Mit 95.000 angemeldeten Besuchern steuert der Mobile World Congress (MWC), der diese Woche in Barcelona läuft, mal wieder auf eine Rekordmarke zu. Dummerweise konnte selbst die mächtige GSMA als Veranstalter dieses Mal offenbar nicht verhindern, dass ein Streik, mit dem die Verkehrsbetriebe in Barcelona schon in den letzten Jahren immer wieder gedroht haben, nun tatsächlich stattfindet. Nokia kratzte das wenig: Auf seiner traditionell am Vorabend des MWC abgehaltenen Pressekonferenz erläuterte Nokia noch ohne verkehrstechnische Hindernisse, wie es nach dem Alcatel-Lucent-Deal (ALU) weitergeht. Mit Airscale überraschte Nokia CEO Rajeev Suri zudem mit der Ankündigung einer Mobilfunklösung, die schon jetzt „5G-ready“ (also für den Mobilfunk der nächsten Generation vorbereitet) sei.

Bereits im vergangenen Jahr kam Suri mit der Botschaft, dass Nokia sich komplett reformiert habe. Was er im Folgenden beschrieb, war damals die „neue Nokia“. Die Übernahme eines der größten Mitbewerber im Herbst letzten Jahres hat das Unternehmen nun aber offenbar noch radikaler verwandelt. Konsequenterweise sprach Suri nun von der „neuen, neuen Nokia“. Gewohnt rasant wie leidenschaftslos positionierte er Nokia nun als TK-Ausrüster mit einem „Produktspektrum ohnegleichen“.

 

Dabei begrub er auch gleich Gerüchte, wonach sich Nokia nach der ALU-Integration von seinem Festnetzgeschäft trennen wolle. Und auch Nuage Networks, die ehemalige SDN-Abteilung (Software-Defined Networking) von ALU, soll an Bord bleiben.

 

„Wir werden die Abteilung nicht nur behalten, sondern weiter stark darin investieren“, so Suri. Sicher aus gutem Grund, denn ohne die Fähigkeit, möglichst viele Funktionen eines Netzwerks als Software abzubilden, wäre es wohl undenkbar, schon vor der Verabschiedung wesentlicher Teile des 5G-Standards so etwas wie 5G-ready zu propagieren. Mitbewerber sehen die Formulierung trotz SDN und NFV (Network Function Virtualization) eher als zweifelhaft, denn „wir alle setzen massiv auf Virtualisierungstechnologien – und in diesem Sinne könnten wir alle behaupten, 5G-ready zu sein“, so etwa ein Sprecher bei Ericsson direkt darauf angesprochen.

 

Bei der Integration der Unternehmen hinsichtlich neuer 4G-Entwicklungen gibt es laut Suri bei Nokia verschiedene Ausprägungen. So sei das Portfolio etwa bei Small Cells eher komplementär zu ALU, bei IMS habe traditionell Nokia einen stärkeren Fokus, in Sachen Video-Collaboration habe ganz klar ALU den Ball. Eine neue, gemeinsame Funkschnittstelle wollen die beiden Unternehmen in den kommenden Monaten entwickeln.

 

Ganz ohne Portfoliobereinigung soll es aber dennoch nicht abgehen. Insbesondere im Mobilnetzwerkgeschäft werde es laut Suri Rationalisierungen geben, angefangen bei Radio Access über die Kernnetze bis hin zum Kundendaten-Management.

 

5G-bereite Airscale-Lösung

Die nächste Generation der drahtlosen Zugangstechnik soll die Art und Weise, wie Netzwerke gebaut sind, von Grund auf verändern. Die neue Radio-Access-Familie Airscale umfasst unter anderem ein Cloud-basiertes Radio Access Network (RAN), das für offene Schnittstellen konzipiert ist. Airscale soll damit in der Lage sein, jede existierende Mobilfunktechnik (2G, 3G, TDD-LTE, FDD-LTE, LTE Advanced, LTE Advanced Pro) innerhalb einer einzigen Basisstation zu unterstützen – und das simultan.

 

Per Software sollen sich auch 5G-Techniken integrieren lassen – daher der Slogan „5G-ready“. Die Basisband-Einheiten lassen sich in Reihe schalten – daher soll sich ihre Kapazität nahezu grenzenlos skalieren lassen. Suri sieht das als unabdingbare Eigenschaft, wenn es darum geht, die Anforderungen von massiven IoT-Anwendungen und 5G-Geschwindigkeiten zu unterstützen. Als weiteres Highlight reklamiert Suri den Energieverbrauch: Er soll um 60 Prozent niedriger liegen als bei der derzeitigen Funkplattform.

 

Zur neuen Airscale-Lösung gehören ein Cloud-basiertes Radio Access Netzwerk (Cloud-RAN) mit einem Cloud-basierten Basisstation-Server, der auf der Airframe Rechenzentrumslösung von Nokia aufsetzt, Airscale Wi-Fi mit Access-Points und Airscale Wi-Fi Controller (ebenfalls auf Airframe), gemeinsame Software über die verschiedenen Funk-Zugangstechniken (inklusive Small Cells) von Nokia hinweg sowie unterstützende Services, die intelligente Analysen und extreme Automatisierung nutzen, um die Leistung von hybriden Netzwerken zu maximieren.

Die neue Radio Access-Familie Airscale umfasst unter anderem ein Cloud-basiertes Radio Access Network (RAN), das für offene Schnittstellen konzipiert ist. Quelle: Nokia