Die Deutsche Telekom macht ernst: Mit der Abschaltung von ISDN zum Ende des Jahres nehmen Alarmsignale künftig nur noch den Weg über die Internet-Protocol-Technik – kurz All-IP. Die Umstellung birgt jede Menge Fallstricke. Worauf sollten Betreiber jetzt achten? Und was bedeutet diese Veränderung für Rechenzentren?

Der Schritt war lange angekündigt, nun wird er vollzogen: Das Ende des Zeitalters von ISDN und Datex-P steht bevor. Noch in diesem Jahr kündigt die Deutsche Telekom alle darüber aufgeschalteten Systeme und stellt auf die Internet-Protocol-Technik (All-IP) um. Dies hat vor allem für Sicherheitssysteme nachhaltige Konsequenzen: Alarmsignale laufen künftig nicht mehr über klassische Leitungsvermittlung wie ISDN, sondern per Paketvermittlung über das Internet zu den entsprechenden Alarmempfangsstellen.

Langfristig gesehen bringt die Umstellung auf All-IP vor allem eine Kostenersparnis für die Betreiberseite. Alarmsignale werden durch die neue Technik jedoch auch schneller und zuverlässiger übertragen. Im Moment kreisen die Gedanken der meisten Betreiber allerdings wohl noch um die Realisierung der Umstellung. Denn je nachdem, wie die vorhandenen Alarmsysteme aufgebaut und wie viele davon vorhanden sind, gestaltet sich die Umschaltung kompliziert.

Ohne Profis wird es kritisch

Auch für Rechenzentrumsbetreiber ist die laufende Umstellung auf All-IP ein Thema. Zwar sind die meisten Datacenter bereits seit einigen Jahren All-IP-fähig geplant, von der Umstellung betroffen sind jedoch in den meisten Fällen die sogenannten „Endkreise“ – also alarmgesicherte Gebäude und Anlagen auf der RZ-Fläche, die das Datacenter versorgt. Sie senden ihre Alarmsignale häufig noch über die auslaufende ISDN-Technik an die zugehörigen Alarmempfangsstellen. Die Umschaltung erfordert dabei einen größeren technischen Aufwand: Zumeist müssen die Betreiber neue Router installieren und auf die Empfangsstellen aufschalten.

Die Deutsche Telekom hatte die Umstellung auf die All-IP-Technik bereits vor zehn Jahren angekündigt – wirklich ernst nahmen das allerdings die wenigsten Anwender. Nun, da sich die Frist dem Ende neigt, droht es hektisch zu werden. Denn etwa 90 Prozent aller vorhandenen Aufschaltungen laufen über ISDN, und es ist abzusehen, dass zum Jahresende nur noch wenige Techniker verfügbar sind, die die Umstellung durchführen könnten. Dabei ist eine professionelle Unterstützung bei der Umrüstung vorhandener Anlagen unbedingt notwendig. Oft ist deren Funktionsweise zu unterschiedlich für einen einfachen Lösungsweg.

Außerdem erfordert die Umstellung auf All-IP deutlich komplexere IT-Fachkenntnisse, als sie in den meisten Alarmempfangsstellen und Leitstellen gegeben sind. Dies liegt vor allem an den steigenden Sicherheitsanforderungen, die mit der All-IP-Technik verbunden sind: Die Signalvermittlung über das Internet öffnet mitunter Tür und Tor für Angriffe von außen. Dies wiederum macht komplexe und aufwändige Schutzmechanismen nötig.

Oft suchen Betreiber daher den Weg des geringsten Widerstandes, der sich schlussendlich aber als deutlich zeit- und kostenintensiver herausstellt: Viele Unternehmen vernachlässigen ausgiebige Testläufe im Zuge der Umstellung. Um den technischen und finanziellen Aufwand möglichst gering zu halten, werden ISDN-Wandler installiert, die das Signal in All-IP-fähig umwandeln sollen. Das Problem: Für viele Anlagen, vor allem im Bereich der Gefahrenmeldung, sind diese Wandler nicht geeignet. Das hat zur Folge, dass Alarmsignale gar nicht mehr oder nur noch unvollständig an der Leitstelle ankommen. Eine vorherige Rücksprache mit Experten darüber, welche Installation wirklich sinnvoll ist, empfiehlt sich also dringend.

RZ-Anbindung über Carrier

Rechenzentren selbst sind oft ohne großen Aufwand durch entsprechende Netzanbindungen auf die Internet-Protokoll-Technik umgestellt. Solche Anbindungen realisieren vor allem große ICT-Lösungsanbieter wie zum Beispiel Itenos. Das Unternehmen ermöglicht in Frankfurt die direkte Anbindung an das Netzwerk der Deutschen Telekom und damit den Zugang zur All-IP-Welt. Im Jahr 2016 plante der Dienstleister beispielsweise für ein namhaftes Technologieunternehmen eine RZ-Fläche von 240 m² und 160 kW Leistung sowie eine Alarmempfangsstelle in einer hochsicheren Arbeitsumgebung. Zu den entscheidenden Vorgaben des Auftraggebers gehörte dabei die Ausführung und Zertifizierung der Fläche nach DIN 50518, einer Norm, die alle Punkte der inneren und äußeren Sicherheit für Leitstellen regelt. Itenos schloss das Rechenzentrum samt Alarmempfangsstelle an das Carrier-Netz in Frankfurt an und ermöglichte so eine All-IP-fähige und damit hochsichere Signalübertragung.

Ein Komplettschutz setzt jedoch ein geschultes Personal voraus, das mit der Komplexität der neuen Anlagen und Technik vertraut ist. Solche IT-Profis sind rar gesät und dementsprechend teuer. Betreiber seien also gewarnt, dass die All-IP-Umstellung nicht nur technische, sondern auch personelle Veränderungen mit sich bringt.

Piet Meyer ist Sales Manager Business Unit Data LogistIX bei Itenos, www.itenos.de.