Auswahlkriterien bei der Stromversorgung

Augen auf bei der USV-Auswahl

19. April 2021, 07:00 Uhr   |  Thomas Hofbauer/jos

Augen auf bei der USV-Auswahl
© Bild: Vertiv

Neben Servern und Rechnern sollte man bei der USV-PLanung auch andere kritische Geräte berücksichtigen, die bei einem Stromausfall funktionieren müssen.

Was haben unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) und Autos gemeinsam? Was wie ein schlechter Scherz beginnt, hat durchaus einen ernsten Hintergrund. Denn beispielsweise steht ein Förster mit einem Sportcoupé im Wald so schnell vor Problemen wie ein Planer mit der falschen USV im Rechenzentrum. Doch worauf müssen Planer und Betreiber achten, um die optimale USV für ihr Einsatzszenario zu finden? Die folgenden Fragestellungen können bei der Entscheidung wertvolle Dienste leisten.

Der erste Schritt besteht darin, eine Bestandsaufnahme der Geräte zu machen, die es zu schützen gilt. Neben Servern und Rechnern sollte man auch andere kritische Geräte berücksichtigen, die bei einem Stromausfall funktionieren müssen. Dazu gehören beispielsweise Sicherheitsanlagen. Die Summe des Stromverbrauchs dieser Geräte ergibt die benötigte USV-Kapazität.

Überbrückungszeiten

Die zentrale Frage lautet nun: Wie lange muss die USV die zu schützenden Geräte gegebenenfalls überbrücken? In die Bestimmung der Standard-Schutzzeiten sollten mehrere Aspekte einfließen: Muss nur ein Notstromgenerator hochfahren, reichen meist fünf Minuten. Um Server sicher herunterzufahren, sind fünf bis zehn Minuten einzukalkulieren. Und soll die USV im Notfall sogar den Internetzugang absichern, sollte sie mindestens für ein bis zwei Stunden Strom liefern.
Aber Achtung: Je mehr Geräte von einer USV zu versorgen sind, desto kürzer ist ihre Laufzeit. Daher kann es fallweise sinnvoll sein, Geräte zu gruppieren und mehrere USV-Systeme parallel oder eine USV mit höherer Kapazität einzusetzen.

Die Zahl der Steckdosen

Jedes Gerät benötigt eine Steckdose. Was trivial klingt, ist es bisweilen jedoch nicht. Einige USV-Modelle bieten zusätzliche Steckdosen, die keinen Notstrom liefern. Sie dienen rein dem Überspannungsschutz und dürfen nicht mit in die Planung einer Notstromversorgung einbezogen sein. Eine Power Distribution Unit (PDU) kann zusätzliche Steckplätze schaffen. Die PDU ist jedoch auch selbst ein Verbraucher und daher in die Last der USV einzuplanen. Die komfortabelste Lösung stellt dabei ein modulares, skalierbares System dar. Nichts ist frustrierender als eine gut durchdachte USV-Lösung, die kurz nach der Implementierung schon nicht mehr passt, weil neue Verbraucher hinzukommen, für die es keinen Steckplatz mehr gibt, obwohl die Kapazitäten noch vorhanden wären.

Mit den bisherigen Auswahlkriterien lässt sich die Fülle der USV-Angebote gut eingrenzen. In einem letzten Schritt spielen nun die Rahmenbedingungen wie der verfügbare Platz eine Rolle. Tower-Modelle lassen sich beispielsweise direkt in ein Büro platzieren, um Geräte abzusichern. Modelle für die Rack-Montage variieren in der Höhe aufgrund der Menge an Steckplätzen, die sie bieten. Und Systeme mit mehreren Megawatt Leistung haben ihre ganz eigenen Platzansprüche. Es gilt also, den Platzbedarf der USV-Modelle zu beachten und ihn mit dem verfügbaren Platz am vorgesehenen Standort abzugleichen.

Die diskutierten Punkte liefern Planern und Betreibern eine gute Orientierung. Darüber hinaus gibt es weitere Aspekte, deren Beachtung wichtig sein kann. Diese sind zwar kein „Muss“, aber oft nützlich. Daher hier eine Übersicht: Fernüberwachung und -steuerung von USV-Systemen helfen an Edge-Standorten und Zweigstellen. Die zentrale IT hat so alle Systeme im Blick und kann über steuerbare Steckdosen beispielsweise abgestürzte Server neu starten. Lithium-Ionen-Batterien halten länger und sind kleiner als ihre Blei-Säure-Pendants. Ihr Einsatz schafft Kosteneffizienz und Platz im Rack. Im Eco-Modus prüft das System den eingehenden Strom. Bei gleichbleibender Qualität werden die nicht benötigten Umwandlungsprozesse der USV abgeschaltet. Wer diese Kriterien berücksichtigt, steht bestimmt nicht mit dem Sportwagen in schwierigem Gelände. Und falls doch noch Fragen offen sind, hilft ein lokaler Reseller sicher weiter.

Thomas Hofbauer ist Offering-Manager Rack PDUs EMEA bei Vertiv.

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