Tech Day der LANline zur RZ-Kühlung

Richtig kühlen

03. September 2021, 07:00 Uhr   |  Dr. Jörg Schröper

Richtig kühlen
© IBM

Wie ein gutes Konzept für das Zusammenspiel von Cloud-, Colocation und eigenem Rechenzentrum aussehen kann, erklärte Jürgen Strate, Direktor Sales & Strategic Business Development, Site and Facilities Services bei IBM Deutschland.

Ein Rechenzentrum wandelt in großem Stil elektrischen Strom in Wärme um. Diesen Verlust möglichst gering zu halten und die Energie optimal für die Rechenkapazität zu nutzen, ist eine wichtige ökonomische, technische und im Zeitalter von allgegenwärtiger Digitalisierung und Klimawandel sogar eine gesellschaftspolitische Herausforderung mit vielen Facetten.

Beim ersten virtuellen „Tech Day“ der LANline im Juli stand das Thema RZ-Kühlung im Vordergrund. Bekanntlich ist dies der Teil der Datacenter-Infrastruktur, der am stärksten zum Energieverbrauch beiträgt und sich damit direkt als signifikanter Posten in jeder Betreiberrechnung niederschlägt. Rechenzentren energieeffizient zu betreiben und sie sowohl ökonomisch als auch ökologisch zu optimieren, heißt daher in erster Linie, die individuell optimale Kühlung zu finden.

Hilfestellung dabei, zunächst einmal das passende Konzept für das Zusammenspiel von Cloud-, Colocation und eigenem Rechenzentrum zu finden, konnte Jürgen Strate, Direktor Sales & Strategic Business Development, Site and Facilities Services bei IBM Deutschland und erfahrener RZ-Fachmann, in seinem Keynote-Vortrag leisten. Die Planung, der Bau, das Management und der Betrieb moderner Rechenzentren müssen heute mit adäquaten Konzepten und den passenden Werkzeugen erfolgen, wie Strate betonte. In die Strategie gehören jedoch auch Überlegungen zum Zusammenspiel mit hybriden Cloud-Strukturen. Laut Strate kann zeitgemäße Technik – beispielsweise in Form künstlicher Intelligenz – dabei helfen, die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz ebenso zu erfüllen wie normative und nicht zuletzt ökonomische Vorgaben. Die sich daraus ergebenden Hybrid-IT-Lösungsszenarien führen zu einer vernünftigen Roadmap-Planung und zu einer praxistauglichen Definition der Folgeaktivitäten. Bemerkenswert dieses Statement Strates dazu: „Es ist durchaus möglich, dass auch ein eigenes Rechenzentrum sich als optimale Lösung herausstellt.“

Offensichtlich gibt es innerhalb der RZ-Community ein ausgeprägtes Bewusstsein für diese Thematik, denn am LANline Tech Day nahmen insgesamt rund 170 Online-Besucher teil – als Zuhörer bei den Vorträgen, aber ebenso aktiv bei den anschließenden Diskussionen und in einer besonderen virtuellen Gesprächsrunde für alle per Video oder Telefon.

Welche Kühltechnik – und daraus abgeleitet, welche Geräteform – sich für ein bestimmtes RZ-Szenario am besten eignet, verdeutlichten Philipp Müller, Leiter Global Data Center Projects, und Michael Nicolai, Leiter Vertrieb IT Deutschland bei Rittal, in ihrem Online-Vortrag „Erfrischende Ideen für Ihr Rechenzentrum“. Mit der richtigen Größenauswahl der Kühlgeräte für den jeweiligen Einsatzzweck gelangt man schon sehr dicht an das individuelle Optimum, wie die beiden Rittal-Fachmänner eindrucksvoll vorrechnen konnten.

verschiedene Kühltechniken
© Rittal

Philipp Müller, Leiter Global Data Center Projects, und Michael Nicolai, Leiter Vertrieb IT Deutschland bei Rittal, gingen in ihrem Vortrag unter anderem auf verschiedene Kühltechniken ein.

Zu den wichtigen Faktoren zählt außerdem zum Beispiel auch das passende Kühlmittel. Das Stichwort lautet F-Gas-Verordnung. Neben Kriterien wie der Klimaschädlichkeit kommt es hier unter anderem auch auf die Brennbarkeit oder Giftigkeit an.

Worauf in der Umsetzung solcher Projekte unter Praxisaspekten besonders zu achten hat, erklärten im dritten Vortrag des Tages Heiko Ebermann, Senior Program Manager Infrastructure Solutions, und Sascha Horn, Sales Engineer Thermal Management, beide von Vertiv. Unter anderem bei den immer mehr eingesetzten Edge-Anwendungen gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Kühllösungen, die der Herausforderung durch sehr unterschiedliche Randbedingungen gerecht werden müssen. Neben Anwendungsbeispiele bot der Vortrag auch einen Ausblick auf die Zukunft mit einer Kombination aus flüssigkeitsgekühlten Servern und Luftkühlung.

Die abschließende Podiumsdiskussion („Rechenzentren in der Zwickmühle zwischen Leistungsanforderungen und Ressourceneinsparung – Was RZ-Kühlung als Beitrag leisten kann, ökonomische und ökologische Aspekte zu vereinen“), an der neben allen Sprechern des Tages auch Thomas Wawra (DC Academy) teilnahm, griff unter anderem noch einmal die Frage auf, wie gut die Branche für die kommenden Aufgaben gerüstet ist. Technisch sei man auf Höhe der Zeit, so die einhellige Meinung. Freikühlung – auch bei hohen Außentemperaturen – und Abwärmenutzung bieten zum Beispiel noch viel Potenzial. Auch wenn der Begriff derzeit etwas verpönt ist, sei allerdings durchaus mehr Lobbyarbeit der RZ-Branche sinnvoll. Ebenso sinnvoll – und auch da war man sich einig – ist die technische Weiterbildung und Wissensvermittlung auf Seiten der Anwender, also derjenigen, die schlussendlich alle Verantwortung tragen.

Die LANline-Veranstaltungsreihe Tech Days findet ab dem 9. September (Thema: RZ-Stromversorgung) auch weiter virtuell statt. Am 7. Oktober ist ein Tech Day zum Thema Single Pair Ethernet geplant. Daneben stehen mit dem Datacenter Symposium und dem Tech Forum zur Verkabelung ab dem 23. September auch wieder Präsenzveranstaltungen auf der Agenda.

Alle Informationen dazu gibt es auf lanline.de/events. Eine Registrierung ist bereits möglich und für Leserinnen und Leser kostenlos.

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