Unternehmen sind sich häufig nicht bewusst, wie viele und welche Daten sich in ihrer Infrastruktur befinden. „Weniger als 30 Prozent der Daten sind bekannt“, vermutete Olaf Dünnweller, Area Vice President EMEA Central und Geschäftsführer Deutschland bei Commvault Systems, im Gespräch mit LANline. Vor allem durch die rechtlichen Anforderungen im Zuge der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) stelle dies ein Problem dar, schließlich müssen Unternehmen nicht nur wissen, wo und wie sie was gespeichert haben, sondern die Daten bei Bedarf gezielt finden und löschen können. Auch gestalte es sich schwierig, unbekannte Daten zu sichern, um sie im Notfall problemlos wiederherstellen zu können. Commvault hat 2018 sein Portfolio ausgebaut und sich wie auch andere Backup- und Recovery-Hersteller in Richtung Daten-Management-Prozesse ausgerichtet.

So hat der Hersteller Ende des Jahres 2018 seine Produktpalette mit der HyperScale Appliance (HS3300) und der Remote Office Appliance um zwei Geräte erweitert, die eine Scale-out-Infrastruktur mit Cloud-ähnlichen Services für Backup und Recovery zur Verfügung stellen sollen. Auf diese Weise soll es beispielsweise großen Unternehmen und MSPs (Managed Service Provider) sowie Organisationen mit Außenstellen möglich sein, ihre Daten zu verwalten.

Mit der HS3300 will der Backup- und Recovery-Anbieter den Konzernmarkt erreichen. Das Gerät soll es erleichtern, konvergente Daten-Management-Lösungen bereitzustellen, die den Anforderungen an Datenschutz, Wiederherstellung, Governance und Service entsprechen. Als wichtigste Hauptmerkmale nennt der Hersteller:

  • zwischen 174 und 262 TByte nutzbare Kapazität,
  • vollständig ausgestattete Appliance, die Server, Speicher und die hauseigene Lösung Complete Backup and Recovery integriert,
  • Scale-out-Infrastruktur mit Cloud-ähnlicher Skalierbarkeit, Flexibilität und Kostenvorteilen wie die derzeit verfügbare hauseigene HyperScale Appliance für den Mittelstand (Modell HS1300) und
  • Eignung für größere Workloads von MSPs und Konzernen.

Die Remote Office Appliance verfügt hingegen über eine geringere nutzbare Kapazität von 5 bis 15 TByte, bietet jedoch eine integrierte Zweigstellenlösung für einfacheres Remote-Office-Management als Teil einer zentralisierten, hybriden IT-Strategie, so Commvault. Sie soll es Unternehmen ermöglichen, ihre Daten lokal zu schützen und Daten in die Cloud oder das Rechenzentrum zu replizieren. Ein zentrales Management ermögliche zudem die Verwaltung, rationalisiere Prozesse und optimiere die Datensicherung und -wiederherstellung.

Zentrale Steuerungseinheit für das Lösungsportfolio

Mit dem überarbeiteten Commvault Command Center hat der Backup- und Recovery-Spezialist außerdem eine zentrale Steuerungseinheit für das gesamte herstellereigene Lösungsportfolio eingeführt. Mit dem Update kombiniere man Techniken wie KI (künstliche Intelligenz) und ML (maschinelles Lernen) mit Daten-Management-Funktionen für sämtliche Umgebungen, in denen Daten gespeichert und genutzt werden, so der Hersteller.

Bei der neuen Version hebt Commvault seine traditionelle Web-Schnittstellen auf und führt eine moderne HTML-5-Benutzeroberfläche ein. Das Release bringt außerdem zusätzliche Funktionalität wie Datenanalyse und -virtualisierung, rollenbasierte Sicherheits- und Zugriffsrechte, interaktive und proaktive Dashboards und Orchestrierung.

