Zur Technology Exchange (TEX) 2018 konnte Citrix dieses Jahr 1.300 Teilnehmer in das World Conference Center (den ehemaligen Bundestag) nach Bonn locken. In fünf Tracks mit 50 Breakout-Sessions erläuterte der Anbieter sein Portfolio – und nicht zuletzt seinen verstärkten Fokus auf die Wahlfreiheit und User Experience der Endanwender.

Das neue lokale Führungspersonal – Oliver Ebel als Area Vice President Central Europe und Michael Heitz, ebenfalls neuer Regional Vice President Deutschland – nutzte die Bühne der TEX, um sich den Citrix-Kunden kurz vorzustellen. Danach läutete Christian Reilly, Vice President und CTO von Citrix, den inhaltlichen Teil der Veranstaltung mit einer Keynote zur Citrix-Strategie und dem aktuellen Portfolio ein.

Die TEX im ehemaligen Bundestag in Bonn war mit laut Veranstalter 1.300 Teilnehmern sehr gut besucht. Bild: Citrix

Die TEX im ehemaligen Bundestag in Bonn war mit laut Veranstalter 1.300 Teilnehmern sehr gut besucht. Bild: Citrix

Reillys Hauptbotschaft: Citrix hat sich in den letzten 18 Monaten grundlegend gewandelt – vom Hersteller einer Virtual-Workspace-Infrastruktur zum Anbieter von Lösungen und Services mit dem Ziel, die Produktivität von Mitarbeitern zu steigern. Im Rahmen dieser Neuausrichtung habe man das Vertriebskonzept ebenso neu aufgesetzt wie Fragen der Finanzierung, Partnerschaften und des Marktauftritts.

Den Kontext zu dieser Neupositionierung liefert der rasante Fortschritt der Digitalisierung: „Das Tempo der Technologiesprünge ist historisch beispiellos“, so Christian Reilly. Warum aber die – nochmals verstärkte – Fokussierung auf den Endanwender? Trotz zunehmender Automation bleiben qualifizierte und motivierte Mitarbeiter ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Unternehmen – doch solche Mitarbeiter, so Reilly, sind immer schwerer zu finden. Zudem werden sie immer anspruchsvoller – und sind immer stärker bereit, Workarounds um die Unternehmens-IT zu nutzen. Eine nutzergerechte Arbeitsumgebung wird damit zum Kernelement des Unternehmenserfolgs.

Große Unternehmen geben laut Reilly 50 bis 60 Prozent ihres Budgets für die Mitarbeiter aus. Dennoch seien laut Umfragen 20 Prozent der Mitarbeiter „aktiv unengagiert“, haben also innerlich schon gekündigt oder sind auf der Suche nach einem anderen Job. Unternehmen mit engagierter Mitarbeiterschaft erzielen hingegen laut dem Citrix-Vordenker 20 Prozent höhere Produktivität und 21 Prozent mehr Profit.

Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern werde in den nächsten Jahren eskalieren: Laut Hochrechnungen soll es 2030 weltweit 85 Millionen mehr freie Stellen geben als geeignete Bewerber. Damit, so Reilly, verschärfe sich der Wettbewerb um hochqualifizierte neue Mitarbeiter erheblich.

Nach den Millennials nun die „Gen Z“

In den letzten Jahren hat die Arbeitswelt die erste Welle von Digital Natives („Generation Y“ oder „Millenials“) absorbiert. Nun drängt allmählich die Generation der um die Jahrtausendwende Geborenen – im US-Englisch „Generation Z“ oder kurz „Gen Z“ – auf den Arbeitsmarkt. Diese kommende Anwenderschaft – aufgewachsen in einer Always-on-Welt, in der das Smartphone das Endgerät der Wahl darstellt – erwartet laut Reilly die sofortige Verfügbarkeit benötigter Apps, Services und Informationen – während Angestellte heute 20 Prozent ihrer Zeit damit verschwenden, nach den richtigen Informationen zu suchen. Denn es gebe in den Unternehmen zu viele Apps, von denen stets nur ein Bruchteil der Funktionalität genutzt werde, und deren Bedienung zu kompliziert sei.

„Die Anwender sind smarter als je zuvor. Sie finden schnell heraus, was für sie funktioniert und was nicht“, so Citrix-CTO Christian Reilly. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

„Die Anwender sind smarter als je zuvor. Sie finden schnell heraus, was für sie funktioniert und was nicht“, so Citrix-CTO Christian Reilly. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Dies ist laut dem Citrix-CTO ein Haupttreiber für die Schatten-IT: Wenn die Tools des Arbeitgebers nicht wie gewünscht arbeiten, weiche man eben auf bequemer bedienbare Consumer-Produkte aus. „Die Anwender sind smarter als je zuvor“, so Reilly, „sie finden schnell heraus, was für sie funktioniert und was nicht.“

Das Gros der Unternehmen befindet sich laut Reilly angesichts umfangreicher veralteter Bestands-IT und hoher regulatorischer Anforderungen gerade erst mitten in der Transformation zur Mobile/Cloud-Ära. Hier benötige die Unternehmensführung Hilfe, um den Wandel zur modernen IT und damit benutzerfreundlichere Arbeitsumgebungen zu schaffen.

