Hewlett Packard Enterprise hat die HPE Container Platform vorgestellt. Sie sei, so HPE, die branchenweit erste Kubernetes-basierte Softwareplattform für den Containerbetrieb im Unternehmen, die für Cloud-native ebenso wie für monolithische Anwendungen mit persistentem Datenspeicher entwickelt ist. Damit sollen Unternehmen die Entwicklung neuer und die Modernisierung vorhandener Applikationen beschleunigen können. Die Software läuft auf Bare Metal ebenso wie in der Public Cloud, virtualisierten Umgebungen und am Edge.

In der Public Cloud haben sich Container als Standard für die Bereitstellung von Applikationen etabliert, und mit ihnen die Management-Werkzeuge wie Docker und Kubernetes. Im Unternehmen sieht die Lage anders aus, hat man es doch anders als in der Cloud mit zustandsorientierten Applikationen (Stateful Applications) zu tun, die über Sessions hinweg Zugriff auf persistente Datenbestände benötigen. Hewlett Packard Enterprise will hier mit seiner neuen „HPE Container Platform“ die Brücke schlagen und damit Containern wie auch Kubernetes den Weg ins Unternehmen bahnen.

HPEs Container Platform basiert auf Kubernetes sowie auf Technik der Anbieter BlueData und MapR. Diese hatte der Konzern Ende 2018 bzw. im August dieses Jahres akquiriert. Die Plattform greift für das Container-Management auf die mit BlueData akquirierte Epic-Software zurück, die für den schnellen Container-Rollout konzipiert ist. Epic nutzte dafür zunächst Docker-Container. Im Sommer 2018 hatte BlueData allerdings die BlueK8s-Initiative angekündigt, um sich per API für Kubernetes zu öffnen. Mit Kubernetes Director hatte der Anbieter zeitgleich auch eine Initiative für eine Lösung angekündigt, um verteilte Stateful-Applikationen mit Kubernetes ausbringen und verwalten zu können.

HPE Container Platform eignet sich laut Hersteller für den Betrieb Cloud-nativer wie auch nicht Cloud-nativer Applikationen im Unternehmens-RZ, in der Cloud sowie am Edge. Bild: HPE

HPE Container Platform eignet sich laut Hersteller für den Betrieb Cloud-nativer wie auch nicht Cloud-nativer Applikationen im Unternehmens-RZ, in der Cloud sowie am Edge. Bild: HPE

Die Softwareplattform soll laut Hersteller Kosten und Komplexität senken, indem Container auf Bare Metal laufen, während zugleich deren flexible Bereitstellung auf virtuellen Maschinen und Cloud-Instanzen möglich sei. Sie ist damit laut einem Blog-Post von Phil Davis, President of Hybrid IT bei HPE, ein Kernbaustein des hauseigenen Lösungs-Stacks für Hybrid Clouds. Ziel ist es, die Effizienz, Auslastung und Performance des Containerbetriebs erhöhen, und dies für Cloud-native wie eben auch nicht Cloud-native Applikationen. Die neue Plattform unterstützt laut HPE-Angaben zahlreiche Anwendungsfälle: von maschinellem Lernen (ML) und Analysen am Netzwerkrand (Edge Analytics) bis zu CI/CD-Pipelines (Continuous Integration/Continuous Delivery) und der Applikationsmodernisierung. Sie eigne sich selbst für umfangreiche Kubernetes-Implementierungen.

Schlüsselfertige Lösung

HPE bezeichnet die Container Platform als „schlüsselfertige Lösung“. Sie kommt mit der BlueData-Software als Steuerungsebene für das Container-Management, dem verteilten Dateisystem von MapR für Datenpersistenz beim Containereinsatz und Kubernetes für die Containerorchestrierung. Dieser Ansatz erweitere den Nutzen von Containern über Cloud-native Anwendungen mit Micro-Services-Architektur hinaus: Er ermögliche es, monolithische Anwendungen mit persistenter Datenspeicherung zu containerisieren, ohne sie von Grund auf neu entwickeln zu müssen.

Unternehmen nutzen laut Analysten Containerisierung – und damit oft auch Kubernetes – in zunehmendem Maße, um ihre Applikationslandschaften zu modernisieren, zum Beispiel für neue Datenanalyse- oder Edge-Anwendungen: Gemäß Gartner-Schätzungen vom September sollen in drei Jahren über 75 Prozent der Unternehmen weltweit produktive Containeranwendungen betreiben. Dieser Anteil liegt derzeit noch bei unter 30 Prozent. Laut einer Umfrage von 451 Research basieren 95 Prozent der neu entwickelten Applikationen auf Containertechnik. Wenn Unternehmen den Container- und Kubernetes-Einsatz auf Produktionsumgebungen ausweiten, so mahnt man bei HPE, müssen sie allerdings wichtige Aspekte wie Sicherheit, Multi-Cluster-Management und Lastverteilung (Load Balancing) berücksichtigen.

