Die Multi-Cloud wird in immer mehr Unternehmen zur Realität. Durch die Nutzung von verschiedenen Cloud-Diensten für unterschiedliche Einsatzszenarien versprechen sich Organisationen mehr Effizienz und geringere Kosten. Die Dell-Tochter Virtustream will von diesem Multi-Cloud-Trend profitieren. Der 2009 gegründete Anbieter von Cloud-Software und -Services wurde im Mai 2015 von EMC übernommen und gehört aufgrund der Dell-EMC-Fusion nur wenige Monate später seitdem zu Dell.

Virtustream legt den Fokus nach eigenen Angaben vor allem auf die Migration von „missionskritischen“ Workloads beziehungsweise komplexen Geschäftsanwendungen – wie beispielsweise SAP – in die Cloud. Mittels der hauseigenen Enterprise-Cloud-Plattform sollen sich diese nicht nur komplett in der Cloud ausführen lassen, sondern nach Bekunden des Herstellers auch noch wesentlich effizienter als auf einer lokalen Infrastruktur. Als – nach eigenen Angaben – Cloud-natives Unternehmen präsentiert sich Virtustream als Partner für die Cloud-Migration, der die komplette Reise von der (End-to-End-)Planung, über die Migration und Integration bis hin zur Optimierung aus einer Hand liefern kann. „Wir haben durch unsere Historie ein tiefes Cloud-Wissen, verfügen über differenzierte Cloud-Services und haben den Vorteil als Tochterunternehmen das gesamte Portfolio des ‚Powerhouses‘ Dell auf die Straße bringen zu können“, erläuterte Virtustream-CEO Rory Read auf dem EMEA Summit 2019 des Unternehmens in London.

Migration zu SAP S4HANA

„In der Regel starten Unternehmen in der Public Cloud und haben dann Probleme, ihre geschäftskritischen Workloads zu migrieren“, berichtete Paul Duffy, Vice President EMEA bei Virtustream. An dieser Stelle könne der Cloud-Spezialist seine und die Erfahrung der Dell-Partner ausspielen und kleine Piloten starten. So sei der Cloud-Spezialist in der Lage, auch schwere Fälle zu bewerkstelligen, etwa mit einer hohen Datengravität oder verschiedenen Datentypen etc. Auf diese Weise habe der Hersteller beispielsweise bereits über 2.500 SAP-ERP-Anwender auf S4HANA migriert. Für eine erfolgreiche Migration ist es laut Bekunden des Herstellers vor allem wichtig zu wissen, wie alle SAP-Applikationen und Nicht-SAP-Applikationen funktionieren und miteinander zusammenhängen. Dies konnte seine Firma aber bei allen 2.500 Migrationen leisten, betonte der CEO Rory Read. Bei über 37.000 Unternehmen, die bis zum End-of-Life-Status von ERP im Jahr 2025 auf S4HANA umstellen müssen, gab sich Read in London optimistisch hier weitere Projekte gewinnen zu können.

„Wir sind ein kleines, flexibles Unternehmen, das zum einen vom Brand, aber auch vom umfangreichen Produktportfolio von Dell profitiert“, betonte Virtustream-CEO Rory Read. Bild: Virtustream

Laut Read ist der Cloud-Spezialist in der Lage, eine komplett verwaltbare Ende-zu-Ende-Cloud-Lösung anzubieten, die zudem genau auf die spezifischen Wünsche des Unternehmens ausgelegt ist. Darin liege auch der Unterschied zu den Hyperscalern, wie Amazon, Microsoft oder Google, die häufig nur die Infrastruktur anbieten. Unternehmen benötigen letztendlich mehrere Public-Cloud-Provider, um ihre typischen, missionskritischen Workloads komplett in der Cloud abzubilden, so Read weiter. Dadurch hätten sie den Nachteil, dass das Management, aber auch wichtige Funktionen wie Disaster Recovery, Backup, Datensicherheit und Speicherreplikation fragmentiert sind. Ebenso kann es zur Verwirrung bei SLAs und Rollenrichtlinien kommen. Virtustream sei hingegen in der Lage, sowohl Disaster Recovery, Backup Datensicherheit und Speicherreplikation einheitlich abzubilden als auch SLAs auf Infrastruktur- sowie auf Applikation-Ebene zu garantieren. Mit der Enterprise Cloud, der Healthcare Cloud und der Federal Cloud, bietet der Cloud-Spezialist zudem spezielle Cloud-Umgebungen für spezifische Bereiche an.

Virtustream Enterprise Cloud

Die Virtustream Enterprise Cloud basiert auf einer eigenen Cloud-Infrastruktur (Virtustream IaaS), auf die die Cloud-Management-Plattform xStream aufgesetzt ist. xStream befindet sich laut Hersteller als extrahierte Steuerungsebene über der Management-Ebene der virtuallen Maschine im Cloud-IaaS-Stack. Dabei nutze sie die MicroVM (μVM), eine patentierte Technik des Unternehmens für das Cloud-Ressourcen-Management. Ausgehend von den μVM-Daten erstellt xStream Anwendungsprofile und Analysen, um die für die jeweiligen Workloads benötigten Ressourcen zuzuweisen. „Die xStream Cloud Platform ist das Fundament für das Management und für die Kontrolle der Virtustream Enterprise Cloud. Der Zugang erfolgt über eine GUI oder über APIs. Kunden haben zudem die Möglichkeit, die Plattform selbstständig zu verwalten und zu überwachen“, erläuterte Deepak Patil, Senior Vice President Cloud Platform & Services bei Virtustream.

