Verschärfte F-Gase-Verordnung

Prior1: Für Rechenzentren kein Problem

29. Juli 2022, 11:45 Uhr | Anna Molder
Phase Down
© Prior1

Anfang April hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Novellierung der „Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über fluorierte Treibhausgase“ (EU-F-Gase-Verordnung) vorgelegt. Martin Weber, Beratung Rechenzentrum bei Prior1, nimmt nachfolgend Stellung dazu.

Die Überarbeitung verfolgt mehrere Ziele, unter anderem eine zusätzliche Verringerung der F-Gas-Emissionen und Verschärfung des Phase-Downs ab 2024, um dazu beizutragen, dass die EU-Ziele - Emissionsminderung um 55 Prozent bis 2030 und die Netto-Klimaneutralität bis 2050 – zu erreichen sind. Darüber hinaus will man eine bessere Durchführung und Durchsetzung im Hinblick auf illegalen Handel sowie ein funktionierendes Quotensystem ermöglichen und dem Ausbildungsbedarf bezüglich F-Gas-Alternativen gerecht werden. Weitere Ziele sind die Verbesserung der Überwachung und Berichterstattung, um bestehende Lücken zu schließen und die Qualität der Verfahren und Daten für die Einhaltung der Vorschriften zu steigern sowie eine vollständige Anpassung der Verordnung an das Kigali-Protokoll.

Zugegeben, der Vorschlag ist ambitioniert: Das Quotensystem (Phase-Down) für teilfluorierte Kohlenwasserstoffe würde bereits ab dem Jahr 2024 noch einmal deutlich verschärft, wodurch die potenziellen Klimaauswirkungen neuer HFKW, die auf den EU-Markt gelangen, zwischen 2015 und 2030 um 95 Prozent verringert wären. Unterschiedliche Seiten haben die Novellierung - in erster Linie der verschärfte Phase-Down - bereits kommentiert, teilweise mehr als kritisch. Für die Rechenzentrumsbranche aber ist aus Prior1-Sicht klar: Die durch die EU-Kommission vorgeschlagenen neuen Regeln sind realistisch und umsetzbar.

2,5 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in der EU entfallen auf F-Gase. Zwischen 1990 und 2014 haben sich die F-Gas-Emissionen verdoppelt. Erst mit dem Geltungsbeginn der derzeitigen F-Gase-Verordnung der EU im Jahr 2014 gingen die Emissionen zurück – bis 2019 um sechs Prozent. Es ist wohl unbestritten, dass man die Emissionen von Treibhausgasen im Sinne des Klimaschutzes so schnell wie möglich weiter reduzieren muss. Der Klimawandel erlaubt keinen Aufschub. Die klimafreundlichen Alternativen sind für unsere Branche vorhanden, die Techniken ausreichend entwickelt. Es macht keinen Sinn, weiterhin auf Lösungen zu setzen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in wenigen Jahren verboten sind. Ökologisch und ökonomisch sinnvoller ist es, möglichst rasch auf naturidente Kältemittel, wie zum Beispiel Propangas, umzusteigen.

Rechenzentren sind viele Jahre lang in Gebrauch. Unternehmen, die Rechenzentren bauen lassen, sollten sich darauf verlassen können, dass sie nicht bereits nach wenigen Jahren die Kältetechnik umrüsten müssen. Sie erwarten, dass ihr Rechenzentrum zukunftsfähig geplant und gebaut ist. Die Wahl des richtigen Kältemittels ist aus dieser Perspektive nicht nur eine Frage des Klima-, sondern auch des Investitionsschutzes. Naturidente Kältemittel haben niedrige GWP-Werte und unterliegen, im Unterschied zu synthetischen Kältemitteln, keinerlei (zukünftigen) Beschränkungen. Sie stellen also eine langfristige Lösung für die Betreiber von Rechenzentren dar. Einzig in der Planung und Umsetzung muss man, nach einer sorgfältigen Auslegung der Systeme, Sicherheitsnormen einhalten, was für ausgebildete Fachkräfte keine besondere Herausforderung darstellt.

Rechenzentren mit naturidenten Kältemitteln zu kühlen, erfordert zwar in der Planung und Umsetzung etwas mehr Aufwand, umgelegt auf die übliche Laufzeit eines Rechenzentrums von 15 bis 20 Jahren fallen diese Mehrkosten aber nicht ins Gewicht. Außerdem sind die Kosten für die Kältemittel selbst äußerst gering. Geschultes Personal weiß, mit den Herausforderungen dieser Kältemittel umzugehen und einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. Tritt eine überarbeitete und verschärfte Verordnung in Kraft, steigt auch die Zahl der Zertifizierungs- und Ausbildungsprogramme.

Darüber hinaus würden die neuen Regelungen den Zoll- und Überwachungsbehörden die Kontrolle der Ein- und Ausfuhren der Kältemittel erleichtern und ein gezielteres Vorgehen gegen den Handel mit illegalen F-Gasen ermöglichen.

Durch die zunehmende Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft steigt die Nachfrage nach Rechenleistung in der Nähe der Anwender kontinuierlich. Das heißt, eine deutliche höhere Zahl an (Edge-) Rechenzentren ist für die smarte Wirtschaft und Gesellschaft nötig. Diese Rechenzentren sollten so klima- und umweltfreundlich wie möglich geplant sein. Die Kältetechnik spielt dabei eine wesentliche Rolle.

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