Problemfall Stateful-Applikationen

Ein erheblicher Teil der Unternehmensanwendungen ist nicht Cloud-nativ, sprich: nicht für die Nutzung dynamischer Public-Cloud-Ressourcen konzipiert. Die Wartung solcher monolithischer Legacy-Anwendungen ist mit hohen Kosten verbunden. Deshalb würden laut HPE viele von Containerisierung profitieren. Bestandsanwendungen komplett als Cloud-native Applikationen neu zu entwickeln (Re-Architecting, Refactoring) ist jedoch aufwändig und teuer.

Zugleich stellen sie die zustandslose (stateless) Kubernetes-Welt vor Probleme. Denn Kubernetes ist ursprünglich für zustandslose Micro-Services konzipiert, nicht für Stateful-Applikationen. Zu diesen zählen nicht nur Legacy-Anwendungen, sondern auch diverse moderne Applikationen, darunter zum Beispiel eine ML-Analysesoftware wie TensorFlow, die umfangreiche Datenbestände auswerten muss.

Für die Verwaltung und Orchestrierung der Container setzt HPE auf den De-facto-Standard Kubernetes (K8s). Bild: HPE

Für die Verwaltung und Orchestrierung der Container setzt HPE auf den De-facto-Standard Kubernetes (K8s). Bild: HPE

Diese Kluft zwischen Stateful und Stateless will HPE nun mit dem einheitlichen Framework der neuen Containerplattform überbrücken. Eine IT-Organisation kann laut HPE auf der neuen Containerplattform mehrere Kubernetes-Cluster mit mandantenfähiger Containerisolierung verwalten. Dabei sorge die Plattform durch Automation von Arbeitsschritten für die einfache und schnelle Provisionierung von Kubernetes-Clustern, auf Wunsch inklusive automatischer Bereitstellung von vorab integriertem persistentem Storage.

Die Container Platform soll es erleichtern, Kubernetes-Cluster mit mandantenfähiger Containerisolierung einzurichten. Bild: HPE

Die Container Platform soll es erleichtern, Kubernetes-Cluster mit mandantenfähiger Containerisolierung einzurichten. Bild: HPE

Entwickler wiederum erlangen damit laut HPE sicheren On-Demand-Zugriff auf die Umgebungen und können so Anwendungen schneller entwickeln und Releases zügiger bereitstellen. Da Container portabel sind, lasse sich einmal erstellter Code plattformübergreifend einsetzen. Ein App Store mit Applikations-Templates erleichtere den Bezug von Applikationen für diverse Einsatzfälle wie zum Beispiel KI/ML oder Data Analytics. Ergänzend will HPE mit seinen Consultants von Pointnext Beratungsdienstleistungen offerieren. Diese beruhen laut Angaben des Konzerns auf den Best Practices aus der Übernahme von Cloud Technology Partners und RedPixie sowie auf der Erfahrung aus über 1.000 Hybrid-Cloud-Projekten.

Reine Softwarelösung statt HCI

Für den Kubernetes-Einsatz im Unternehmen bietet Wettbewerber IBM sogenannte Cloud Paks: Containersoftware mit IBM-Middleware und vorgefertigten Konfigurationen für diverse Einsatzfälle. Die Bereitstellung erfolgt über IBMs Cloud Pak System, ein konvergentes System aus IBM-Hardware, VMware-Virtualisierung und Red Hat OpenShift.

Das entsprechende Angebot des Konkurrenten Dell wiederum nennt sich Dell EMC HCI für Kubernetes (HCI: Hyperconverged Infrastructure). Mittels VMware PKS und Cloud Foundation auf der VxRail-Plattform von Dell Technologies ist auch diese Lösung dafür konzipiert, die Entwicklung Cloud-nativer Anwendungen zu beschleunigen, während man zugleich auch herkömmliche und virtualisierte Anwendungen ausführen kann.

Das HPE-Angebot hingegen ist eine reine Softwareplattform, der Betrieb auf HPE-eigener Hardware ist somit nicht erforderlich. Unter dem Namen Synergy offeriert HPE allerdings eine sogenannte Composable Infrastructure. Dieses schnell rekonfigurierbare Komplettsystem eignet sich laut HPE-Bekunden ebenfalls für die einheitlichen Betrieb von Alt- und Neuanwendungen auf einer gemeinsamen Hardwareplattform.

Die Markteinführung der Container Platform hat HPE für Anfang 2020 in Aussicht gestellt. Zeitgleich sollen dann auch die zugehörigen Beratungs-, Implementierungs- und Support-Dienstleistungen verfügbar sein. Weitere Informationen finden sich unter www.hpe.com.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.