Mit 5G ist vieles anders als bei bisheriger Mobilfunktechnik – nicht nur technisch, auch konzeptionell. So planen die meisten Länder der Erde, Frequenzbänder nicht nur für Mobilfunk-Provider, sondern auch für Unternehmen und deren lokalen 5G-Anwendungen bereitzustellen. Auf dem Orange Business Summit in Paris stand genau diese 5G-Variante im Mittelpunkt. Zusammen mit der Industrie will Orange Business Services (OBS) Anwendungsmöglichkeiten entwickeln und testen.

Der OBS-Gipfel, an dem Ende April mehr als 1.000 Unternehmenskunden des französischen Providers teilnahmen, war sehr stark auf Frankreich zugeschnitten. Das lag nicht zuletzt daran, dass sich mit Agnès Pannier-Runacher sowohl die französische Staatssekretärin beim Minister für Wirtschaft und Finanzen die Ehre gab, als auch mit Philippe Varin der Präsident der französischen Industrie. Beide hoben die Herausforderungen hervor, die 5G für die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft und Industrie darstellen wird.

Stéphane Richard, Chairman und CEO der Orange-Gruppe, konzentrierte sich bei seiner Keynote denn auch auf die führende Rolle, die Frankreich durch sein Unternehmen global bei der Entwicklung der 5G-Nutzung spiele. Dafür setzt OBS sehr stark auf die Zusammenarbeit mit der Industrie, auf dem Summit verdeutlicht an Beispielen wie Lacroix, Schneider Electric, Renault und SNCF. Laut Richard ist 5G nicht einfach eine weitere neue Mobilfunktechnik. Vielmehr handle es sich bei 5G um einen „Technologiesprung, der eine signifikante Transformation der Geschäftsmodelle für alle Unternehmen und in allen Tätigkeitsbereichen ankündigt. Um die Möglichkeiten zu nutzen, müssen Unternehmen ihre Anwendungsfälle unverzüglich antizipieren. Und wir als Betreiber müssen entsprechend mobil werden, um Unternehmen zu unterstützen und Lösungen zu entwickeln, die ihren Bedürfnissen entsprechen.“

Mit rund 25.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa 6,5 Milliarden Euro (2018) gehört OBS zu den größten IT-Dienstleistern Europas. Als B2B-Sparte der Orange-Gruppe (Umsatz 2018: 41 Milliarden Euro) konzentriert sich OBS ausschließlich auf die Betreuung der globalen Unternehmenskunden. Ihr aus Österreich stammender CEO Helmut Reisinger stellte auf dem Summit die 5G-Ambitionen seines Unternehmens im Detail dar. Dabei betonte er, dass 5G keine Verdrängungstechnik, sondern auf Koexistenz mit anderen Technologien gerichtet sei. Für die Auslotung des optimalen Zusammenwirkens der Übertragungsverfahren habe OBS eine Initiative zur Kooperation mit der Industrie ins Leben gerufen. „5G mag hier als alles überspannende Technologie betrachtet werden“, so Reisinger. „Je nach Industrie sind jedoch sehr individuelle Herausforderungen zu adressieren.“ Das „Internet der Unternehmen“, wie OBS es nennt, soll helfen, das technisch Mögliche zielgenau zu realisieren. Es gehe auch darum, die Wertschöpfungskette in der Industrie zu optimieren. Diese sei heute noch größtenteils physisch dominiert. Die weitere Digitalisierung umfasse die Sammlung von Daten, deren Transport, Speicherung, Verarbeitung, Analyse und nicht zuletzt Sicherung. OBS sieht sich bei all diesen Bausteinen nicht nur lokal, sondern auch im globalen Maßstab gut aufgestellt.

Im Unternehmensnetz erlaube 5G die massenhafte Verbindung von Objekten – schnell, zuverlässig und sicher. Zudem werde diese Implementierungsform private mobile Areale erlauben, weit über das Maß bisheriger WLAN-Installationen hinaus, so Reisinger. WLAN erreiche bereits klar seine Grenzen hinsichtlich Abdeckung, Durchsatz und vor allem Flexibilität. Nach dem SD-WAN (Software-Defined WAN) komme nun verstärkt das softwaregesteuerte LAN mit 5G als wichtigster Säule.

Auf die Frage, wie OBS die Zusammenarbeit von 5G auf europäischer und globaler Ebene sicherstellt, antwortete Reisinger, dass Europa deutlich besser funktioniere, als viele denken: „Auch wenn die USA mit den ersten 5G-Rollouts vorgeprescht sein mögen – in Europa haben wir uns darauf geeinigt, erst dann kommerziell zu starten, wenn der globale 5G-Standard festgeschrieben ist.“

Stefan Mutschler.