen Hersteller vermieden wird.

Fazit

Unternehmen sind heute mehr denn je und trotz der technischen Entwicklungen mit dem Risiko von Systemausfällen konfrontiert – sei es ein Cyberangriff, Naturkatastrophen oder menschliches Versagen. Diese Bedrohungsszenarien in Kombination mit der steigenden Bedeutung der IT als strategisches Element des Unternehmenserfolgs und ungeduldigen Mitarbeitern sowie Kunden, setzen die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen immer mehr unter Druck. Mit den richtigen Tools, einem ganzheitlichen Ansatz für Backup und Recovery und dem Fokus auf Prävention durch Management und Monitoring können IT-Teams die richtige Balance zwischen Prävention und strategischer Wiederherstellung finden, die für den reibungslosen Betrieb ihrer Systeme erforderlich ist.

Stefan Rabben ist Director Data Protection bei Quest Europe, www.quest.com.