Mit einem riesigen Aufgebot rückte der chinesische Big Player Huawei zum Mobile World Congress in Barcelona an: zwei eigene Stände in Halle eins und Halle drei sprengten bereits für sich jedes Maß. Dazu kam weitere Standfläche in der Innovation City Zone in Halle vier sowie Beteiligungen an zahlreichen Aktionen und Events auf der Messe. Tatsächlich hatte Huawei sehr viele spannende Sachen dabei, auf Endgeräteseite nicht zuletzt das neue Smartphone P10, zumindest für Fotofans sicher eines der Highlights auf diesem Sektor.

Das Gerät verfügt auf der Rückseite über zwei Leica-Objektive: eines für Schwarzweißaufnahmen mit bis zu 20 Megapixel sowie ein weiteres für Farbaufnahmen mit bis zu zwölf Megapixel. Soweit so unspektakulär. Der Clou kommt aus der Software. Sie nutzt auf Wunsch beide Kameras gleichzeitig und zaubert aus den gemeinsamen Daten einen für die Smartphone-Fotografie sehr wohl ziemlich spektakulären Effekt: der Fokus lässt sich im Nachhinein verschieben. Wie eigene Versuche am Stand offenbarten, gelingt das auch zwischen großen Extremen. Lag der Fokus auf den nahen Vordergrund, erscheint der weite Hintergrund zunächst völlig unscharf. Durch einfaches Tippen darauf wird dieser nun scharf, während der Vordergrund kräftig verschwimmt. Über eine Zusatzfunktion lässt sich das gesamte Bild scharf stellen.

Nicht weniger spannend, wenn auch für ein völlig anderes Klientel, waren die Neuheiten, die Huawei für Provider und Netzbetreiber im Gepäck hatte. Viele Provider kämpfen derzeit mit den enormen Datenfluten, die etwa ultrahochauflösendes Video, die Verbindung verschiedener Unternehmens-Clouds und moderne Mobilfunktechnik wie aktuell LTE, spätestens ab 2020 auch 5G, in ihre Netze speisen. Um diese Lasten effizient zu bewältigen, bietet Huawei jetzt eine neue Cloud-Metro-Lösung an. Mit ihrer Hilfe sollen Metro-Netzwerke Cloud-Technik nutzen können, um Ressourcen-Pooling, Service-Agilität, Betriebsautomatisierung und offene Plattformen zu ermöglichen. Auf diese Weise soll sich eine breite Angebotsvielfalt stemmen lassen, die wiederum das Interesse neuer Nutzer weckt.

Das alles überstrahlende Thema auf der Messe ist wie zu erwarten 5G, gerne zur idealen Plattform für das mobile Internet der Dinge (MIoT) hochstilisiert. Wirklich jeder Netzwerkausrüster und Provider platzierte seine 5G-Roadmap, erste Produkte und Services, langfristige Visionen etc. an vorderster Front. Dabei dürften sie ihr Geld sicher noch auf Jahre hinaus mit dem verdienen, was sie in zweiter Reihe zeigten: LTE in allen Variationen, darunter auch sehr interessanten neuen Entwicklungen für das MIoT.

Eines der Highlights von Huawei für Comsumer ist auf dem MWC das neue Smartphone P10 (hier in der etwas größeren Plus-Variante). Zumindest Fotofans dürften sich über die optischen Qualitäten des Geräts freuen. Bild: Stefan Mutschler

Mit seinem 5G Network Slicing Router, den Huawei in Barcelona erstmals vorstellte, adressieren die Chinesen einen auch auf zahlreichen anderen Ständen zu findenden Trend. Beim Slicing geht es darum, Dienste Provider- und länderübergreifend genauso anbieten zu können wie im eigenen Netz. Technisch führen die Anbieter hier auf Basis einer softwaregesteuerten Netzwerkinfrastruktur eine virtuelle Netzwerkebene ein, die sie zum Partner-Provider des Vertrauens mitliefern. Der Huawei 5G Network Slicing Router bietet 50 GbE-Ports Zugang zur Basisstation und Kompatibilität mit 100GbE-Ports.

Bereits am Vortag des Messebeginns hatte Huawei eine weitere 5G-Innovation präsentiert. Sie hört auf den etwas irreführenden Namen SOC 2.0, wobei die Abkürzung in diesem Umfeld für Service-Oriented Core steht und nicht wie üblich für Security Operations Center. SOC 2.0 ist ein erster Schritt in Sachen 5G in Richtung Kommerzialisierung. Es soll nicht nur eine Vielzahl von Terminals aus verschiedenen Branchen verbinden, sondern auch On-Demand-Dienstleistungen für alle Branchen ermöglichen.

Stefan Mutschler.