Zoho ist bekannt als Anbieter von SaaS-Lösungen für Office-Software und CRM (Customer-Relationship-Management). Das Portfolio des SaaS-Spezialisten ist inzwischen allerdings deutlich weiter gespannt, zudem befindet sich das Unternehmen auf Expansionskurs. LANline sprach mit Sridhar Iyengar, Managing Director Europe bei Zoho, über Expansionspläne, Cloud-Technik, Sicherheit, Datenschutz und den Einsatz künstlicher Intelligenz.

LANline: Herr Iyengar, Zoho befindet sich auf Expansionskurs. Was ist der Hintergrund dieser Entwicklung und der aktuelle Status quo dabei?

Sridhar Iyengar: Derzeit bauen wir unsere globale Präsenz deutlich aus. Die geschäftlichen Anforderungen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation weltweit weisen viele Gemeinsamkeiten auf, es gibt jedoch auch regionale Unterschiede, z.B. in Bezug auf „Future of Work“ und „Employee Experience“, die wir als SaaS-Anbieter mit 50 Millionen Nutzern in über 180 Ländern in Betracht ziehen müssen. Wir besitzen und betreiben weltweit zehn Rechenzentren, wodurch wir die Kontrolle über unsere IT-Infrastruktur behalten.

LANline: Man kennt Zoho als Office-Software- und CRM-Anbieter. Wie sieht das Portfolio insgesamt aus, wie wird es genutzt und was ist üblicherweise der Einstieg in ihr SaaS-Angebot?

Sridhar Iyengar: Das Zoho-Portfolio umfasst 48 Front-Office- und Back-Office-Applikationen, darunter Office-, CRM- und Collaboration-Anwendungen ebenso wie Apps für Unified Communications, Projekt-Management, Virtual Workspace etc. Viele IT-Leiter kennen uns zudem aufgrund unserer IT-Management-Lösungen der Marke ManageEngine. Unsere Anwendungen bieten wir generell als SaaS-Lösungen an, manches gibt es aber auch für den On-Premises-Betrieb, etwa die Lösung Zoho Analytics. Lizenziert wird pro Nutzer und Produkt oder als All-in-one-Lizenz namens Zoho One. Hier fügen wir kontinuierlich neue Produkte hinzu, ohne dass dafür zusätzliche Lizenzgebühren anfallen. Die Zoho-One-Anwender haben im Schnitt 18 Apps im Einsatz, den Einstieg bilden meist unser CRM oder der Helpdesk.

Die Zoho-Software umfasst auch Funktionen für die Online-Collaboration. Bild: Zoho

Die Zoho-Software umfasst auch Funktionen für die Online-Collaboration. Bild: Zoho

LANline: Anbieter wie Salesforce oder ServiceNow offerieren neben SaaS auch schon längst PaaS-Angebote, sodass Anwender- oder Partnerunternehmen die SaaS-Lösungen anpassen und erweitern können. Welche Strategie verfolgt Zoho hier?

„Jüngst haben wir unsere SaaS-Angebote erweitert und den Schritt zur PaaS-Umgebung gemacht“, so Zoho-Manager Sridhar Iyengar. Bild: Zoho

„Jüngst haben wir unsere SaaS-Angebote erweitert und den Schritt zur PaaS-Umgebung gemacht“, so Zoho-Manager Sridhar Iyengar. Bild: Zoho

Sridhar Iyengar: Jüngst haben wir unsere SaaS-Angebote erweitert und den Schritt zur PaaS-Umgebung gemacht: Mit Catalyst bieten wir seit Kurzem eine Serverless-Plattform mit passendem SDK. Damit können Unternehmen auf unserer Plattform individuelle, hoch skalierbare Applikationen entwickeln, ohne die zugrunde liegende Infrastruktur selbst verwalten zu müssen. Die so entwickelten Micro-Services lassen sich über die Module hinweg wiederverwenden. Beispiele wären etwa ein Datenbereinigungs-Service oder ein Korrekturdienst für die jeweilige Landessprache. In diesem Kontext kommen unsere Partnerunternehmen zum Zuge, etwa wenn es darum geht, Expertise zu Geschäftsabläufen oder vertikalen Märkten einzubringen.

