Colocation ist ein wichtiger Teil der Rechenzentrumsbranche. Im LANline-Gespräch nahm Tesh Durvasula, President Europe von CyrusOne, Stellung vor allem zum deutschen Colacation-Markt und zur Nachhaltigkeit der eigenen Datacenter.

LANline: Herr Durvasula, welche Bedeutung hat der deutsche Datacenter-Markt für CyrusOne?

Durvasula: Deutschland ist innerhalb von Europa ein bedeutender Markt für CyrusOne. Der deutsche Rechenzentrumsmarkt ist in den letzten Jahren enorm gewachsen, und alles deutet darauf hin, dass dieses Wachstum noch weitergehen wird. Mit seiner guten Infrastruktur und zentralen Lage ist Deutschland ein idealer Standort, um unser Wachstum in Europa weiter auszubauen. Dabei ist Frankfurt ein wichtiger Standort für uns.

LANline: Wie sehen Ihre Aktivitäten und Pläne konkret aus?

Durvasula: Mit unseren beiden Rechenzentren Frankfurt I mit 5.000 m² Fläche und einer IT-Leistung von 9 MW sowie Frankfurt II mit 8.400 m² Fläche und 8,8 MW IT-Leistung haben wir eine solide Basis für unser Deutschlandgeschäft geschaffen. Aber hier sind wir noch nicht am Ende. Momentan befindet sich unser drittes Rechenzentrum am Standort Frankfurt im Bau. Das Gebäude mit einer Fläche von 11.500 m² und einer IT-Leistung von 22 MW wird im zweiten Quartal 2020 fertig gestellt sein. Hier binden wir diverse Glasfaserkabel-Provider mit ein, um eine Carrier-neutrale Konnektivität sicherzustellen.

LANline: Das Engagement beschränkt sich aber nicht allein auf Deutschland.

Durvasula: Das ist richtig. Wir sind darüber hinaus auch in anderen europäischen Ländern aktiv. Neben drei Rechenzentren, die wir in London betreiben, bauen wir dort noch zwei weitere. Gerade war Baubeginn für unser erstes Rechenzentrum in Dublin, das Ende 2020 fertig sein wird. Auch am Standort Amsterdam bauen wir ein Datacenter. Ansporn für den Aufbau unseres Europageschäfts ist die große Nachfrage, die wir bei unseren europäischen und globalen Kunden sehen.

Tesh Durvasula, President Europe von CyrusOne: „Das Thema Nachhaltigkeit spielt beim Bau von neuen Datacentern für uns eine wichtige Rolle. Wir bauen Rechenzentren im Hinblick auf die Zukunft.“ Bild: CyrusOne

LANline: Worin unterscheidet sich der deutsche Datacenter-Markt zum Beispiel vom amerikanischen oder asiatischen Standort?

Durvasula: Dem europäischen und amerikanischen Rechenzentrumsmarkt ist gemeinsam, dass die Nachfrage in beiden Regionen von den Hyperscale-Cloud-Anbietern und Unternehmenskunden getragen wird. Der größte Unterschied ist bei den Energiekosten zu sehen. Der Preis für Energie ist in Europa wesentlich höher als in den USA. Vergleicht man den Strompreis innerhalb von Europa, kann dieser in Deutschland schon mal 50 Prozent höher liegen als Frankreich und den Niederlanden. Zudem ist Bauland in Deutschland sehr teuer, weshalb wir hier mit einer größeren Leistungsdichte pro Quadratmeter arbeiten als in den USA.

LANine: Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit eines RZs heute bei der Planung?

Durvasula: Das Thema Nachhaltigkeit spielt beim Bau von neuen Datacentern für uns eine wichtige Rolle. Wir bauen RZs im Hinblick auf die Zukunft. Durch leistungsfähiges Design, effektive Instandhaltung und Betrieb wollen wir Wasser und Energie einsparen. Unsere Kunden haben sehr ambitionierte Nachhaltigkeitsziele. Wir wollen der strategische Partner zur Erreichung dieser Ziele sein.

LANline: Welche Bereiche im RZ tangiert das?

Durvasula: Wo es möglich ist, nutzen wir erneuerbare Energien. Daher werden unsere Rechenzentren in London ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben. In unserem Rechenzentrum Dublin I, das sich gerade im Bau befindet, wollen wir das Gleiche tun, indem wir Solarzellenplatten auf dem Dach anbringen, die zur Stromerzeugung beitragen. In Dublin wird es rund um das Rechenzentrum Grünflächen geben, die Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bieten. So entsteht gewissermaßen eine grüne Mauer rund um das Gebäude, die zur Energieeffizienz beiträgt und den CO2-Ausstoß mindert.

LANline: Gibt es bei Ihnen Beispiele für die Abwärme-Weiterverwendung?

Durvasula: Dort wo eine entsprechende Infrastruktur vorhanden oder in Planung ist, installieren wir Rohrleitungen, die eine Weiterverwendung der Abwärme ermöglichen. Auf diese Weise können Häuser und Geschäfte, die in der Umgebung liegen, beheizt werden. Dieses Verfahren wird bei Dublin I und in Amsterdam I zum Einsatz kommen, wenn diese Rechenzentren fertiggestellt sind.

LANline: Welche neuen Anforderungen kommen künftig auf Erbauer, Planer und Betreiber von Datacentern zu?

Durvasula: Es gibt einen Trend hin zu größeren Datacentern. Die durchschnittliche Größe in Europa liegt momentan bei 10 MW, aber dieser Wert geht nach oben. Wir sehen inzwischen Rechenzentren mit einer Größe von 54 MW IT-Leistung und mehr. Die großen Rechenzentren werden immer größer. Gleichzeitig entstehen viele kleine Datacenter, die speziell darauf zugeschnitten sind, die neuen Edge- und KI-Technologien zu unterstützen, die für das autonome Fahren benötigt werden. Colocation-Rechenzentren werden weiterhin sowohl die Hyperscaler mit großem Bedarf als auch Unternehmen mit geringerem Bedarf bedienen.

LANline: Herr Durvasula, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.