Anwender sollen auf diese Weise einfacher neu Erkenntnisse aus den Daten ihres Unternehmens ziehen und dabei die vollständige Kontrolle über die verwalteten Daten bewahren können. Weiter lassen sich Alltagsaufgaben, Ereignisse und Logs analysieren und Anomalien erkennen sowie Backup, Recovery, Migration und Bereitstellung von Daten vereinfachen. Die Lösung hilft laut Hersteller auch beim Ermitteln, Analysieren und Verstehen wichtiger Performance-Kennzahlen (KPIs), um den Zustand der Datenumgebung und der Commvault-Lösung bewerten zu können.

„Die DSGVO war für viele Unternehmen in diesem Jahr der Weckruf, sich mit den Daten in ihrer Infrastruktur zu beschäftigen. Hier muss ein Gesamtüberblick das Ziel sein“, erläuterte Dünnweller. Einen umfassenden Überblick über ihre Daten sollen Unternehmen nach Meinung des Herstellers mit Commvault Activate erhalten. Die Lösung führe den „Commvault 4D Index“ ein.

Dabei handelt es sich um einen dynamischen Index, der mittels künstlicher Intelligenz das Verständnis für Daten über Datenquellen und Datentypen hinweg optimieren soll. Auf diese Weise erhalten Unternehmen laut Hersteller mehr Informationen über ihre Daten, unabhängig davon, ob man sie mit Drittanbieterwerkzeugen, anderen Tools des Herstellers oder bislang überhaupt nicht verwaltet. „Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind mit die größten Treiber beim Daten-Management. Mit Activate haben wir nun eine Lösung, die die Transparenz der Daten auslesen, vorhalten und nutzbar machen kann“, sagte der Commvault-Mann.

Virtuelle Datenlandschaft

Betreiben Organisationen Commvault Activate gemeinsam mit Complete Backup and Recovery, soll sich das gewonnene Datenwissen in die indizierte Sammlung von Backup- und Archivdaten-Instanzen einbinden lassen. Auf diesem Wege ermöglicht Commvault nach eigenen Angaben eine vollständig virtualisierte Datenlandschaft.

Commvault Activate lasse sich aber auch als eigenständige Lösung integrieren, etwa um Anwendern bei der Entwicklung einer umfassenden Sicht auf ihre Datenlandschaft zu unterstützen. Neue Schnittstellen ermöglichten zudem die Inventarisierung und Indizierung von Daten aus Quellen wie Online-Datenspeichern, aktiven Endgeräten oder neuen Office-365-SaaS-Cloud-Datenspeichern.

Auf diese Weise bietet die Lösung die Möglichkeit, Daten nun gemeinsam im Rahmen einer ganzheitlichen und unternehmensweiten Betrachtung auszuwerten. Anschließend indexiert sie diese Daten durch die Kombination technischer Metadaten mit dem Kontext von Benutzer- oder Geschäftsanwendungen, Klassifizierungs-/Entity Rules und mit Rich-Content-Analysen, um eine dynamische Perspektive zu erzeugen. Außerdem lassen sich diese Daten durch ein Portfolio von Out-of-the-Box-Anwendungen mit flexiblen, umsetzungsfähigen Dashboard-Erfahrungen visualisieren, so Commvault weiter.

Folgende Analysen sollen sich zentral durchführen lassen:

  • Identifizierung von redundanten, veralteten und unbrauchbaren Daten, die das Unternehmen gespeichert hat,
  • Bewertung der Datennutzung: Selten abgerufene Datensätze lassen sich so auf kostengünstigeren Speicher und häufig abgerufene Datensätze auf Hochleistungsspeicher verschieben,
  • Identifizierung von kritischen, wertvollen oder sensiblen Daten. Dadurch sollen Risiken bei der Einhaltung des Datenschutzes sowie im Bereich Cybersecurity reduziert werden,
  • Identifizierung von Duplikationsmustern, um die richtigen Strategien zur besseren Kontrolle dieser Informationen zu ermitteln,
  • Identifizierung von Datenbesitz, um die Entscheidungsfindung im Bereich Data Governance zu verbessern, sowie
  • Bewertung von Daten, die noch nicht durch Commvault Complete geschützt sind, um die Entwicklung geeigneter Datenschutzstrategien zu unterstützen.