Auf der xStream Cloud Platform hat Virtustream mit den xStream Care Services außerdem eine Reihe von Professional und Managed Services aufgesetzt. Die Dienste sollen Unternehmen dabei helfen, Anwendungen in eine beliebige Cloud zu migrieren.

Gerade Unternehmen mit komplexen IT-Landschaften sollen von den Services profitieren, indem diese bei der Planung, Migration und dem Management von unternehmenskritischen Workloads in der Cloud helfen. In London hat Virtustream die Erweiterung seines Care-Services-Angebots um neue Funktionen zur Implementierungsautomatisierung vorgestellt, um so laut eigenem Bekunden Hindernisse zwischen verschiedenen Clouds zu beseitigen. Darüber hinaus will die Dell-Tochter ihre Fähigkeiten damit ausbauen, durch einen plattformunabhängigen Ansatz den Umfang seiner Dienstleistungen auf mehrere Clouds auszudehnen.

Das Schaubild zeigt den Aufbau der Virtustream Enterprise Cloud. Bild: Virtustream

Aktuell kann Virtustream nach eigenem Bekunden in jeder Phase der Cloud-Migration seinen Kunden verschiedene Professional und Managed Services anbieten:

  • Planung: Beratung, Architektur, Sicherheit und Compliance, Performance-Optimierung, Backup und Disaster Recovery, Pre-Migration-Code-Optimierung, Datenanalyse, Archivierung.
  • Migration: dedizierte Transition- und Projektmanager, weltweit tätige Teams, Multi-Plattform-Migrationsdienste, konstante Stabilisierung und Validierung bis hin zu kundenspezifischen Migrationsstrategien, Prozesse und technische Lösungen für eine maßgeschneiderte, vollständige Migration in die Cloud (kein „One-size-fits-all-Ansatz“).
  • Integration: vollständig integrierte Geschäftsprozesse, einschließlich geplanter und getesteter Disaster Recovery, dedizierte Cloud Delivery Account Manager, weltweite Support-Services rund um die Uhr, integriertes Service-Ticketing-System, um Arbeitsabläufe reibungslos zu gestalten.
  • Optimierung: Compliance-Audits, Modernisierungs-Assessment, Überwachung der Dateiintegrität, Schwachstellen-Scans, proaktive Zustandsüberprüfungen auf SAP- und Datenbankebene, um einen optimierten Betrieb zu gewährleisten, sowie das SAP-Basis-Management, einschließlich Patchen, Backup und Performance.
  • Managed: komplettes Management von Anwendungen, Datenbanken, Betriebssystemen und IaaS sowie verwaltete Sicherheits-Services, einschließlich Virenschutz/Anti-Malware, Host-basiertem Intrusion-Detection-System und Firewall.

Multi-Cloud-Ansatz

Auf diese Weise sieht sich Virtustream für die zukünftigen Anforderungen bestmöglich aufgestellt. So hat eine durch den Cloud-Spezialisten finanzierte Studie (Forrester Tought Leadership Study) im März 2019 ergeben, dass 67 Prozent der Unternehmen planen, über 25 Prozent ihrer geschäftskritischen Applikationen in die Public Cloud migrieren zu wollen. Die Marktauguren von IDC und Gartner prognostizieren, dass der Markt für die Migration von geschäftskritischen Workloads in die Cloud im Jahr 2021 über 25 Milliarden Dollar groß sein soll. Auf diesen Markt zielt das Dell-Unternehmen ab, indem es seine Cloud-Vision auf einen Multi-Cloud-Ansatz, also auf weitere Clouds erweitert, wie Rob Scott, Vice President of Professional & Managed Services bei Virtustream erklärte.

Das heißt, dass Virtustream-Kunden auch Zugang zu IaaS zu ermöglichen, die die Hyperscaler anbieten. So soll es laut Scott möglich sein, mit Virtustream Workloads zu managen, die sich in anderen Clouds befinden. In diese Richtung zielt etwa die Ankündigung der „Azure VMware Solution by Virtustream“. Die Lösung soll VMwares SDDC, das auf einer Dell-Infrastruktur läuft, mit dem globalen Cloud-Service-Ökosystem von Microsoft Azure kombinieren. Anwender erhalten laut Hersteller so die gewohnte VMware-Experience und sind in der Lage, problemlos in die Public Cloud zu migrieren – ohne ihre Applikationen neu designen oder neu plattformieren zu müssen. „Wir sind ein kleines, flexibles Unternehmen, das zum einen vom Brand aber auch vom umfangreichen Produktportfolio von Dell profitiert“, betonte Read in London. Dadurch sei man nun zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um die Möglichkeiten der Multi-Cloud zu ergreifen.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.