Der Netzwerkriese Cisco geht davon aus, dass die Automatisierung der Netzwerk-IT durch KI (künstliche Intelligenz) und ML (maschinelles Lernen) in den nächsten zwei Jahren rasant voranschreiten wird. Dabei beruft sich der Netzwerkausrüster auf den hauseigenen „2020 Global Networking Technology Report“.

Der rasante Anstieg von vernetzten Mobil- und IoT-Geräten, Anwendungen und Micro-Services führe zu immer komplexeren IT-Umgebungen, die der Mensch nicht mehr allein steuern und verwalten kann: Laut Report gehen 98 Prozent der IT-Führungskräfte davon aus, dass sie in den nächsten zwei Jahren rein manuelle Netzwerkprozesse abschaffen werden.

Als Grund nannten die Befragten die digitale Transformation, die in deutschen Unternehmen immer schneller voranschreitet. 72 Prozent gaben an, dass ihr Unternehmen digitale Projekte implementiert. Im weltweiten Vergleich sind dies nur 62 Prozent, so die Studie weiter.

„Künstliche Intelligenz wird ein wesentlicher Bestandteil künftiger Netzwerke sein“, sagt Falko Binder, Head of Enterprise Networking Architecture Sales bei Cisco Deutschland. „Mehr als die Hälfte der Befragten unserer Studie betrachtet KI als wichtige Investition, um reaktive in geschäftsoptimierte Netze umzuwandeln. Hinzu kommen Machine Learning und automatisierte Richtlinien.“ Als größtes Hindernis beim Design und der Implementierung von Automatisierungs- und Analytics-Systemen sahen 30 Prozent der Umfrageteilnehmer ungeeignete Services – noch vor Kosten, Altsystemen und Silos.

Laut der Studie sollen in den nächsten 24 Monaten weltweit ein Drittel aller Netzwerkteams ihre Infrastruktur mittels Intent-based Networking betreiben. Cisco verfolgt damit den Ansatz eines „absichtsbasierten“ Netzes: Der Administrator konfiguriert nicht mehr einzelne Geräte und Anwendungen, sondern gibt die beabsichtigten Ziele ein. Diese werden dann über KI und ML automatisch in die entsprechenden technischen Einstellungen übersetzt und angewendet. Der Netzwerkausrüster geht davon aus, dass der Anteil von Intent-based Networks von weltweit vier Prozent auf 35 Prozent ansteigen wird. Zugleich soll der Anteil rein softwaredefinierter Netzwerke von 41 Prozent auf 17 Prozent sinken.

Für Deutschland stellt der Cisco-Report folgende Entwicklungen fest:

  • Deutsche Unternehmen schaffen manuelle Netzwerkprozesse ab: IT-Führungskräfte erwarten, dass ihre Netze in zwei Jahren SDN- (25 Prozent), Service- (39 Prozent) oder Intent-basiert (34 Prozent) sind. Das sind insgesamt 98 Prozent.
  • 72 Prozent der deutschen IT-Führungskräfte (weltweit 62 Prozent) gaben an, dass in ihren Unternehmen Projekte zur digitalen Transformation im Gange sind – allerdings häufig nicht im Rahmen einer Gesamtstrategie oder recht unkoordiniert.
  • 28 Prozent der deutschen Teilnehmer sagte aus, die mangelnde Reife von Netzwerkanalyse-/KI-Technologien sei das Haupthindernis für die Netzwerkmodernisierung (weltweit 18 Prozent).
  • Deutsche Unternehmen sehen ihr Netzwerk nicht als geschäftskritisch an: Nur sechs Prozent der Befragten bestätigten, dass in ihren Unternehmen das Netzwerk als wichtige geschäftsfördernde Plattform betrachtet wird (weltweit 19 Prozent).
  • Nur 14 Prozent stufen das Ermöglichen von Business-Innovationen als Priorität der Vernetzung ein (weltweit 24 Prozent). Auf Platz 1 liegt hier die Maximierung des Geschäftswerts der IT (27 Prozent, weltweit 31 Prozent).

Der 2020 Global Networking Trends Report soll den aktuellen Status von Netzwerken sowie Trends in den Bereichen Technologie, Betrieb und Fachkräfte aufzeigen. Grundlage dafür war laut Cisco eine globale Umfrage unter mehr als 2.000 IT-Führungskräften und Strategen.

Weitere Informationen finden sich unter www.cisco.de.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.