Auf seiner US-Leitmesse Cisco Live, die vom 11. bis 14. Juni rund 26.000 Netzwerk- und Datacenter-Spezialisten nach Orlando in Florida lockte, hat der Netzwerk-Marktführer eine beeindruckende Öffnung seines Ökosystems verkündet. Damit will Cisco den Wandel vom Hardwareausrüster zum DevOps-Anbieter schaffen.

Erst 2014 ins Leben gerufen, verzeichnet Ciscos Entwickler-Community DevNet inzwischen über 500.000 registrierte Entwickler, davon sind rund 70.000 Monat für Monat aktiv. Cisco hat erkannt, dass nur mit einer Öffnung seines Ökosystems nach außen die angestrebte Wandlung von einem doch eher hardwaredominierten Unternehmen zu einer Softwarefirma und zum führenden DevOps-Anbieter möglich ist. Hier hat sich der Hersteller einiges vorgenommen, um in Zeiten der Cloud relevant zu bleiben.

Wie andere Infrastrukturhersteller auch, suchte sich Cisco Unterstützung von Cloud-Anbieterseite. Obwohl der Konzern in vielen Bereichen mit Microsoft intensiv zusammenarbeitet, beispielsweise mit gemeinsamen Angeboten rund um Microsofts Azure Stack, fiel seine Wahl für die Cisco Live auf die Google Cloud. Gute 20 Minuten innerhalb der Keynote des ersten Tages erläuterten Ciscos CEO Chuck Robbins und Diane Greene, CEO von Google Cloud, die Kooperation und deren Vorteile für Cisco-Kunden und -Partner.

Auch mit seinem klassischen Portfolio hat Cisco große Ziele: Das „Intent-Based Network“ (IBN; auf Deutsch ungefähr: „absichtsbasiertes Netzwerk“) soll eine Revolution bei der Verwaltung von Unternehmensnetzwerken bringen: Es soll, daher der Name, die Absicht des Administrators erfassen, mit ML-Verfahren (Machine Learnung) sowie Automationstechnik den gewünschten Netzwerkzustand umsetzen und diesen kontinuierlich überwachen.

Eine „Assurance“- oder Sicherstellungskomponente soll dabei Abweichungen des Soll- vom Ist-Zustand ermitteln und so für die Einhaltung des Wunschzustands sorgen. Dass andere Hersteller Ciscos Vision des Intent-Based Networks nachahmen und ihre Marktbotschaften entsprechend ausrichten, lässt erahnen, dass es sich dabei nicht um einen kurzfristigen Hype handeln wird. Allerdings gehen Analysten davon aus, dass die IBN-Technik nicht vor 2020 den Massenmarkt erreichen wird. Momentan sieht man die ersten IBN-Implementierungen als Pilotierungen in Spine-Leaf-RZ-Netzwerken oder beim Aufbau von WAN-Infrastrukturen.

Machine Learning kommt nicht nur beim IBN zum Einsatz, sondern spielt für Cisco im kompletten Portfolio eine große Rolle. Gegenüber LANline hat Ciscos CEO Chuck Robbins bestätigt, dass die Nutzung von ML-Technik dem Hersteller viele Möglichkeiten eröffnet: „Machine Learning kommt natürlich in Ciscos komplettem Security-Portfolio zu tragen. In ETA (Encrypted Traffic Analytics, Analyse des verschlüsselten Datenverkehrs, d.Red.) können wir dank Machine Learning Bedrohungen im Netzwerkverkehr direkt erkennen, ohne die Verschlüsselung aufzubrechen. Außerdem verwenden wir Machine Learning auch in unseren neuen Assurance-Produkten innerhalb des Intent-Based Networkings, die wir hier auf der Messe vorstellen.“

Öffnung des Ökosystems
Leitmotiv der Veranstaltung war aber die Öffnung des Cisco-Ökösystems für Entwickler. Die Administration von Netzwerkgerätenen aller Hersteller, darunter Ciscos, erfolgt traditionell primär über die Kommandozeile, was für eine weitergehende Automatisierung und Programmierbarkeit hinderlich ist. Die Bereitstellung offener APIs soll dies nun beheben. Zudem will der Hersteller auch die Innovationskraft von Partnern für sich nutzen.

Als Dreh- und Angelpunkt für diese Öffnung sieht der Hersteller das neue absichtsbasierte Netzwerk, „Cisco DNA“ getauft, und dessen Management-Herzstück „DNA Center“. Pünktlich zur Messe konnte Cisco bereits 15 Industriepartner wie den IPAM-Spezialisten (IP-Adress-Management) Infoblox vorweisen, die bereits eigene Erweiterungen für DNA Center anbieten.

Für die nächste Cisco Live sollen die Netzwerker von 9. bis 13. Juni 2019 im kalifornische San Diego zusammenkommen. Es wird spannend zu sehen, was Cisco bis dahin von den IBN-Ankündigungen umsetzen kann.

Weitere Informationen finden sich unter www.cisco.com.