BCS-Studie: RZ-Branche wächst gegen makroökonomischen Trend

Alte Rechenzentren als Herausforderung

16. Januar 2023, 8:00 Uhr | Anna Molder
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Sowohl die Besorgnis über die jüngsten globalen Ereignisse als auch der Inflationsdruck auf Energie-, Material- und Arbeitskosten haben bislang keine negativen Auswirkungen auf das Wachstum der Rechenzentrumsbranche. Dies geht aus der jüngsten unabhängigen Studie von BCS, Beratungsunternehmen für Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber, hervor. Diese erfasst die Einschätzungen von mehr als 3.000 leitenden Rechenzentrumsexperten aus ganz Europa – darunter Eigentümer, Betreiber, Entwickler, Berater und Nutzer.

„Die wirtschaftlichen Aussichten für Europa sind nach wie vor ungewöhnlich unsicher, weil der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert und auch Potenzial für weitere wirtschaftliche Störungen besteht. Vor diesem Hintergrund sind die Studienteilnehmenden jedoch zuversichtlich und stimmen zu nahezu 100 Prozent darin überein, dass die Nachfrage in den kommenden zwölf Monaten entweder steigen oder gleich bleiben wird“, kommentiert Jim Hart, CEO von BCS.

85 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sie ihre Preise erhöhen müssen, um ihre Kosten angesichts des weiter steigender Inflationsdrucks zu decken. Dies lässt sich zum Teil auf die ungünstigen Entwicklungen auf dem Gasmarkt, das Risiko von Engpässen und die voraussichtlichen Auswirkungen auf die Energiekosten – insbesondere im Winter 2023/2024 – zurückführen. Nicht zuletzt deshalb erwarten 82 Prozent der Befragten, dass die Nachfrage nach energieeffizienten Rechenzentren in den nächsten drei Jahren steigt. Vor einem Jahr waren lediglich zwei Drittel der Studienteilnehmenden dieser Meinung.

Der Winter Report weist darauf hin, dass die herausfordernden Bedingungen Neuentwicklungen, die Nutzung alternativer Energiequellen und immer effizienterer Designs beschleunigt. Entsprechend erwarten mehr als vier Fünftel der Befragten, dass die Energieversorgung von Rechenzentren bis 2032 zu mindestens 90 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen wird.

Aktuell stellen alte Rechenzentren allerdings noch ein großes Problem dar, weil sie mit weitaus höheren PUE-Werten als ihre modernen Gegenstücke nach wie vor große Mengen an Energie verbrauchen. Daher erwägen zwei Drittel der Befragten die Nachrüstung bestehender Einrichtungen, um sie in die Lage zu versetzen, erneuerbare Energiequellen überhaupt oder besser zu nutzen und so die gesetzlichen Anforderungen zur Klimaneutralität zu erfüllen.

„Die Bestrebungen zur Nutzung erneuerbarer Energie entwickeln sich erfreulich, und der Sektor hat sich zu ehrgeizigen Zielen verpflichtet. Komplex sind die Herausforderungen bei über ganz Europa verteilten Rechenzentren, von denen etwa 60 Prozent älter als 18 Jahre sind, die allerdings nach wie vor unerlässlich sind, damit die Branche die Nachfrage befriedigen kann. BCS erzielte bei einer Reihe von Kunden im Rahmen der Erneuerung von Anlagen, die oft ihre wirtschaftliche Lebensdauer überschritten hatten, erhebliche Verbesserungen der Nachhaltigkeit. Wiederholte Erneuerung, Wiederverwendung und Auffrischung sind oft besser als Neubauten, um sicherzustellen, dass in die Jahre gekommene Rechenzentren nicht länger eine Belastung darstellen“, erläutert Hart weiter.

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