Rechenzentren für ein Unternehmen im Alleingang (Flying Solo) aufzubauen und zu betreiben, ist eine gewaltige sowie kapitalintensive Aufgabe. Die Nutzung eines Colocation-Anbieters entlastet dagegen das Facilities-Team von Unternehmen deutlich und reduziert Investitionskosten. Allerdings ist die IT-Abteilung weiterhin dafür verantwortlich, dass diese wichtige Infrastruktur verfügbar ist und die Betriebsausgaben im Rahmen bleiben.

Bei Firmenumzügen oder Umstrukturierungen steht oft auch die Unternehmens-IT auf dem Prüfstand. Das Rechenzentrum ist dabei ein zentraler Punkt. Moderne RZs sind hochkomplexe Gebäude. Ein Unternehmen, das sich entscheidet, ein eigenes Datacenter zu bauen, benötigt Vision und Strategie sowie viel Durchsetzungswillen, um das Bauvorhaben zum Abschluss zu bringen und die Systeme in Betrieb zu nehmen. Und selbst dann ist an einen Return of Investment (ROI) oft noch nicht zu denken.

Das eigene Rechenzentrum

Trotz der Schwierigkeiten präferieren viele Unternehmen eine eigene Infrastruktur zur Erfüllung ihrer IT-Anforderungen. Dieses „Flying-Solo“-Konzept ist zum Beispiel sinnvoll, wenn die IT für das Unternehmen ein Profit-Center darstellt. Eine gut konzipierte IT-Umgebung mit dem richtigen Benutzererlebnis kann ein lohnendes Alleinstellungsmerkmal für Unternehmen sein.

Dieser IT-Schrank ist mit einem elektronischen Schwenkgriff und intelligentem Türsensor sowie mit einer USB-Kamera (oben) ausgestattet. Auch die schmalen Asset-Management-Tags sind links neben der 19-Zoll-Ebene montiert. Diese Komponenten sind an die PDU angeschlossen und darüber angesteuert. Bild: Legrand

Ein eigenes RZ bringt gegenüber der Anmietung von Colocation-Fläche oder Nutzung einer externen Cloud-Infrastruktur größere Flexibilität bei der Ausgabenkontrolle. Eine eigene Infrastruktur kann darüber hinaus für ein Unternehmen erforderlich sein, wenn Anwendungen aufgrund von Wachstum aus der Cloud oder der Colocation-Anlage herausgenommen werden müssen. Für den Bau sind Experten aus den Bereichen Immobilien, Finanzen, Energieversorgung, Vertragswesen, Beschaffung, Projekt-Management, Personalführung und Gebäude-Management erforderlich. Sie müssen die Anforderungen des Unternehmens und der künftigen Nutzer in Einklang bringen. Gleichzeitig sollen die Kosten im Rahmen bleiben und der Return of Investment möglichst hoch sein.

Insbesondere bei der Stromversorgung sind die Art der Bereitstellung sowie die Stromversorgungsarchitektur dafür entscheidend, ob sich die Vorgaben einhalten lassen. Eine intelligente Rack-PDU (Power Distribution Unit) kann bei der Leistungsmessung und beim Energiemanagement in einer heterogenen Umgebung mit einem breiten Mix an Komponenten und Netzanbietern hilfreich sein. Bei der Auswahl der Anbieter und Partner für das Design, den Bau und die Inbetriebnahme sollten innovative Unternehmen gewählt werden, die eine breite Palette an RZ-spezifischen Produkten in der benötigten Menge und mit den erforderlichen Merkmalen und Funktionen bereitstellen können.

Doch für viele IT-orientierte Unternehmen ist die Übertragung der eigenen RZ-Assets in eine Colocation-Einrichtung ein logischer Schritt, wenn das eigene Wachstum, eine Konsolidierung, Latenz- oder auch Time-to-Market-Aspekte dafür sprechen. Mit dem Verzicht auf den Bau reduzieren sich die Investitionsausgaben. Das so frei gewordene Kapital kann das Management an anderer Stelle nutzen.

Das Für und Wider von Colocation

Colocation-Einrichtungen besitzen meist eine überaus effiziente Infrastruktur und bieten ein Höchstmaß an Anbindungsmöglichkeiten, Bandbreite und Redundanz. Diese übersteigen die Investitionsbereitschaft der meisten Unternehmen, die ein eigenes RZ haben oder planen. Das Know-how der Anbieter lässt sich sehr gut einschätzen, wenn man sie zum Beispiel nach dem Verfahren fragt, das sie für die Standort-zu-Standort-Replizierung verwenden.

Die Messdaten gelangen von der PDU per SNMP, TCP/IP oder Modbus zum DCIM-System. Bild: Legrand

Das Angebot der RZ-Anbieter umfasst jedoch neben dem reinen Raumangebot im „Whitespace“ zahlreiche weitere Leistungen und Services, die zu bezahlen sind. Dazu zählen die Erfassung und Berechnung des Stromverbrauchs oder individuelle Anpassungen für die Kühlung von IT-Schränken. Diese berechnen viele Provider separat, wenn sie 5 bis 10 kW pro Schrank übersteigt. Remote-Support, Gerätereinigung: Jeder zusätzliche Handgriff kostet Geld. Selbst wenn statt einer Gesamtabrechnung Einzelpositionen detailliert abgerechnet werden sollen, kostet dies einen Aufpreis. Richtig teuer wird es, wenn eine vollständige Power-Path-Redundanz für eine geschäftskritische Anwendung notwendig ist. Dies bedeutet, der IT-Betreiber benötigt zwei Remote Power Panels (Remote-Schalttafeln) und zwei Leistungsverteiler zum Rack, zwei USV-Systeme und zwei Generatoren.

