Lärm, störende Geräusche und ablenkende Gespräche sind ein großes Übel in modernen, offenen Bürolandschaften. Oft halten sie Mitarbeiter sogar von der Arbeit ab. Aktuelle Systeme für Unified Communications können viele dieser Lärmquellen deutlich reduzieren oder ausblenden.

Wenn es um die zeitgemäße Gestaltung von Büroumgebungen geht, sprechen Architekten und Raumplaner von den vier Ks: Konzentration, Kollaboration, Kommunikation und Kontemplation. Sie fassen die aktuellen Anforderungen zusammen, die eine moderne Arbeitsumgebung erfüllen muss. Einerseits soll die offene, abteilungsübergreifende Kommunikation die Agilität des Unternehmens fördern. Andererseits sollen Mitarbeiter konzentriert und ungestört arbeiten können. Vor allem mit letzterem Aspekt gibt es in der Praxis allerdings immer wieder Schwierigkeiten.

Das gilt insbesondere im Großraumbüro – in dem in Europa laut einer Untersuchung der International Facility Management Association immerhin 50 Prozent aller Angestellten arbeiten. Die Gespräche der Kollegen dort stören die anderen Mitarbeiter massiv bei ihren Aufgaben, genauso wie bei der Kommunikation mit externen Kunden, Partnern und Kollegen. So dauert es laut einem vielbeachteten Experiment von Gloria Mark von der University of California mit über 20.000 Teilnehmern rund 20 Minuten, bis ein Angestellter nach einer Ablenkung wieder mit voller Konzentration bei der Sache ist. Ein großes Problem dabei ist, dass einzelne Stimmen noch aus einer Entfernung von etwa 18 Metern gut wahrnehmbar sind. Der dadurch entstehende Geräuschpegel ist besonders in der Unruhe der ersten und letzten Stunden des Arbeitstages enorm.

Es gibt jedoch auch biologische Gründe, aus denen gerade das Großraumbüro die dort Arbeitenden so massiv stört: Aus jedem deutlich verständlichen Wortfetzen versucht das Gehirn einen kognitiven Zusammenhang zu konstruieren. Die einzige Chance, diesen Störfaktor auszuschalten, besteht darin, die Sprachverständlichkeit „herunterzuregeln“. Die einfachste Maßnahme, das Blockieren durch schallschluckende Wände, steht dem Konzept des Open Offices allerdings entgegen. Als weitere Störfaktoren nennen Büroarbeiter immer wieder die zahlreichen Akustikprobleme rund um Audio- und Videokonferenzen – von der generell schlechten Audioqualität bis hin zum Rascheln von Papier oder dem Hintergrundlärm, den die Audio- oder Videolösung ungefiltert mit überträgt.

Mittlerweile gibt es für sämtliche dieser Probleme jedoch technische Lösungen, die für hervorragende Audioqualität bei Konferenzen ebenso wie für Ruhe in offenen Büroumgebungen sorgen.

Effektive Techniken zur Lärmreduktion

Bei Audio- und Videosystemen kommt es dafür zunächst einmal auf die Qualität des Kompressionsalgorithmus sowie ein möglichst breites Frequenzspektrum an. In dieser Hinsicht ist die Technik jedoch mehr oder weniger ausgereift. Der Unterschied zwischen verschiedenen Kollaborations- und Konferenzlösungen besteht deshalb heute eher darin, mit welcher ausgefeilten Technik sich Umgebungs- beziehungsweise Störgeräusche ausblenden lassen.

Eine der effizientesten Methoden, um Umgebungslärm bei Audio- und Videokonferenzen mit Headsets zu eliminieren, ist beispielsweise eine Technik namens „Acoustic Fence“. Dabei sind sowohl das eingebaute Mikrofon des Computers als auch das Headset-Mikrofon aktiv. Zusammen bilden sie eine akustische Blase um den Ort des Geschehens. Während das Headset-Mikro die Stimme als Hauptaudioquelle erkennt, erfasst das Computermikrofon den Umgebungslärm und liefert die Basis für eine softwaregestützte Geräuschreduktion.

Die Technik funktioniert auch bei Konferenzsystemen mit mehreren Teilnehmern und wenn eine Konferenz nicht räumlich getrennt vom übrigen Bürolärm stattfindet. Bei dieser Anwendungsform des Acoustic Fences wird mit Hilfe von mindestens zwei Mikrofonen definiert, welcher Audioinput für das Meeting wichtig ist und so ein „eingezäuntes“ Gebiet innerhalb der offenen Umgebung geschaffen. Das Hauptmikrofon, beispielsweise das eines Rechners oder einer Telefonspinne, nimmt dabei den relevanten Input auf. Die zusätzlichen, im Raum hängende Mikrofone erkennen die Geräusche der Umgebung und ordnen diese entsprechend ein.

