Ob beim Mieten eines Autos, Eröffnen eines Bankkontos oder Abschluss eines Handyvertrags: Bei über 500 Millionen Geschäftsvorgängen pro Jahr benötigen Unternehmen und Organisationen am sogenannten Point of Sale die Personalausweisdaten von Kunden, insbesondere für das Anlegen von Neukunden. In diesen Szenarien kopieren Mitarbeiter meist den Ausweis des Kunden und übertragen diese Daten händisch ins Computersystem. Dies birgt Übertragungsfehler und verlangsamt den Identifizierungsprozess.

Seit Kurzem bietet die Bundesdruckerei nach eigenen Angaben gemeinsam mit Governikus einen Service an: AusweisIDent Vor-Ort soll die medienbruchfreie Übernahme von Ausweisdaten in ein elektronisches Formular ermöglichen. Dieser Service könne die Vor-Ort-Identifizierung unterstützen, so der Anbieter weiter.

Für das Verfahren müsse weder die Online-Ausweisfunktion aktiviert sein, noch benötigt der Ausweisinhaber die dazugehörige PIN. „Das Vor-Ort-Auslesen ist fast immer einsetzbar“, sagt Dr. Kim Nguyen, Leiter Trusted Services bei der Bundesdruckerei. „Dieses Angebot kann jeder Kunde nutzen, der einen Personalausweis oder elektronischen Aufenthaltstitel besitzt. Unternehmen brauchen nur ein NFC-fähiges Smartphone oder einen Kartenleser und müssen die bereitgestellte AusweisIDent-Schnittstelle in ihr System integrieren.“

So funktioniert das System: Der Kundenberater vergleicht am Point of Sale zunächst das Lichtbild des Ausweises mit der anwesenden Person. Anschließend lassen sich die Daten aus dem Chip im Dokument des Kunden mit einem NFC-fähigen Smartphone oder einem Kartenleser auslesen. Die Datenübermittlung wird mit der auf dem Ausweis aufgedruckten Card Access Number (CAN) autorisiert. Die CAN kann der Berater manuell eingeben oder per Texterkennung (OCR) lesen lassen. Die ausgelesenen elektronischen Daten werden dem Unternehmen oder der Behörde über eine standardisierte Webschnittstelle bereitgestellt.

Das Verfahren ist rechtskonform nach Paragraf 18a Personalausweisgesetz, so die Bundesdruckerei, und ermögliche das sichere, fehler- und medienbruchfreie Auslesen von Kundendaten aus dem eID-Chip. „Ein nützlicher Nebeneffekt der Vor-Ort-Identifizierung ist die implizite Echtheitsprüfung der elektronischen Ausweisdaten. Durch den Abgleich mit den elektronischen Daten sind Manipulationen an den visuell lesbaren Daten zu erkennen“, so Nguyen.

Seit Ende vergangenen Jahres können Anbieter von Online-Services bereits Neukunden mit AusweisIDent Online identifizieren. „Dabei weisen sich Kunden im Internet mit ihrem Personalausweis und ihrer geheimen PIN aus. AusweisIDent Vor-Ort ergänzt den Service der Online-Identifizierung somit um das Vor-Ort-Auslesen“, sagt Dr. Stephan Klein, Geschäftsführer von Governikus.

Weitere Informationen zu beiden Services finden sich unter www.ausweisident.de.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.