Schon vor Jahren beschrieb der damalige Citrix-CEO Mark Templeton gegenüber LANline die Zukunft des Arbeitens als App, die alle vom Mitarbeiter benötigten Ressourcen bündelt. Diese Vision wird nun Realität: Auf der Synergy in Anaheim, Kalifornien, präsentierte der aktuelle CEO David Henshall die „Workspace App“, die genau das liefert. Ebenfalls vorgestellt wurde mit Citrix Analytics eine Lösung für die ML-basierte (Machine Learning), automatisierte Absicherung digitaler Arbeitsplätze.

Die Erschütterungen, die am Morgen des 8. Mai im erdbebengeplagten Kalifornien zu spüren waren, seien nur die ersten Ausläufer des „Erdbebens von Innovationen“ auf der Synergy gewesen, scherzte CEO David Henshall zu Beginn seiner Keynote. Tatsächlich gab es spannende News, vor allem die neue Workspace App sowie die Verfügbarkeit der lange vorbereiteten Security-Analytics-Lösung.

Das Jahr 2018 beschrieb Henshall als „Scheideweg“: Erstmals stelle die Altersgruppe der „Millenials“ – also die erste mit allgegenwärtiger IT und Always-on-Internet aufgewachsene Generation – die Mehrheit der Werktätigen. Diese, so Henshall, erwarte eine jederzeit verfügbare, einfach bedienbare digitale Arbeitsumgebung. In Wirklichkeit aber stoße man auf ein „Produktivitätsparadox“: Es gibt heute eine derart große Vielfalt an Apps und Services, dass den Unternehmen durch die Komplexität der Produktivitäts-Tools ein Mehrkostenblock von 800 Dollar pro Mitarbeiter und Jahr entstehe. Dieser ausufernden Komplexität stellte er Citrix’ Ansatz „menschenzentrierten Rechnens“ („People-centric Computing“) entgegen.

CEO David Henshall zeigte auf der Synergy, wie Citrix sich die Zukunft digitaler Arbeitsplätze vorstellt. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

CEO David Henshall zeigte auf der Synergy, wie Citrix sich die Zukunft digitaler Arbeitsplätze vorstellt. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Workspace App
Als Mittel der Wahl präsentierte der Citrix-Chef die neue Workspace App, laut Henshall der erste digitale Workspace für Unternehmen, der sämtliche Informationen und Apps in einem einheitlichen Business-Kontext verfügbar macht, also einschließlich Cloud-Services und SaaS-Applikationen: „Alles, was man braucht, um produktiv zu sein, in einer einheitlichen Umgebung“, versprach er.

Vice President Product Marketing Calvin Hsu demonstrierte die App zusammen mit einer Kollegin live. Die wesentlichen Features: einheitlicher Zugriff auf alle Apps und Dateien, vorgegebene SaaS-Integrationen und eine übergreifende Suche („Universal Search“), die neben Dateien auch Apps findet, wie man das vom Mac kennt. Auf dem Windows-10-Demogerät erschien die App im Full-Screen-Modus, die verfügbaren Services sind nach Vorgabe der IT gruppierbar (lokal, aus der Cloud, aufgabenbezogen etc.).

Die neue Workspace App bündelt sämtliche benötigten Tools und Dienste. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Die neue Workspace App bündelt sämtliche benötigten Tools und Dienste. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Ein neuer Kollege wählt die Dienste beim Onboarding per Self-Service aus. Dank Single Sign-on (SSO) erübrigt sich nach Anmeldung an der Workspace App jeder weitere Login, etwa bei SaaS-Applikationen. Ein Unternehmen kann die Umgebung an das eigene Web-Design anpassen.

Ein „versehentlich“ über das Windows-Device geschütteter Kaffee gab bei der Demo Anlass, den nahtlosen Wechsel auf ein Chromebook zu demonstrieren. Zeitsparend: Aus der App lässt sich direkt ein ShareFile-Workflow anstoßen, um zum Beispiel eine per Office 365 bearbeitete Präsentation zur Freigabe weiterzuleiten.

Ebenfalls praktisch: In der Workspace App kann der Anwender eine ausufernde E-Mail-Konversation per Klick in das Collaboration-Tool Slack überführen, um sie dort bequemer fortzusetzen. Da sein Samsung-S9-Display für das rund 5.000-köpfige Synergy-Publikum nicht wirklich gut erkenntlich war, demonstrierte Hsu kurzerhand die Nutzung des Bühnenhintergrund-Displays als Zweit-Bildschirm. Für dieses Screencasting kam Citrix’ Workspace Hub zum Einsatz, ein kleines Gerät auf Raspberry-Pi-Basis, das diverse Citrix-Partner für unter 100 Dollar anbieten.

Copräsentator Calvin Hsu nutzte den Bühnenhintergrund per Screencasting als „Zweit-Display“ für sein Smartphone. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Copräsentator Calvin Hsu nutzte den Bühnenhintergrund per Screencasting als „Zweit-Display“ für sein Smartphone. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Hybrid-Cloud-Architektur
Steve Wilson, Vice President of Product for Cloud and IoT, betonte, der „Citrix Workspace“ (die Produktnamen XenApp und XenDesktop sind Geschichte) unterstütze sämtliche namhaften Public-Cloud-Umgebungen; auf der Bühne stand diesmal Google im Fokus. Zudem, so Wilson, unterstütze man alle wichtigen Hypervisoren von VMware ESX bis Nutanix AHV. Mit den neuen Appliance-Partnern HPE und Cisco habe man nun zudem sämtliche Anbieter hyperkonvergenter Infrastrukturplattformen als Partner. Damit offeriere man als einziger Anbieter eine umfassende Architektur für Hybrid Clouds – ein Seitenhieb auf den Konkurrenten VMware, dem Wilson dies absprach.

