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Know-how für RZ-Planer und Systemhäuser

Eigenes Forschungs-Rechenzentrum

09. Dezember 2020, 07:00 Uhr   |  Falko Kuplent/jos

Eigenes Forschungs-Rechenzentrum
© Bild: DTM Group

Der PUE-Wert der Anlage liegt unter Berücksichtigung der IT-Last inklusive Stromaufnahme der drehzahlgeregelten Lüfter der Server auf voller Drehzahl bei 1,043. Hier ein Blick in den Kaltgang.

Viele RZ-Planer und Systemhäuser müssen sich wichtigen Markttrends wie Edge Computing oder IoT anpassen und entsprechende Lösungen im Portfolio haben. Sie stehen deshalb vor der Herausforderung, neue Ideen und Techniken auf ihre Praxistauglichkeit zu testen und weiterzuentwickeln, bevor sich diese beim Kunden produktiv einsetzen lassen. Dabei hilft ein Forschungs-RZ.

Häufig ist eine Vorabuntersuchung allerdings schwierig umzusetzen und gelingt nur mit der Bereitschaft des Betreibers, einen Teil seiner Infrastruktur im Vorfeld für Praxistests zur Verfügung zu stellen. Eine alternative Möglichkeit, die Mittelständler jedoch bisher aufgrund der hohen Investitionskosten eher selten nutzen, ist der Aufbau eines eigenen Rechenzentrums zu Forschungszwecken. Das Beispiel der DTM Group zeigt, welche Vorteile ein solches Projekt für Kunden und Unternehmen haben kann und welche Refinanzierungsmöglichkeiten sich anbieten.

Standortwahl

Da besonders in den Bereichen HPC (High Performance Computing) und KI-gestützte DCIM-Lösungen großer Forschungsbedarf besteht, begann die DTM Group im Jahr 2018, sich nach einem geeigneten Standort für ein eigenes Forschungsrechenzentrum umzusehen. 2019 war es dann soweit: Der in Meckenbeuren ansässige Dienstleister für Rechenzentrumsplanung und -erstellung investierte in den Bau eines Forschungsrechenzentrums in der schwedischen Stadt Boden. Für den Standort sprach das kühle Klima, die hohe Verfügbarkeit von regenerativer Energie zu vernünftigen Preisen, DSGVO-konforme Datenschutzbestimmungen sowie die kooperativen Behörden vor Ort. Die Bau-phase des Rechenzentrums beanspruchte durch die günstigen Voraussetzungen lediglich ein Zeitfenster von etwa fünf Wochen.

Autonomer Betrieb

Das Rechenzentrum befindet sich in einem ehemaligen Helikopterhangar und verfügt über eine Fläche von 1.500 Quadratmetern. In der ersten Ausbauphase stehen dort 28 Racks, die auf eine Höhe von drei Metern erweitert sind. Pro Rack sind in der Regel Leistungen von 40 kW installiert, in einigen Teststellungen auch 50 kW. Insgesamt ergibt sich so eine Leistung von 1,1 MW. Die installierten Kaltgang-Einhausungen haben eine Gangbreite von 4,52 Metern und ermöglichen so einen besonders hohen Luftdurchsatz, der für die zu kühlende Leistung von 1,1 MW erforderlich ist.

Der Betrieb erfolgt vollständig autonom. Die Überwachung ist über eine KI-gestützte DCIM-Software realisiert, die die DTM Group in Zusammenarbeit mit deutschen und schwedischen Forschungseinrichtungen selbst entwickelt hat.
Die Anlage arbeitet ganzjährig ausschließlich mit direkter Freikühlung. Dazu hat die DTM Group zusammen mit einem Partner eine spezielle Airbox konstruiert, die die Außenluft mit zahlreichen Sensoren analysiert, filtert und aufbereitet. Über ein Klappensystem gelangt die Luft schließlich mit der gewünschten Temperatur in die Kaltgang-Einhausungen. Eine dezentrale Ventilation im Bereich der Racks sorgt zudem für einen homogenen Luftfluss. Auf diese Weise lassen sich alle Systeme ganzjährig komplett ohne Einsatz von Kompressionskälte zuverlässig und konstant kühlen.

Bereits Ende 2020 soll ein zweiter Bauabschnitt mit einem weiteren MW an Kapazität in Betrieb gehen. Der dritte Bauabschnitt ist für 2021 geplant. Dieser soll als separate Sicherheitszelle ausgeführt sein und als Business-Rechenzentrum mit Verfügbarkeitsklasse 3 für Kundenapplikationen zur Verfügung stehen.

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1. Eigenes Forschungs-Rechenzentrum
2. Energieeffizienz
3. Entwicklung und Erprobung neuer HPC-Lösungen
4. Fazit: Demonstration von Kompetenz

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