5G wird als „Netzwerk der Netzwerke“ positioniert, das öffentliche und private Komponenten, lizenziertes und unlizenziertes Spektrum sowie sogar über das Mobilfunknetz hinaus die Satellitenkommunikation umfasst. Aber in der Realität werde 5G nur eine vom mehreren Komponenten des vertikalen Technologie-Stacks von Unternehmen sein, so das Beratungsunternehmen ABI Research in seinem neuen Whitepaper „The Five Myths of 5G“.

„Die Telekommunikationsbranche hat 5G gewissermaßen als eine Technologie konzipiert, die mehrere andere konkurrierende Kommunikationstechnologien ergänzen oder sogar ersetzen wird. Dies ist tatsächlich im Standard enthalten. 5G umfasst eMBB, Ultra-Reliable Low-Latency Communication (URLLC) und Massive Machine Type Communication (mMTC). Der erste Anwendungsfall auf dieser Liste, eMBB, baut auf früheren Mobilfunkgenerationen auf, während URLLC Time Sensitive Networks (TSNs) ermöglichen und proprietäre Protokolle und sogar Industrial Ethernet ersetzen kann“, erklärt Stuart Carlaw, Chief Research Officer bei ABI Research. mMTC ist positioniert, um zelluläre IoT-Technik in einem System zu vereinen und Konnektivität für Millionen verschiedener Arten von IoT-Geräten aufzubauen. Theoretisch und gemäß seiner Spezifikation wird 5G Verbindungen ermöglichen, die von niedriger Leistung, niedrigen Datenraten bis hin zu ultrahoher Bandbreite und niedriger Latenz reicht, alles unter einem System.

„Aus pragmatischer Sicht wird 5G eine weitere Komponente in einem Flickenteppich von Kommunikationstechnologien sein und sicherlich einen einzigartigen Mehrwert schaffen. Es wird aber nicht das Netzwerk der Netzwerke sein, das die Telekommunikationsbranche derzeit diskutiert“, sagt Carlaw. Unternehmen in vertikalen Märkten – genau wie die Telekommunikationsbranche – verfügen über eigene etablierte Lieferketten und ganze Reihen von Kommunikationstechnologien. „Vertikale Endanwender in Unternehmen setzen auf ‚Funktion folgt Form‘, wobei sie sich auf praktische Anforderungen konzentrieren und nicht auf standardisierte Technologien bestehen. Es ist richtig, dass 5G eine kostengünstigere Basis einführen kann, insbesondere für Chipsätze und Geräte. Aber dies wird nur dann eintreten, wenn Unternehmen in vertikalen Märkten eine kritische Masse für 5G und damit Skaleneffekte schaffen.“

Dies werde vermutlich insbesondere in den ersten fünf Jahren von 5G nicht der Fall sein, wenn sich die Telco-Lieferkette an die Anforderungen von Unternehmensvertikalen anpasst. Dies könne auch bedeuten, dass 5G die Digitalisierungswelle der Unternehmen verpassen wird, die derzeit viele Märkte erfasst, insbesondere wenn die Telekommunikationsbranche nicht sofort handelt. Telco-Betreiber und die Infrastruktur-Lieferkette müssen vertikale Expertise aufbauen und mit Spezialisten zusammenarbeiten, falls es nicht notwendig ist, diese Expertise intern organisch auszubauen.

5G werde also nur eine Komponente des vertikalen Technologie-Stacks des Unternehmens sein, so Carlaw.

Diese Ergebnisse stammen aus dem Bericht „The 5 Myths Of 5G“ von ABI Research. Dieser Bericht ist Teil des 5G Industry Research Service des Unternehmens, der Forschung, Daten und ABI Insights umfasst. Weitere Informationen stehen unter www.abiresearch.com zur Verfügung.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.