Colocation als Rechenzentrumsmodell

Bauen, kaufen, mieten

11. Februar 2020, 07:00 Uhr   |  Wolfgang Kaufmann

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Die Nachfrage nach Colocation-Flächen steigt weiter an. Dies erklärt zum Beispiel das Papier "ISG Provider Lens - Private/Hybrid Cloud - Data Center Solutions & Services Germany 2019". Besonders auffällig dabei ist, dass der Boom längst über den Ballungsknoten Frankfurt hinausgeht.

Das im Report dargestellte Wachstum unterstreicht nach Einschätzung von Experten das Marktpotenzial und den steigenden Wunsch von Unternehmen, ihre Rechenzentrumskapazität gewissermaßen vor der Haustür zu haben. Doch bedeutet dies alles, dass das Rechenzentrum der Zukunft Colocation ist? Es gibt durchaus einige Aspekte, die darauf hindeuten.

Der Boom eines Marktsegments

Inzwischen gibt es zahlreiche Colocation-Anbieter auf dem Markt, und die Anzahl an Colocation-Rechenzentren wächst weiter. Immer mehr Unternehmen wollen ihren Colocation-Partner in der Nähe haben. Bereits jetzt ist klar, dass dieser Bedarf in Zukunft einen noch höheren Stellenwert bekommen wird. Dafür verantwortlich sind etwa die neue BSI-Richtlinie zum Abstand von redundanten RZs sowie der Trend von Edge Computing, zunehmend auch für IoT-Anwendungen große Datenmengen mit Latenzzeiten unter fünf Millisekunden verarbeiten zu können. Diese Geschwindigkeit ist für ein entferntes Cloud-Rechenzentrum nahezu unmöglich zu erreichen.

Worauf es bei Colocation-Rechenzentren tatsächlich ankommt, zeigt der Report ISG Provider Lens anhand von fünf Kriterien. Auf dieser Basis haben die Autoren diverse Colocation-Anbieter bewertet:

die Option einer standardisierten RZ-Architektur für alle Colocation-Niederlassungen in der unmittelbaren Nachbarschaft von Ballungszentren, das Bereitstellen von Colocation-Hosting-Einrichtungen mit hochwertiger Datennetzwerktechnik, eine garantierte Leistungsdichte, ausgelegt für aktuelle und künftige Technik, die Bereitstellung von mindestens fünf physischen Sicherheitsschichten in den Räumlichkeiten und die Eignung der Colocation-Einrichtungen für branchentypische Zertifizierungen von Prüfgesellschaften (SSAE 16, HIPAA, ISO 14001, ISO 22301, PCI DSS, NIST, FISMA, SOC Typ I und II, EN50600 etc.)

Inzwischen ist Colocation nicht mehr nur für kleine und mittelständische Unternehmen interessant. Auch die zunehmende Nachfrage seitens Großunternehmen spricht dafür, dass Colocation mehr als ein temporärerer Trend ist. Doch für welche Unternehmen eignet sich Colocation? Und worauf gilt es bei der Entscheidung zu achten? Vier Faktoren spielen bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle.

Kostengünstig, abgesichert, skalierbar und mit hoher Leistung - diese Kriterien muss ein Rechenzentrum erfüllen, wenn es zukunftsweisend sein soll. Die größte Herausforderung bei den Kosten ist nicht die Inbetriebnahme neuer Kapazität oder Umrüstung, sondern die anfallenden Kosten im laufenden Betrieb. Denn Aufwendungen beispielsweise für Energieversorgung, Wartung oder Reinigung laufen oft unter dem Radar von Unternehmen, sind jedoch nicht zu unterschätzen. Colocation-Modelle bieten dagegen im besten Fall ein klar umrissenes Kostenpaket. Abhängig von der Sensibilität der Daten ist außerdem eine mehrfache Absicherung des Rechenzentrums notwendig. Dies beginnt bei einer physischen Absicherung in Form von Videoüberwachung und Security-Personal und geht bis zur Absicherung der Leitungen oder Maßnahmen zur Ausfallsicherheit. Besonders bei der Ausfallsicherheit haben Colocation-Anbieter meist gute Ansätze, um einen reibungslosen Datenaustausch zu ermöglichen.

Bei der Dynamik, mit der sich die Datenmenge ändert, ist eine zügige Skalierbarkeit der Rechenzentrumskapazität unabdingbar. Denn sowohl zu großzügig geplante Rechenzentren sind aus Kostengründen geschäftskritisch - wie auch der umgekehrte Fall mit zu geringem Puffer, denn eine Nachrüstung bedeutet nicht nur finanzielle Investitionen, sondern oft auch ein Ausfallrisiko für den laufenden Betrieb. Mit einem Colocation-Rechenzentrum in modularer Bauweise lässt sich dieses Risiko minimieren, da dann auch eine Skalierung während des laufenden Betriebs möglich ist. Dennoch ist eine fundierte Planung bei der Entscheidungsfindung notwendig, die die Dynamik der Digitalisierung berücksichtigt.

Letztlich ist auch die Leistung eines RZs ausschlaggebend. Denn es bringt nichts, Kapazität verfügbar zu haben, diese jedoch nicht vollständig abrufen zu können, es zu hohen Latenzzeiten kommt oder keine Ausfallsicherheit gegeben ist.

Mieten oder bauen

Grundsätzlich sollten Unternehmen darauf achten, dass folgende Voraussetzungen in einem Colocation-Rechenzentrum gegeben sind:

georedundante, kantendisjunkte und Carrier-neutrale Netzzuführungen, durchgängige Stromredundanz, Klimaredundanz nach n+1-Logik, Zwei-Faktor-Authentifizierung, Sicherheitsdienst 24/7 an 365 Tagen vor Ort und EN-50600-Zertifizierung.

Wolfgang Kaufmann ist Geschäftsführer von Datacenter One, www.dc1.com.

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