Darüber hinaus  konzentriert sich die Anwendung Sensitive Data Governance (SDG) im Active-Portfolio auf die Automatisierung von Compliance-Prozessen. SDG vereinfache die Bewertung und Bewältigung der Risiken bei der Verwaltung von sensiblen Daten und helfe beispielsweise bei:

  • Erkennung und Risikobewertung von sensiblen Daten über unstrukturierte Datenbestände hinweg,
  • Risikoprofilerstellung, um Risikominderungspläne bei Datenüberlastung zu priorisieren,
  • proaktiver Bereinigung unnötiger personenbezogener Daten direkt aus der Datenquelle und eventuell aus Sicherungskopien,
  • Überprüfungs- und Genehmigungsverfahren zur Unterstützung der gemeinsamen Entscheidungsfindung von IT und Geschäftseinheiten, und
  • automatisierter Korrektur von Maßnahmen, die von der betroffenen Person verlangt werden, mit vollständigen Audit-Trails zum Nachweis der Compliance.

Neben SDG plant Commvault noch weitere Anwendungen, die im Zusammenhang mit der Activate-Lösung ausgerollt werden sollen. Der Schwerpunkt wird hierbei auf der Optimierung der Datenspeicherung und eDiscovery liegen, so der Hersteller weiter.

Backup in der Cloud

Auch das Thema Backup in der Cloud erhält mit „Complete Backup and Recovery as a Service (B&RaaS)“ Einzug in das Portfolio des Backup-Spezialisten. „Der Markt für Back asa Service gewinnt langsam an Fahrt und die Services diesbezüglich nehmen zu“, erklärte Dünnweller. Das neue Angebot des Herstellers umfasst die drei neue Cloud-basierte Dienste Complete B&RaaS, Complete B&RaaS for Virtual Machines (VMs) und Complete B&RaaS for Native Cloud Applications.

Complete B&RaaS basiert auf Complete Backup and Recovery und bietet laut Hersteller Service-Optionen für die Datenverwaltung und das Backup von virtuellen Maschinen und Anwendungen auf Amazon Web Services (AWS) oder Microsoft Azure sowie native Cloud-Anwendungen, etwa Microsoft Office 365 und Salesforce.

Dank der globalen Cloud-Rechenzentrumsarchitektur erhalten Nutzer eine On-demand-Backend-Infrastruktur für Backup und Daten-Management, die sich automatisch konfigurieren und erweitern lässt. Die BaaS-Lösung umfasse zudem alle nötigen Funktionen, einschließlich Systemadministration, Remote Managed Services und Professional Services. Für Organisationen, die eine besonders schnelle Datenwiederherstellung benötigen, steht die Commvault-Hyperscale-Technik beziehungsweise Commvault IntelliSnap zur Verfügung.

Als Hauptmerkmale von B&RaaS nennt der Hersteller:

  • Cloud-basiertes Backup nach Bedarf,
  • verbrauchsbasierte Preismodelle oder befristete Abonnements sowie
  • Verfügbarkeit auf dem AWS Marketplace und weiteren Cloud-Plattformen.

Mit Complete B&RaaS für VMs und für native Cloud-Applikationen besteht außerdem die Möglichkeit, bei Bedarf spezifische, zielgerichtete As-a-Service-Lösungen einzusetzen. So bietet die VM-Variante die Möglichkeit, einen verbrauchsbasierten Service für ein modernes VM-Backup und Daten-Management auf AWS und Microsoft Azure in der Public Cloud zu erstellen. Anwender soll mit der Lösung ihre virtuelle Umgebung verwalten und optimieren können und dabei vom Backup und Recovery bis hin zu Auslastungsinformationen die volle Kontrolle über ihre virtuelle Infrastruktur erhalten, so der Hersteller weiter.

B&RaaS für native Cloud-Anwendungen umfasst Backup- und Wiederherstellungsdienste für Daten nativer Cloud-Anwendungen wie Microsoft Office 365 und Salesforce und bietet erweiterte Funktionen wie Langzeitarchivierung, Compliance und Archivierung.

Weitere Informationen stehen unter www.commvault.com zur Verfügung.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.