LANline: Auf welche Weise können Sie Drittanbieter einbinden?

Sridhar Iyengar: Die Integration von Drittanbieter-Software erfolgt über APIs. Damit lassen sich Lösungen wie etwa ServiceNow, Salesforce, Dynamics etc. anbinden. Außerdem unterstützen wir Unternehmen bei der Entwicklung eigener Lösungen mit der Low-Code-Plattform Creator. Schon seit Jahren können unsere Business-Anwender damit eigene Apps einfach per Drag and Drop erstellen.

LANline: In welchem Maße kommt dabei künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz?

Sridhar Iyengar: KI nutzen wir modulübergreifend für bestimmte Einsatzfälle. Manche davon sind allgemeiner Natur, beispielsweise Handschrift- oder Gesichtserkennung, Stimmungsanalyse oder Anomalieerkennung. Andere Use Cases sind geschäftsspezifisch. So könnte zum Beispiel ein Hersteller von Regenmänteln ML (Machine Learning, d.Red.) nutzen, um saisonale Besonderheiten zu ermitteln und den Bedarf zu prognostizieren. Um Daten zum Zweck genauer Vorhersagen zu analysieren, muss das ML-Modell aber erst trainiert werden. Auch hier helfen unsere offenen APIs bei der Verknüpfung mit externer Programmierung, um alle branchen- oder geschäftsspezifischen Parameter einzubeziehen, die das Ergebnis der Analyse beeinflussen können.

LANline: Wie sind Spracherkennung und Virtual Assistants eingebunden?

Sridhar Iyengar: Spracherkennung und virtuelle Assistenzfunktionen unterstützen wir via Konversations-KI von Siri und Google Voice.

LANline: In vielen deutschen Unternehmen sorgt man sich beim Stichwort „Cloud“ sofort um den Datenschutz. Was ist Ihre Antwort auf solche Bedenken?

Sridhar Iyengar: Auf Datenschutz legen wir sehr großen Wert. Wir verkaufen keine Ads in unseren Produkten und haben damit keinen Anlass, Nutzerdaten an Werbetreibende weiterzugeben.

LANline: Wie viele der von Ihnen genannten zehn Zoho-eigenen Datacenter befinden sich im deutschen oder zumindest im europäischen Rechtsraum?

Sridhar Iyengar: In der EU unterhalten wir zwei jeweils redundant ausgelegte Rechenzentren: eines in Amsterdam, eines in Dublin. Die Regionen sind für den Datenschutz europäischer Nutzer isoliert. Das heißt, aus der EU-Region fließen keine Daten in die USA. In Deutschland allerdings haben wir bislang kein RZ.

LANline: Welche Funktionen bieten Sie, um die Nutzung Ihrer Cloud-Umgebung für die Anwender möglichst sicher zu gestalten, auch im Hinblick auf mobile Nutzer?

Sridhar Iyengar: Für hohe Sicherheit bieten wir unsere IT-Security-Tools wie Endpoint-, Patch- und Passwort-Management sowie Active-Directory-Auditierung. Kürzlich haben wir dies um Single Sign-on (SSO) mit Third-Party-Support via SAML 2.0 erweitert. Dadurch kann man zum Beispiel Zoho und Gmail mit einem einzigen Log-in gemeinsam nutzen. Mittels ML unterstützen wir auch eine Anomalieerkennung für Sicherheitszwecke. Unser MDM-Angebot (Mobile-Device-Management, d.Red.) ist Bestandteil von Zoho One, sodass für die Anwenderunternehmen keine Notwendigkeit besteht, eine MDM-Lösung von Drittanbieterseite zu erwerben.

LANline: Herr Iyengar, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.