Auf der Technology Exchange 2018 in Bonn standen die Themen User Experience und Cloud-Services im Vordergrund (LANline berichtete). Doch im Plenarsaal des ehemaligen Bundestags bot die TEX auch den Netzwerklösungen eine große Bühne: dem vormals als NetScaler bekannter Application Delivery Controller (ADC), der nun schlicht „Citrix ADC“ heißt, ebenso wie der softwaregesteuerten Netzwerkoptimierung mittels SD-WAN (Software-Defined WAN).

Marissa Schmidt, Senior Director Product Management für Citrix ADC, erläuterte die drei Einsatzbereiche des hauseigenen Netzwerkportfolios: erstens SD-WAN für den WAN-Edge (also die Endgeräteseite des Weitverkehrsnetzes) inklusive dessen Optimierung, zweitens Zugangskontrolle und Sicherheit (mittels Citrix Gateway und Secure Web Gateway) sowie drittens die Performance-optimierte Bereitstellung von Applikationen. Dies ist die Kernfunktion jedes ADCs, bei Citrix ergänzt um die hauseigene Software ITM (Intelligent Traffic Management) für das Echtzeit-Monitoring aus Benutzersicht.

Der Einsatz der hauseigenen Netzwerklösungen beschleunigt die Nutzung von Office-365-Apps deutlich, so Citrix-Managerin Marissa Schmidt. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Der Einsatz der hauseigenen Netzwerklösungen beschleunigt die Nutzung von Office-365-Apps deutlich, so Citrix-Managerin Marissa Schmidt. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Schmidt arbeitete einen Punkt heraus, der angesichts der Citrix-typischen Schwerpunktsetzung auf digitale Arbeitsplätze schnell aus dem Blick gerät: dass nämlich der ADC den Kernbaustein von Citrix’ Hybrid- und Multi-Cloud-Architektur darstellt. Schließlich betont Citrix gerne, dass seine digitalen Workspaces zwar via Citrix Cloud verwaltet werden, aber in beliebigen Umgebungen laufen können: lokal im Unternehmensnetz, in einer Public Cloud wie Azure, AWS und Google Cloud Platform (GCP) oder als gehostete Private Cloud bei einem beliebigen Cloud-Provider.

Die Vermittlungsstelle für das Zusammenspiel dieser Multi-Cloud-Bausteine ist der ADC. Deshalb, so betonte Schmidt, sei es wichtig, dass der ADC in beliebigen Umgebungen mit identischer Funktionalität lauffähig ist. Den Citrix ADC gibt es in den Varianten SDX (hochskalierende Plattform), MPX (Appliance) und VPX (Virtual Appliance) für das lokale RZ oder die Private Cloud sowie als Containerversion CPX für Micro-Service-Umgebungen. In einem vertiefenden Vortrag kündigte Schmidt an, dass auf Kundenwunsch in Kürze auch eine „BPX“ genannte Bare-Metal-Variante folgen werde.

Sicherheit und WAN-Optimierung

Citrix ADC sorgt für die optimierte Anwendungsbereitstellung ebenso wie für die Sichtbarkeit und Management des Datenverkehrs über Clouds hinweg sowie für die Applikationssicherheit in der hybriden Multi-Cloud-Welt. Zugleich liefert er die Grundlage für Citrix SD-WAN-Lösung. Diese vereint SD-WAN-typische Funktionen wie Virtual WAN, Routing, Netzwerksicherheit und WAN-Optimierung. Letztere Funktionen kann der Konzern dabei sogar innerhalb des hauseigenen HDX-Protokoll-Stacks bieten: Das SD-WAN erkennt, ob es sich beim HDX-Traffic um eine Videokonferenz oder aber zum Beispiel um einen Druckjob handelt, und kann die Priorisierung entsprechend anpassen. Damit, so Schmidt, ermögliche man eine „kontextbezogene Optimierung“ der digitalen Arbeitsplätze.