Nutzergerechte Arbeitsumgebung

Citrix’ Ziel ist letztlich eine selbstlernende Arbeitsumgebung, die den individuellen Benutzerkontext berücksichtigt, den Anwender mittels intelligenter, also ML-basierter (Machine Learning) Assistenzfunktionen unterstützt und es erlaubt, zeitraubende Standardtätigkeiten zu automatsieren. Genau hier kommt eine aktuelle Akquisition zum Tragen: Citrix übernahm jüngst Sapho, einen Anbieter von Mikroapplikationen. Diese zielen darauf ab, wiederkehrende Arbeitsabläufe zu beschleunigen, indem man Workflow-Schritte auf kleine „App-Schnipsel“ reduziert, sodass der Anwender nicht für jede Interaktion eine andere Business-Applikation öffnen und schließen muss.

Lokal installierte virtualisierte Applikationen und Desktops – Citrix’ traditionelles Kerngeschäft – sind laut Reilly heute schlicht eine Option innerhalb einer weitgespannten Workspace-Architektur. Die Stoßrichtung weist auch bei Citrix klar auf Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebungen – nicht zuletzt hat der Anbieter in den letzten Jahren sämtliche seiner Angebote auf eine Cloud-Basis umgestellt, insbesondere in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Partner Microsoft: Die Citrix Cloud läuft auf der Basis von Microsoft Azure. Lokale Installationen werde es zwar die nächsten 15 bis 20 Jahre noch geben, so Reilly, aber die traditionelle Architektur verliere stetig an Relevanz.

Aufgrund des Wandels zum Cloud-basierten Digital-Workspace-Provider sieht sich Citrix nun sehr gut positioniert, um die Bedürfnisse einer zunehmend anspruchsvollen, Mobile- und Cloud-orientierten Anwenderschaft mit den Forderungen der Unternehmens-IT nach Security und Kontrolle zu einer sicheren Ende-zu-Ende-Architektur für flexibles, geräteübergreifendes Arbeiten zusammenzuführen. Die Mittel der Wahl sind hier die Citrix Cloud und auf Endanwenderseite die Workspace App.

Für die Workspace App ist es unerheblich, wo eine Applikation läuft, ob in der Cloud oder lokal. Wie auf der Microsoft Ignite bekanntgegeben, will Citrix in Kürze auch Windows Cloud Desktops auf Azure in dieses Szenario einbinden. Citrix Access Control dient dabei dem Single Sign-on (SSO) zu allen SaaS-, Web- und virtualisierten Applikationen. Hinzu gesellen sich diverse Sicherheitsfunktionen wie etwa die Durchsetzung von Nutzungsrichtlinien beim Zugriff auf Unternehmensdaten, das Watermarking von SaaS-Anwendungen, In-Line-Web-Filtering mit automatischem Blockieren schädlicher oder untersagter Websites sowie ein Secure Browser. Letzterer kann automatisch das Web-Surfen in eine Sandbox verlagern, sobald der Endanwender den Bereich der Website-Whitelist verlässt.

Laufende ML-basierte Optimierung

Besonderen Wert legt Citrix darauf, dass das Nutzerverhalten zur Performance-Optimierung und aus Sicherheitsgründen laufend überwacht wird. Die Aggregation und Analyse der Metadaten erfolgt in der Citrix Cloud. Dieses kontinuierliche, ML-basierte Monitoring erzeugt einen Risiko-Score, erläuterte Reilly. Dessen Erreichen löst dann vorgegebene Aktionen aus, etwa eine Warnmeldung an den Systemadministrator, eine erneute Authentifizerung des Endanwenders oder aber das Blockieren eines Endpunkts.

Insgesamt, so CTO Reilly, verschaffe Citrix den Unternehmen und deren Endanwendern eine immer größere Auswahl aus Endgeräten, Applikationen und Infrastrukturen. Deren Nutzung sichere Citrix über verteilte Cloud-Umgebungen hinweg, von lokalen Private Clouds bis hin zu Azure, AWS oder der Google Cloud Platform. Dafür setze man aber nicht nur auf hauseigene Technik, sondern auch auf Partner, von Endgeräteherstellern wie Apple und Samsung bis hin zu den Anbietern der über 120 Apps im Workspace-Ökosystem. Machine Learning soll es in diesem Szenario künftig ermöglichen, dass sich das digitale Arbeitsumfeld im Lauf der Zeit immer stärker an die individuellen Bedürfnisse des Endanwenders anpasst – ohne dabei die Sicherheitsziele der Unternehmens-IT zu gefährden.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.