Deutsche Anwender sorgen sich zwar um ihre Privatsphäre im Internet, handeln bei der Nutzung digitaler Dienste aber völlig unbedacht. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des deutschen Messanger-Anbieters Brabbler. Der Anbieter der Messaging-Plattform Ginlo bezeichnet das Phänomen als „Privatsphäre-Paradox“. Für die Umfrage hat Brabbler mittels des Marktforschungsunternehmens Toluna Deutschland und dessen Umfrageplattform QuickSurveys vom 30. April bis zum 13. Mai 729 deutsche Berufstätige im Alter zwischen 20 und 60 online befragt.

66 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ein schlechtes Gefühl haben, wenn sie über den Schutz ihrer persönlichen Daten im Internet nachdenken. Bei der gleichen Umfrage im Vorjahr äußerten noch 62 Prozent der Studienteilnehmer diese Bedenken. Laut dem Messaging-Anbieter ist auch die Zahl der Anwender gestiegen, die der Meinung sind, sie müssten noch mehr für den Schutz ihrer Daten im Internet unternehmen. Diese Ansicht vertraten 2018 67 Prozent. Jetzt sind es 69 Prozent.

70 Prozent gaben außerdem an, dass sie aktiv etwas für den Schutz ihrer privaten Daten unternehmen, etwa den Zugriff von Apps beschränken. Im Vorjahr waren dies noch 67 Prozent. Laut Brabbler sei aber der Umgang mit Datenschutzhinweisen regelrecht eingebrochen. Hier sagten nur noch 49 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie Datenschutzhinweise prüfen würden. In der Umfrage aus dem Vorjahr lag ihre Zahl noch bei 65 Prozent.

Als möglichen Grund für diese Nachlässigkeit vermutet Brabbler die DSGVO. Der Messaging-Anbieter begründet dies mit einem Verweis auf die Studie aus dem Vorjahr, die er kurz vor Inkrafttreten der EU-DSGVO durchgeführt hat. Damals gaben 34 Prozent der Befragten an, dass der Gesetzgeber genug unternimmt, um die persönlichen Daten zu schützen. 2019 vertreten bereits 38 Prozent diese Meinung. Demnach könnte die DSGVO ein willkommenes Alibi für das halbherzige Handeln der Nutzer sein, so Brabbler.

Besonders deutlich zeige sich zudem die Inkonsequenz bei der Nutzung von Diensten des Facebook-Konzerns. Trotz verschiedener Datenskandale in der jüngsten Vergangenheit bleibt Facebook der unumstrittene Platzhirsch. Vier der fünf meistgenutzten Dienste stellt der Konzern bereit und 89 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, mindestens einen Facebook-Dienst zu nutzen.

Der Unmut über Facebooks Umgang mit den persönlichen Daten der Nutzer schlägt sich laut Brabbler nicht im konkreten Handeln nieder: 82 Prozent der Befragten, die einen Facebook-Dienst nutzen, stimmten der Aussage zu, dass der Konzern zu sorglos mit den Nutzerdaten umgehe, doch nur 40 Prozent gaben an, ihre Nutzung geändert zu haben. Jeder Vierte (23 Prozent) plant, sich von einem Facebook-Dienst abzumelden.

„Sich nur zu beklagen, bringt wenig, und darauf zu hoffen, dass es die DSGVO schon richten wird, ist naiv. Die US-amerikanischen Internet-Giganten werden in ihrer Datensammelwut immer einen Weg finden, das europäische Recht auszuhebeln. Zudem unterliegen sie Gesetzen ihres Heimatlandes wie dem Cloud Act, die im offenen Widerspruch zur DSGVO stehen“, sagt Eric Dolatre, CEO bei Brabbler.

Die Ergebnisse der Studie stehen unter www.ginlo.net/de/business/survey/studie-2019-digitale-kommunikation/ zum Download bereit.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.