Vorteile eines Verbundrechenzentrums

Drei plus drei macht manchmal vier

11. Juni 2021, 07:00 Uhr   |  Christian Würth/jos

Drei plus drei macht manchmal vier
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Rechenzentrumsanbieter können für den Verbundbetrieb von zwei Standorten der TÜV-Stufe 3 eine Zertifizierung für Stufe 4 erhalten. Dies hat Vorteile für die Betreiber und die Unternehmen, die ihre Services nutzen, bringt aber auch bestimmte Anforderungen mit sich. Ein Blick auf die Details lohnt sich.

Strom- und Anbindungsverfügbarkeit sowie Sicherheit sind völlig zu Recht zentrale Kriterien bei der Auswahl eines Rechenzentrums. Die vierstufige Zertifizierung durch den TÜV ist dabei eines der Gütesiegel, die Unternehmen die Auswahl eines Standortes erleichtern sollen. Rechenzentren der Stufe 3 sind „hochverfügbar“, das heißt, ihre Zielverfügbarkeit liegt bei 99,99 Prozent pro Jahr. Die Services dürfen nur eine knappe Stunde ausfallen. Rechenzentren der Stufe 4 sind „höchstverfügbar“, ihre Zielverfügbarkeit beträgt 99,999 Prozent pro Jahr, was einem maximalen Ausfall von etwa 5,25 Minuten entspricht. Dieser Unterschied macht sich im Hinblick auf den Betrieb kritischer Infrastrukturen durchaus bemerkbar.

Die Experten des TÜVs betrachten das Thema Sicherheit umfassend. Ihre Kriterien reichen von der Gebäudesicherheit über die Brandfrühsterkennung und Löschanlage bis zur Klimatisierung, der Stromversorgung und den Anschlüssen an moderne Glasfasernetzwerke. Zur Gebäudesicherheit gehören die Aspekte Zutrittsschutz, Einbruchmeldeanlage, Videoüberwachung und Wachdienst. Im Bereich der Klimatisierung sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Leckagen überwacht. Die Bewertung der Stromversorgung umfasst die Aspekte Trafostation, USV- und Batterieanlagen, Notstromversorgung, Überspannungsschutz und Effizienzmessungen.
Darüber hinaus untersuchen die Prüfer im Rahmen der Zertifizierung eines Rechenzentrums auch die organisatorischen Maßnahmen rund um die Betriebsführung, die Notfallplanung und das Wartungs-Management. Dabei achten sie auf alle Prozesse rund um das Management. Die Normen ISO 9001 Qualität, ISO 27001 Informationssicherheit und ISO 50001 Energie-Management sind ebenso ein wichtiger Bezugsrahmen.

Ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit und für hohe Zertifizierungen ist grundsätzlich die Redundanz. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unterscheidet dabei zwei Varianten, die Rechenzentren in einem Verbund aufweisen können: Betriebsredundanz und Georedundanz. Betriebsredundanz bedeutet, dass ein Rechenzentrum die Betriebsaufgaben eines anderen Standorts in ausreichendem Umfang übernehmen kann, wenn dessen Funktion beeinträchtigt ist.

Standortrisiken und Redundanz

Neben der der Sicherheit des Gebäudes selbst spielt auch die Wahl des Standorts eine tragende Rolle und macht unter Umständen gesonderte Planung zur Absicherung erforderlich. Zu den Standortrisiken gehören beispielsweise die Nähe zu Industrieanlagen, wo man mit Gefahrstoffen arbeitet (Kernkraftwerke, Raffinerien, Munition), ein möglicherweise zu geringer Abstand zu Straßen und Schienen, auf denen uneingeschränkt Gefahrguttransporte fahren dürfen, sowie die Nähe zu Luftverkehrsrouten. Ebenso sind Naturgewalten zu berücksichtigen, etwa Erdbeben, Hochwasser, Windeinwirkung auf das Gebäude oder Waldbrände.

Schließlich gibt es immer wieder unvorhersehbare Ereignisse wie Großbrände, Demonstrationen, Blindgängerfunde etc. Um auch in solchen Ausnahmesituationen durchweg die Passierbarkeit zum Rechenzentrum zu gewährleisten, sollten Zufahrten stets redundant ausgelegt sein. Um beispielsweise indirekte Folgen wie massive Störungen des Straßenverkehrs abzufedern, sollte der Abstand betriebsredundanter Rechenzentren bei zehn bis 15 Kilometern Luftlinie liegen. Georedundanz bedeutet, dass zwei Rechenzentren so weit voneinander entfernt sind, dass selbst ein Großschadensereignis den Betrieb nicht gleichzeitig oder zeitnah an beiden Standorten beeinträchtigen kann. Das BSI empfiehlt dafür eine Entfernung von 200 Kilometern Luftlinie. Um Standortrisiken bestmöglich entgegenzuwirken, bietet sich die Nutzung eines Verbundrechenzentrums an. Dabei sind zwei Rechenzentren Carrier-neutral und mit redundanten, autarken Internetanbindungen vernetzt.

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