Auch die Partnerschaft mit Microsoft laufe weiter: Man werde Windows Server 2019 vom ersten Tag an unterstützen, auf Microsofts RDMI-Apps (Remote Desktop Modern Infrastructure) werde der Citrix-Workspace-Nutzer per Klick zugreifen können. Zudem sei nun die hauseigene SD-WAN-Technik auf Azure verfügbar.

Citrix’ Mobility-Management-Tool hat sich zur UEM-Lösung (Unified-Endpoint-Management) weiterentwickelt: Neben iOS, Android und Chrome OS unterstützt Citrix Endpoint Management laut Wilson heute auch Windows, Mac und Linux. Die neuen Funktionen umfassen die Windows-10-Verwaltung im Zusammenspiel mit Microsoft SCCM, zudem Support für Mac OS X mit FileVault-Verschlüsselung sowie für Workspace Hub, Chrome OS, Apple TV (laut Wilson in Unternehmen zunehmend verbreitet) sowie Alexa for Business. Damit, so der Citrix-VP, biete man die breiteste Endgeräteunterstützung am Markt.

Angriffsfläche verringern
„Die Angriffsfläche ist exponentiell angewachsen“, konstatierte CEO Henshall. Als Gegenmaßnahme hatte Citrix schon letztes Jahr ein ML-basiertes Security-Analytics-Werkzeug für digitale Arbeitsumgebungen in Aussicht gestellt. Dessen Verfügbarkeit konnte Henshall nun verkünden.

Die Lösung Citrix Analytics bietet laut Chief Product Officer P.J. Hough ein dynamisches Sicherheitsmodell, kontextbezogene Richtlinienkontrolle und kontinuierliche Bedrohungsevaluierung mit optional autonomer Reaktion. Wichtig: Die Analyse des Nutzerverhaltens ist nicht auf die Citrix-Apps beschränkt, sondern deckt laut Hough den gesamten digitalen Arbeitsplatz ab.

Auf der Basis kontinuierlichen Monitorings und ML-gestützter Modellierung liefert die Software laut Hough automatisiert Risikowerte (Scores). Die gewünschten Reaktionen auf die Entdeckung von Anomalien definiere die Unternehmens-IT. Dies reiche bis hin zu automatisierten Aktionen wie etwa das Unterbinden oder aber automatische Mitschneiden von Nutzeraktionen beim Überschreiten von Schwellenwerten – Letzteres in Deutschland sicher nur nach Absprache mit dem Betriebsrat umsetzbar. Damit, so Hough, biete Citrix eine „Closed Loop“-Plattform für die Security und die Durchsetzung von Richtlinien.

Citrix ist in der prädestinierten Lage, Daten zum Nutzer-, App- und Datenverhalten über einen gesamten digitalen Arbeitsplatz hinweg sammeln und auswerten zu können. So gibt es laut Hough heute allein über 100 Millionen Receiver-Clients, die regelmäßig Telemetriedaten übermitteln. Die für die Auswertung erforderlichen Komponenten laufen in der Cloud (Citrix Cloud oder Public Cloud, je nach Kundenwunsch). Ergänzend liefert der Konzern mit „Cloud App Control“ ein Werkzeug, um den Zugang zu SaaS-, mobilen, unternehmensinternen und virtualisierten Applikationen abzusichern.

Eine Demo zeigte, wie man mit der Software über ein öffentliches WLAN mit abgesichertem Browser auf SalesForce zugreifen kann. Entlarvt Analytics einen Phishing-Versuch (etwa ein Redirect auf eine verdächtige Site), unterbindet sie den Zugriff. Zudem kann die IT das App-spezifisch Aktionen blocken, etwa Copy und Paste.

Im Dashboard der neuen Analytics-Lösung kann das Security-Team verdächtiges Verhalten nachverfolgen und Reaktionen anstoßen. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Im Dashboard der neuen Analytics-Lösung kann das Security-Team verdächtiges Verhalten nachverfolgen und Reaktionen anstoßen. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Ein Analytics Dashboard dient der Verwaltung der Richtlinien und Aktivitäten. Die Software bündelt Endanwender je nach Verhalten in Hoch-, Mittel- und Niedrig-Risikogruppen, um dem Security-Team die Arbeit zu erleichtern. Dieses kann per Drilldown bis zum einzelnen User vorstoßen, um etwa herausfinden, dass eine Hochrisikobewertung ungewöhnlichen Daten-Uploads in die Dropbox geschuldet ist.

Mit der Workspace App und der Analytics-Lösung zeigte sich Citrix als weiterhin innovativ. Mit der klar strukturierten und – abgesehen von einer Panne ausgerechnet beim Ausblick von CTO Christian Reilly auf künftige App-Snippets – nahezu perfekten Keynote erweis sich Henshall als würdiger Nachfolger von „Mark T“. Nicht nur mit den vielen Live-Demos, sondern auch mit dem Verzicht auf „Zukunftsmusik“ knüpften Henshall und sein Team an bewährte Traditionen an: Sämtliche vorgestellte Neuerungen sollen innerhalb von 90 Tagen auf den Markt kommen.

Weitere Informationen finden sich unter www.citrix.com.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.