In London hat der HCI-Pionier (Hyper-Converged Infrastructure) Nutanix auf der hauseigenen Next-Konferenz nicht nur eine Reihe neuer Produkte vorgestellt, sondern auch sein Profil als Multi-Cloud-Automatisierer geschärft. HCI soll als softwarebasierende Plattform diese Multi-Cloud-Welt möglich machen.

Die Entwicklung in der IT-Branche ist laut Dheeraj Pandey, CEO und Gründer von Nutanix, eine Miniaturisierung von großen Dingen. Das verdeutlichte er in seiner Keynote auf der Nutanix-Hausmesse Next Europe 2018 in London vor den anwesenden 3.500 Teilnehmern. Dies zeige sich bei der Entwicklung des Personal Computers — vom großen Desktop-PC zum kleinen Wearable — aber auch im Bereich Enterprise Computing: Hier waren Mainframes der Ausgangspunkt, ehe es über Unix-Server, Intel-x86-Server, virtualisierten x86-Server zu Container hin bis zum jetzigen serverless Computing überging. „Wenn man etwas Großes verkleinert, macht man es unsichtbar“, erklärte Pandey. „Und wir haben Computing kleiner gemacht, weil es heutzutage überall sein muss. Container, Funktionen und Kommunikationsprotokolle müssen heute auf einem Server im Formfaktor eines Palms laufen — nur dann ist es ein modernes, zukunftsfähiges IoT-Gateway.“

Zerkleinerung des Cloud-Monolithen

Dheeraj Pandey, CEO und Gründer von Nutanix: „Die Cloud muss ein Betriebssystem sein, das überall verfügbar ist.“ Bild: Nutanix

Natürlich habe auch Nutanix mit der Zusammenführung von Storage, Compute und Networking in einer hyperkonvergenten Infrastruktur eine solche Miniaturisierung betrieben. Zuvor hat es sich, so der Nutanix-Gründer, bei den drei Bereichen um drei riesige Silos gehandelt, die spezielle Teams aufwendig betreuen mussten. „Mit HCI, also dem Betrieb von Storage, Compute und Networking mit purer Software auf Standard-Servern, haben wir diese Monolithen stark vereinfacht“, sagte Pandey weiter in seinem Vortrag.

Für den HCI-Pionier sind die Enterprise-Clouds, die Unternehmen derzeit verwenden, viel zu monolithisch aufgebaut, da sie riesige Rechenzentren benötigen und nur für ein Mietmodell ausgelegt sind. Für Pandey ist es daher nur logisch, diesen Cloud-Computing-Monolithen zu zerkleinern, um die Probleme, die die Cloud in Unternehmen verursacht, zu beheben, etwa das Einbehalten von gesetzlichen Anforderungen (EU-DSGVO) oder wenn Daten schneller als die verfügbare Bandbreite wachsen. „Die richtige Architektur, um diese Probleme anzugehen, besteht aus automatisierten Clouds, einem Netzwerk aus Clouds“, erklärte der Nutanix-Gründer. Schließlich könne es mitunter sinnvoller sein, die Computing-Einheit zu den Daten zu bringen und nicht umgekehrt.

Das Ziel von Nutanix sei es daher, diesen Cloud-Monolithen kleiner und somit unsichtbar zu machen. „Die Cloud muss ein Betriebssystem sein, das überall verfügbar ist“, unterstrich Pandey. Bereits auf der Next-Europe-Konferenz im vergangenen Jahr hat der HCI-Spezialist seine Software-Suite Enterprise Cloud OS vorgestellt, einem Betriebssystem für ein automatisiertes Multi-Cloud-Management (LANline berichtete).

Konvergente Clouds

„Wir haben mit hyperkonvergenten Infrastrukturen angefangen und bewegen uns nun in Richtung hyperkonvergenten Clouds, und damit vermeide ich explizit den verwaschenen Begriff Hybrid Cloud“, erklärte Sunil Potti, Chief Product & Development Officer bei Nutanix. Dabei beruft er sich auf die Logik von HCI, das Konvergieren von Infrastruktur durch Software, und bezieht es auf die Cloud. „Hybrid Cloud heißt heute, dass ich mit einer Management-Ebene verschiedene Cloud-Umgebungen provisionieren und orchestrieren kann“, erläuterte Potti weiter. Die größte Herausforderung einer Hybrid Cloud liege jedoch nicht in der Kontrollebene, sondern die Kontrollebene mit den Daten in den ganzen unterschiedlichen Cloud-Umgebungen — von der Public Cloud bis zum Edge — zusammenzubringen. Dazu sei es nötig, zunächst die eigene Infrastruktur zu modernisieren, um so eine „wahre“ private Cloud-Plattform für jegliche Art von Workloads zu schaffen, sodass man anschließend den Fokus auf Multi-Cloud-Services und der Verarbeitung von Daten legen kann.

Um diese Reise weiter voranzutreiben hat der HCI-Pionier sein Portfolio zuletzt um immer weitere Softwarelösungen ausgebaut. Dies hat jedoch dazu geführt, dass für Unternehmen nicht immer klar war, welche Lösung sich für die internen Herausforderungen unbedingt eignet. Aus diesem Grund hat der Softwareanbieter nun sein Portfolio in die drei Kategorien „Core“, „Essential“ und „Enterprise“ eingeteilt, um Organisationen punktueller auf ihrer Reise in die automatisierte Multi-Cloud abholen zu können.