Oft entscheiden sich Unternehmen dafür, die IT-Assets für den Colocation-Standort neu anzuschaffen und nicht aus dem vorhandenen RZ zu verlagern. Zum einen können die Techniker die neue Hardware vorab aufbauen und testen, bevor die IT-Abteilung von den alten Systemen auf die neuen umschaltet. Zum anderen ist die Hardware oft zu schwer und zu groß für einen normalen Transport, passt nicht durch Türen und könnte beim Transport beschädigt werden. Ältere Laufwerke etwa lassen sich manchmal nach dem Transport nicht mehr starten. Und die Leistungsverteiler des Colocation-RZs sind vielleicht nicht kompatibel zu den Schränken.

Mit neuen Anlagen kann man in der Colocation-Einrichtung von vorn beginnen, und zwar mit neuen Geräten und Architekturen. Diese sind für künftige Anforderungen meist besser geeignet, arbeiten effizienter und zuverlässiger als die in die Jahre gekommenen Systeme. Um den Aufwand für die Implementierung der neuen Hardware zu minimieren, ist es wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der bei der Zusammenstellung der verschiedenen Produkte und Services eine funktionierende Lösung garantiert. Entscheidend sind dabei ein breites Angebot sowie ein kompetenter Ansprechpartner in der Nähe.

Intelligente PDUs für Remote-Monitoring-Lösungen

Beim Umzug in eine Colocation-Einrichtung, bauen die IT-Teams nach den Regeln der Technik mehrere Pfade zu den Steuerschnittstellen der Hardware auf. Am zuverlässigsten lässt sich die erforderliche Redundanz mit einem KVM-Switch oder einer seriellen Konsole erreichen.

Wie die Strommesswerte lassen sich auch Umgebungsparameter über die intelligenten PDUs in ein DCIM-System integrieren. Bild: Legrand

Beim Kauf des neuen Equipments spielt der Energieverbrauch eine entscheidende Rolle, da die Stromkosten zu den höchsten wiederkehrenden Betriebskosten im Colocation-RZ zählen. Eine kluge PDU-Auswahl reduziert die Anzahl der Leistungsverteiler vom Colocation-Anbieter zur IT-Infrastruktur. Zudem lässt sich mit ihnen die bezahlte Energiemenge effizienter nutzen. Beim Festlegen der Leistung kommt es auf den Formfaktor, die Anzahl der Steckdosen und den erforderlichen Funktionsumfang an. Intelligente PDUs erlauben ein Remote-Energie-Management mit Kapazitätsplanung und überwachen dabei nicht nur die Verbrauchswerte, sondern auch die Stromzuführung und Ausgangsleistung. Entscheidend ist auch, ob 1 kW oder mehr als 100 kW (Gleich- oder Wechselstrom) über die PDU zu verteilen sind.

Auf Sicherheit bedachte IT-Leiter entscheiden sich zudem bei der Colocation-Ausstattung für einen auf Vertrauen und Kontrolle basierenden Ansatz. Sie überlassen es nicht allein dem RZ-Betreiber, die zugesicherten SLAs zu überwachen. Sie überwachen parallel auch selbst den Stromverbrauch sowie Umgebungsparameter per Fernüberwachungslösung. Denn bei einem RZ-Ausfall besteht die Gefahr, dass trotz aller SLAs die wichtigsten Großkunden vorrangig behandelt werden und andere erst spät auf ein Ausweich-RZ umgeschaltet werden.

Mit einer Remote-Monitoring-Lösung, eingebettet in eine Management-Lösung, behält das Unternehmen die Verantwortung für die Verfügbarkeit seiner IT-Systeme. Ein Asset-Management-Tracking mit integriertem Zugangskontrollsystem ermöglicht zudem eine detaillierte Zuordnung von Zugriffsberechtigungen. So erhält ein Service-Techniker des Colocation-Anbieters nur genau für den Schrank Zugang, in der er eine Komponente entfernen, reparieren oder austauschen soll. Der IT-Administrator im Unternehmen kann dabei nachvollziehen, an welcher Komponente der Techniker gearbeitet hat.

An dieser Stelle sind intelligente PDUs eine platzsparende und zudem preiswerte Lösung. Sind sie mit Sensor-Ports ausgestattet, lassen sich die Sensordaten über den PDU-Controller managen. Damit lassen sich per PDU die Sensoren zur Überwachung der Umgebungsbedingungen, für den Schrankzugang inklusive Kamera sowie auch Asset-Management-Komponenten in die Remote-Monitoring-Lösung der PDU oder in eine gängige DCIM-Lösung einbinden.

Marc Cram ist Marketing-Direktor von Server Technology, einer Marke des Legrand-Konzerns in Limoges, www.legrand.com