Citrix ITM ergänzt dies um eine Überwachung der Applikationen, Inhalte und Workspaces im Business-Kontext sowie – wichtig für Service-Provider oder E-Commerce-Anbieter wie den Citrix-Kunden eBay – die von SaaS-Anwendungen, Video-Streams oder Gaming-Services. Für Cloud-native Szenarien wiederum unterstütze der SD-WAN-Ansatz eine verlässliche Netzanbindung dynamischer DevOps-Umgebungen wie auch von Micro-Service-Architekturen. Letzteres gewinnt laut Schmidt an Bedeutung: Aufgrund der Verbreitung von Micro-Services werde künftig 85 Prozent des Datenverkehrs in Ost-West-Richtung (zwischen Containern) stattfinden statt wie traditionell zwischen Servern und Anwendern (Nord-Süd).

Deep Dives und Visionen

Die zahlreichen Vorträge reichten von „Deep Dives“ in einzelne Lösungen über Partner- und Kundenvorträge bis hin zum „Vision Track“, der sich mit Themen wie künstlicher Intelligenz und der Zusammenarbeit von Citrix mit dem Red Bull Racing Team befasste. So erläuterte Vipin Borkar, Director of Product Management für die Citrix Workspace App, deren wichtige Neuerungen, darunter föderierte Authentifizierung mit Azure AD, iOS-12- und macOS-Mojave-Support, Anbindung externer Geräte mittels Workspace Hub, ein File-Transfer-Adapter zu Google Drive, ein ITSM-Adapter zu ServiceNow, verbesserten HTML5-Durchsatz und ein anpassbares Workspace-Interface. Dieses können Unternehmen und Provider nun an ihre Corporate Identity angleichen, bis hin zu den Alerts und Fehlermeldungen. Künftig, so Borkar, werde sich der Workspace zur intelligenten Arbeitsumgebung entwickeln, die dem Anwender mittels ML-assistierter Interaktionen und Sapho-Mikroapplikationen den Alltag erleichtert.

Riet zu differenziertem Vorgehen im Umgang mit Geschäftskontakten: Braincon-CTO Thorsten Rood. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Riet zu differenziertem Vorgehen im Umgang mit Geschäftskontakten: Braincon-CTO Thorsten Rood. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

In einem spannenden Fachvortrag erläuterte Braincon-CTO Thorsten Rood, wie man angesichts des Drucks durch die DSGVO per Citrix Endpoint Management die Business-Kontakte vom Datenkraken WhatsApp fernhält – und dabei selbst beim Autofahren noch die Namen der Geschäftskontakte am Display sieht statt nur der Rufnummer. Zum Einsatz kommt hier für einfache Fälle Citrix Gateway Connector, für das PKW-Szenario ergänzt um zertifikatsbasierte Authentisierung und Deployment-Richtlinien. Rood empfahl die Unterteilung in zwei Nutzergruppen, um technischen Overkill für die einfacheren Fälle zu vermeiden.

Die TEX bietet eine technisch fundierte lokale Alternative zum Besuch der US-Hausmesse Synergy. 2018 war sie erneut eine durchaus gelungene Veranstaltung – bis hin zum Ambiente: Unter dem Motto „Get Ready for Take-off“ hatte man den Vorraum des ehemaligen Bundestags in einen Flughafen verwandelt – komplett mit Flughafen-Anzeigetafel für die Sessions, Runway zum Ausstellungsbereich und freundlichen Damen, die Tomatensaft reichten.

Citrix‘ Anspruch, die lange Zeit Cloud-skeptischen deutschen Kunden „in die Wolken“ (Pural!) mitzunehmen, wirkte geradezu futuristisch vor der Kulisse des altehrwürdigen Bundesadlers im ehemaligen Parlamentsgebäude. Doch auch dieses hat sich schließlich als modernes Konferenzzentrum neu erfunden.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.