Umliegender Lärm wird so entweder eingedämmt oder komplett ausgeblendet. Mit Hilfe von „Smart Gating“ lassen sich die Teilnehmermikrofone stummschalten, sofern diese nur Geräusche außerhalb des Zauns registrieren. Die sektrale Subtraktion reduziert außerdem Geräusche von „außerhalb“ des Zaunes, sobald Teilnehmer sprechen. Die Lage und Form des Zaunes wird dabei von der Anzahl und Anbringung hängenden Mikrofone bestimmt. Ein einzelnes Mikrofon kann beispielsweise nur einen Kegel direkt über dem Konferenztisch abdecken. Mit Hilfe von zwei Mikrofonen ist es bereits möglich, eine Halbkugel oder Art Wand zu bilden und damit Geräusche noch gezielter von einem bestimmten Areal fernzuhalten.
Grundsätzlich lässt sich – auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz – heute ein breites Spektrum an Störgeräuschen aus einer Audiokonversation filtern. Es reicht vom allgemeinen Stimmgewirr im Hintergrund über Papierrascheln direkt vor dem Mikrofon bis zum Bellen eines Hundes – was für Konferenzen im Home Office nützlich sein kann.

Lärm im ganzen Büro bekämpfen

Intelligente Technik geht jedoch noch einen Schritt weiter und bekämpft Lärm und Störgeräusche nicht nur in Unified-Communications-Umgebungen. Mit den dort gewonnenen Erkenntnissen haben Unternehmen wie beispielsweise Poly Lösungen gefunden, die Stimmen innerhalb einer Büroumgebung gezielt unverständlich machen können.
Konventionelle Sound-Masking-Systeme dafür gibt es seit mehreren Jahren. Über einen Lautsprecher in der Bürodecke wird der Raum dabei mit weißem Rauschen beschallt. Grundsätzlich erfüllt ein solches System seinen Zweck: Die Sprachverständlichkeit quer durch den Raum sinkt erheblich und die Gespräche unter Kollegen stören weniger. Dem stehen jedoch gravierende Nachteile entgegen: Immer wieder berichten Angestellte in entsprechend ausgestatteten Büros von Kopfschmerzen und Unwohlsein oder einer diffus als unangenehm empfundenen Arbeitsatmosphäre.

Die Lösung für ein nicht krankmachendes Rauschen liegt in der Natur: Wasser übt eine beruhigende Wirkung auf die meisten Menschen aus. Wer entspannen oder abschalten möchte, fährt ans Meer oder macht einen Spaziergang am Fluss. Beim auf dieser Grundlage entwickelten Habitat Soundscaping von Poly erfassen mehrere in die Decke eingelassene oder von ihr herabhängende Sensoren den Schallpegel im Büro. Technisch sind sie dabei so ausgelegt, dass keine Stimmaufzeichnung möglich ist. Ein Computer erstellt mit ihrer Hilfe ein dreidimensionales Bild der Raumakustik. Über Deckenlautsprecher wird anschließend ein Sound-Teppich aus Wasserrauschen über das Büro gelegt. Er wird als sehr räumlicher und damit natürlicher Teil der Umgebung wahrgenommen.

Anders als herkömmliche Lösungen, die auf flächiges weißes Rauschen setzen, kann eine solche Lösung die Sound-Maskierung intelligent umsetzen. Dabei wird das Rauschen ganz gezielt an den Stellen im Raum angehoben, an denen es nötig ist. Sobald ein akustischer „Hot Spot“ – etwa eine Gruppe von ins Gespräch vertieften Personen – erkannt wird, entsteht um diese eine Art akustischer Vorhang. Dafür genügt es, das Rauschen punktuell um ein bis zwei Dezibel anzuheben. Die Verständlichkeit innerhalb der Gruppe leidet darunter nicht. Bereits mit wenigen Metern Abstand zu ihr lassen sich einzelne Wörter des Gesprächs jedoch nicht mehr identifizieren. Wenn sich die Gruppe in Bewegung setzt, wird sogar der gesamte maskierte Bereich automatisch verschoben. Die Störung des ganzen Büros bleibt aus.

Visuelle Eindrücke beachten

Um eine stärkere kognitive Verknüpfung zwischen dem Rauschen des Wassers und den visuellen Eindrücken zu erzielen, sollte fließendes Wasser auch tatsächlich zu sehen sein. Dieser Punkt ist wichtig, weil das aus dem Nichts zu kommen scheinende Rauschen ansonsten irritierend wirkt. Eine Möglichkeit sind Büro-Wasserfälle, die als offenes oder geschlossenes System obendrein ein zusätzlicher Blickfang sind.

Darüber hinaus lässt sich ein solches System mit einer Unified-Communications-Lösung verbinden. So ist es möglich, das Rauschen des Wassers in die auf den Rechnern installierten Systeme einzukoppeln, sodass sich auch über den Kopfhörer eine beruhigende Atmosphäre erzeugen lässt.

Angesichts all seiner Vorteile ist es dank eines Habitat-Soundscaping-Systems nicht länger nötig, Bereiche räumlich voneinander zu trennen. Stattdessen lassen sich die verschiedenen Anforderungen – Zonen zum konzentrierten Arbeiten, für Besprechungen in kleinen Gruppen und den informellen Austausch – größtenteils auf akustischem Wege erfüllen. Das erweitert die Möglichkeiten des offenen Büros erheblich.

Paul Clark ist Senior Vice President EMEA bei Poly, www.poly.com.