Praxis: Schutz vor Rechenzentrumsausfällen

Mobiles Fallback-RZ im Frachtcontainer

19. August 2021, 07:00 Uhr   |  Doris Piepenbrink/jos

Mobiles Fallback-RZ im Frachtcontainer
© Legrand Systems

Modulare Lösungen im Container können mit dem primären Rechenzentrum mitwachsen.

Business Continuity und Disaster Recovery sind zentrale Aspekte für Rechenzentrumsbetreiber. Deshalb nutzen viele von ihnen ein zusätzliches Fallback-Rechenzentrum, das synchron zum ersten läuft. Modulare Lösungen im Container können mit dem primären Rechenzentrum mitwachsen. Zudem bieten sie den nicht zu unterschätzenden Vorteil der Mobilität.

Fallbeispiele können durchaus lehrreich sein: Ein niederländischer Hersteller von Medizinprodukten suchte nach einem Fallback-Rechenzentrum, das höchstens dreihundert Meter vom primären entfernt stehen sollte. Zudem sollte es mobil ausgeführt sein, um das Rechenzentrum eines zweiten, etwa 30 Kilometer entfernten Firmen-standorts mit absichern zu können. Falls es dort etwa durch einen Brand zu einem Totalausfall der IT kommen sollte, könnte das mobile Rechenzentrum schnellstmöglich dorthin transportiert und in Betrieb genommen werden.

Modular und vollausgestattet

Auf die Idee mit dem mobilen Fallback-RZ kam das Unternehmen über eine nahegelegene Schule. Dort hatte man nach einem Brand auf dem Dach des Übergangsstandorts der Schule ein mobiles Rechenzentrum in einem Frachtcontainer eingerichtet. Dieser Container gehörte zum Typ EMDC oder ausführlich „Engie Mobile Data Center – powered by Legrand“. Solche vollausgestatteten Rechenzentren des niederländischen Energiekonzerns Engie, der auch Rechenzentren plant und ausstattet, entstanden zusammen mit den Rechenzentrumsexperten von Legrand. Die vorgefertigten mobilen Rechenzentren enthalten Kühllösungen von Engie Refrigeration sowie energieeffiziente Rechenzentrumslösungen von Legrand. Dazu zählen die USV, die Netzwerkschränke mit Einhausungen, Stromschienen und intelligente PDUs zur Energieverteilung, die IT-Verkabelung mit den Kabeltrage- und Kabel-Management-Systemen sowie KVM-over-IP-Switches für die Fernwartung.

Auch der Medizinproduktehersteller nutzt heute ein vollausgestattetes EMDC-Rechenzentrum, das in einem 8 x 3 Meter großen Frachtcontainer untergebracht ist. Es läuft mit dem primären, zweihundert Meter entfernten Rechenzentrum synchron. Ausschlaggebend für die Wahl des EMDCs waren die konzeptionelle Lösung und das günstige Instandhaltungsszenario für einen Zeitraum von fünf Jahren, kombiniert mit dem Kaufpreis und dem Fokus auf Green IT.

Kühlung hauptsächlich über die Außenluft

Der Container besitzt keine Klimaanlage, sondern nur eine modulare Kühllösung, die sich bei Bedarf zuschaltet. Denn an zweihundert Tagen im Jahr hat die Außenluft in den Niederlanden eine niedrigere Temperatur, als das Rechenzentrum benötigt. Dies ermöglicht erheblichen Energieeinsparungen. Ergänzend dazu sorgt eine modulare Kühllösung von Engie für gute Verfügbarkeit und Skalierbarkeit.

Das System hebt dabei die Kühlkapazität automatisch an, wenn die IT zusätzliche Kapazitäten benötigt. Daher sind Kühlkapazitäten nicht unnötig im Einsatz.
Zurück zur Praxis: Das Unternehmen hat den Katastrophenfall geprobt und den Container zum zweiten Standort transportiert. Der Container war in weniger als vier Stunden vor Ort einsatzbereit. So sichert dieses Fallback-Rechenzentrum nicht nur das primäre Rechenzentrum ab, sondern im Katastrophenfall auch ein weiteres in der Umgebung.

Container eröffnen neue Möglichkeiten

Ein EMDC eignet sich nicht nur als Fallback- und Interimslösung im Katastrophenfall. Es kann auch bei Renovierungsarbeiten eingesetzt werden, liefert kurzfristig zusätzliche Kapazitäten bei Engpässen, kann als Edge-Rechenzentrum dienen oder dazu, datenschutzrelevante Informationen aus einer Cloud-Umgebung herauszuhalten. Die Rechenzentren im Container sind über Engie sowie den Schrankhersteller Minkels, einem Unternehmen des Legrand-Konzerns, erhältlich.

Dipl.-Ing. Doris Piepenbrink ist freie Journalistin in München.

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