Core umfasst die herstellereigenen HCI-Lösungen Acropolis, Prism und AHV, die Unternehmen dabei helfen sollen, das eigene Rechenzentrum zu modernisieren, und sich so Cloud-ähnlich verwalten lässt. Auf diesen Grundstock baut dann Essentials auf, das die Lösungen PrismPro, Calm, Flow und Files umschließt. Das Segment soll die Automatisierung und IT-Effizienz der unternehmenseigenen Infrastruktur zu verbessern, ehe es dann im dritten Segment, Enterprise, gipfelt. Diese Kategorie enthält die Lösungen Karbon, Era, Buckets, Volumes sowie die Xi Cloud Services die Xi-Cloud-Services Xi Leap, Xi Frame, Xi Beam, Xi Epoch und Xi IoT. Sie sollen es Unternehmen ermöglichen, hybride und Multi-Cloud-Implementierungen problemlos nutzen zu können.

Sunil Potti, Chief Product & Development Officer bei Nutanix:„Mit Xi Leap verfügen wir über einen Disaster-Recovery-Service, den AWS und Azure beispielsweise nicht bieten können.“ Bild: Nutanix

Im Mai 2018 hat Nutanix in der US-amerikanischen Variante der Next-Konferenz in New Orleans bereits die SaaS-Lösung Beam für Multi-Cloud-Governance, das PaaS-Angbot Era zur Automatisierung von Datenbanken und die SDN-Lösung (Software-Defined Networking) Flow vorgestellt. In London kamen nun bereits die ersten Funktionserweiterungen für die im Frühling gelaunchten Beam (jetzt Xi Beam) und Era sowie die generelle Verfügbarkeit der Xi-Cloud-Services hinzu.

Mit Era hat sich Nutanix laut Pandey das Ziel gesetzt, den alten Monolithen Datenbanken „unsichtbar zu machen“, da für die zahlreichen Aufgaben wie Klonen, Backups und Provisionierungen, etwa von Storage, Compute und Netzwerk, „Tonnen von Datenbank-Administratoren nötig sind.“ Era unterstützt mittlerweile Datenbank-Engines von Oracle, PostgreSQL, MariaDB und Microsoft SQL Server, sodass sich eine Datenbank-Provisionierung mit nur wenigen Mausklicks bereitstellen lässt. In naher Zukunft soll hier auch noch SAP HANA hinzukommen.

Im Mai hatte Nutanix außerdem angekündigt, künftig Time-Machine-Funktionen zusammen mit anwendungsspezifischen APIs zur Erstellung von Point-in-Time-Datenbankkopien in Era integrieren zu wollen. In London hat der Hersteller dies nun gezeigt. So ist es beispielsweise möglich, mit Era über das Dashboard einen Datenbank-Klon zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erstellen, etwa um eine Performance-Analyse durchzuführen.

Xi-Cloud-Services

Mit den Xi-Cloud-Services hat Nutanix in London die Verfügbarkeit einer Suite aus fünf Diensten bekannt gegeben, die es IT-Verantwortlichen erlauben soll, Applikationen auf der für sie optimalen Plattform auszuführen, ohne dabei durch technische Grenzen eingeschränkt zu sein. Der Softwareanbieter hat das Angebot entwickelt, um eine einheitlichere Schicht über unterschiedliche Cloud-Umgebungen zu schaffen. Xi Leap sei beispielsweise ein Cloud-nativer Dienst, der Applikationen und Daten in der Nutanix-Umgebung schnell und intelligent schützen soll, ohne dass ein separater Infrastruktur-Stack notwendig ist. Der Administrator wählt über Prism heraus aus, welche virtuellen Maschinen Leap schützen soll. Der Service repliziert die besagten VMs im Hintergrund, sodass sie sich bei Bedarf am Standort wiederherstellen lassen. „Mit Xi Leap verfügen wir über einen Disaster-Recovery-Service, den AWS und Azure beispielsweise nicht bieten können“, erläuterte Potti im Gespräch mit LANline.

Bei Xi-Frame handelt es sich um eine auf Cloud-Implementierungen ausgelegte „Desktop as a Service“-Plattform mit integrierter rollenbasierter Zugriffskontrolle.

Das bereits im Mai gestartete Xi Beam sei nun in der Lage, seine Fähigkeiten auch auf die Private Cloud auszuweiten. Unternehmen ist es nun möglich, eine Transparenz über die Kosten und Effizienz einer Applikation zu erhalten — unabhängig davon, ob sie On-Premises oder in der Public Cloud betrieben wird. Sollte der Betrieb der Applikation in der derzeitigen Umgebung im Vergleich zu teuer oder ineffizient sein, kann der Anwender diese per Klick einfach migrieren oder optimieren.

Mit Xi Epoch bietet Nutanix eine Beobachtungs- und Kontrolllösung für Multi-Cloud-Applikationen, die eine Google-Maps-ähnliche Ansicht bereitstellt, um Flaschenhälse bezüglich der Leistung sowie Probleme bei der Verfügbarkeit in beliebigen Cloud-Umgebungen festzustellen. Mit Xi IoT hat der Hersteller nun außerdem eine intelligente Edge-Computing-Plattform im Portfolio, die eine Echtzeit-Verarbeitung von Sensor- und Gerätedatenpipelines durchführt. Die intelligent gefilterten Daten kann der Anwender anschließend zurück auf die Cloud-Plattform seiner Wahl transferieren, etwa zur längerfristigen Entscheidungsfindung. So soll die Komplexität der Bereitstellung und Verwaltung von Standorten reduziert werden.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.