Netzwerkriese Cisco weitet seine SDN-Architektur (Software-Defined Networking) namens Application-Centric Infrastructure (ACI) vom RZ auf das gesamte Netzwerk aus und will damit die „Netzwerkarchitektur für die digitale Ära“ liefern: Unter der Bezeichnung „Digital Network Architecture“ – was die schöne Abkürzung „DNA“ ergibt – soll das Netzwerk komplett virtualisiert und über Richtlinien zu steuern sein: von der Zentrale bis zu den Niederlassungen, vom Kabel bis zum Funk, vom Core bis zum Netzwerkrand.

Cisco hat die Digital Network Architecture als offene, erweiterbare, softwaregesteuerte Netzwerkarchitektur konzipiert. Sie soll den nötigen Überblick über das Geschehen in der vollständig virtualisierten Infrastruktur liefern, die auf virtualisierten, physischen oder Cloud-basierten Netzwerken läuft; zugleich soll sie für den automatisierten, verlässlichen Netzwerkbetrieb ebenso sorgen wie für die Echtzeitabwehr von Bedrohungen.

 

„Die Abkürzung DNA ist kein Zufall, denn wir ändern fundamental die DNA der Netzwerktechnologie“, so Rob Soderbery, Senior Vice President for Enterprise Products and Solutions bei Cisco. DNA vereine Virtualisierung, Automation, durchgehende Analysen und Cloud-basiertes Service-Management. Über APIs sei die Infrastruktur auf jedem Layer offen, erweiterbar und durch Cisco- wie auch Drittanbieter-Apps ansprechbar.

 

Jeder Aspekt des Netzwerks, so Soderbery in einer Video-Botschaft auf dem Cisco-Blog, sei von Anfang an auf Automation ausgelegt. Die Notwendigkeit von Overlay-Netzwerken soll damit entfallen. Integrierte Analyse-Apps sollen die Netzwerk-Performance-Daten nutzbar machen, selbst in komplexen Umgebungen wie im IoT (Internet of Things), während ein Cloud-Management ebenfalls im Netzwerk-Stack inbegriffen sei.

Die Kernkomponente für den automatisierten softwaregesteuerten Netzwerkbetrieb bildet bei Cisco der SDN-Controller namens „APIC Enterprise Module“: APIC-EM dient der zentralisierten Automation des Netzwerks auf der Basis richtlinienbasierter Applikationsprofile. Die per REST-API ansprechbare Software läuft als VM auf einem Linux-Server und umfasst Applikationen für die Workflow-orientierte Automation von Konfigurationsaufgaben sowie Analyse-Tools. Laut Cisco ist nun eine neue Version des Controllers erhältlich, die sich für Deployments mit bis zu 4.000 Geräten pro Instanz eignen soll. 

 

Ebenfalls neu ist die Cisco-Software „Plug and Play“: Durch das Automatisierungswerkzeug erübrigt sich laut Hersteller die Gerätekonfiguration an entfernten Standorten, die bis zu 2.000 Euro pro Gerät kosten könne. Der Plug-and-Play-Agent reduziere zudem die Installationszeit von vier Wochen auf wenige Tage.

 

Die QoS-Management-Lösung (Quality of Service) Easy QoS dient der dynamischen Aktualisierung der netzwerkweiten Einstellungen, um eine angemessenen Priorisierung anhand der Anwendungsrichtlinien zu ermöglichen. Der IWAN-Service (Intelligent WAN) wiederum zielt auf die Automation des Deployments und Managements im Weitverkehrsnetz. Laut Cisco bietet er nun größere Flexibilität und ermöglicht die schnelle Konfiguration eines Zweigstellenbüros mit nur zehn Klicks.

 

Des Weiteren meldet der Netzwerkausrüster die Weiterentwicklung seines Netzwerk-Betriebssystems IOS XE: Man habe Programmierbarkeit, Controller-basierte Automation und SDN-Management, Application Hosting und Virtualisierung ausgebaut.

 

Mit der Lösung Enterprise NFV (Network Function Virtualization) wiederum will Cisco die aus dem Carrier-Umfeld bekannte Virtualisierung von Netzwerkfunktionen auch für den Unternehmensmarkt nutzbar machen, zum Beispiel für die zentrale Verwaltung von Netzwerken in Niederlassungen. Dazu enthalte Enterprise NFV den vollständigen dafür nötigen Software-Stack: Software für die Virtualisierung der Infrastruktur, Virtualized Network Functions (VNFs) sowie Orchestrierungsdienste.

 

CMX Cloud schließlich soll die Funktionalität von CMX (Connected Mobile Experience) in die Cloud erweitern. Das heißt, die von CMX bereitgestellten Analysedaten zum Funkdatenverkehr werden damit auch über den CMX Cloud Service verfügbar.

Cisco vertreibt DNA im ONE-Softwaremodell. Erhältlich ist sie in den Versionen ONE Foundation, ONE Advanced Applications und ONE Enterprise License Agreement. Bereits verfügbar sind APIC-EM, Plug and Play, Easy QoS in einer Betaversion sowie Cisco IWAN. Enterprise NFV soll noch in diesem Halbjahr folgen.

 

Weitere Informationen finden sich unter www.cisco.com.

 

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Unter dem Namen DNA weitet Cisco seine ACI-Architektur auf das gesamte Netzwerk aus. Bild: Cisco

Die drei Kernaufgabenbereiche von DNA. Bild: Cisco

„Die Abkürzung DNA ist kein Zufall, denn wir ändern fundamental die DNA der Netzwerktechnologie“, so Rob Soderbery, Senior Vice President for Enterprise Products and Solutions bei Cisco. Bild: Cisco