Blitz- und Überspannungsschutz

Schäden und Ausfälle verhindern

15. Juli 2022, 7:00 Uhr | Andreas Fink/am
Planung von Blitz- und Überspannungsschutz für Rechenzentren.
Bild 1. Planung von Blitz- und Überspannungsschutz für Rechenzentren.
© Dehn

Rechenzentren sind Eckpfeiler unseres Alltags und Grundlage der Digitalisierung. Mit ihrer wachsenden Bedeutung gewinnt auch der Schutz der dazugehörigen Infrastruktur an Relevanz, um den Datenfluss sicherzustellen. Gefahren durch Blitz- und Überspannungseinwirkungen sind signifikante und oft übersehene Risiken.

Fehlende Vorkehrungen im Bereich Blitz- und Überspannschutz können zu weitreichenden Folgen wie Bränden, Ausfallzeiten wichtiger Systeme bis hin zum Verlust von Daten führen. Ein leistungsstarker Blitz- und Überspannungsschutz ist daher ein essenzieller Baustein im Sicherheitskonzept von Rechenzentren. Er minimiert Risiken, sorgt für einen konstanten Datenfluss, verhindert kostspielige Schäden oder sogar Ausfallzeiten an kritischen Systemen. Zudem sind Schutzvorkehrungen gesetzlich, normativ oder im Rahmen einer Zertifizierung gefordert. Denn Rechenzentren sind weit mehr als nur Gebäude: Sie bestehen aus einer Vielzahl von elektrischen und miteinander verbundenen Systemen, die alle darauf ausgelegt sind, den Informationsfluss aufrechtzuerhalten, indem sie online und jederzeit verfügbar sind. Funktionsfähigkeit und ein reibungsloses Zusammenspiel aller Systeme und Komponenten sind für den ungestörten Betrieb entscheidend.

Risikobewertung

Ein vorausschauendes Risiko-Management liefert die Entscheidungsgrundlage, um vorhandene Risiken zu begrenzen. Ziel der Bewertung ist es, das Risiko für bauliche Anlagen und deren Inhalte durch direkte und indirekte Blitzeinschläge zu objektivieren und zu quantifizieren. Die in der DIN EN 62305-2 vorgegebene Risikoanalyse stellt dabei sicher, dass sich ein für alle Beteiligten nachvollziehbares Blitzschutzkonzept erstellen lassen kann. Dies ist technisch und wirtschaftlich optimiert, sodass man mit überschaubarem Aufwand den bestmöglichen Schutz erreicht.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) orientiert sich an den Vorgaben der VDS 2010 und fordert für Rechenzentren mit erhöhtem Verfügbarkeitsbedarf die Blitzschutzklasse I (LPL I: Lightning Protection Level I) nach Blitzschutznorm DIN EN 62305. Weicht man davon ab und führt stattdessen eine Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2 durch, so ist dennoch mindestens LPL II zu realisieren – auch wenn das Ergebnis der Risikoanalyse eine niederwertigere Blitzschutzklasse als LPL II ergibt.

Normative Anforderung

Die EN 50600 (in Deutschland: DIN EN 50600) „Informationstechnik – Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren“ ist die erste europaweite Norm, die sich mit einem ganzheitlichen Ansatz und umfassenden Vorgaben für die Planung, den Bau und den Betrieb eines Rechenzentrums befasst. Im Teil 2-2 der Norm DIN EN 50600 „Stromversorgung und Stromverteilung“ von Rechenzentrumseinrichtungen und -infrastruktur“ sind Maßnahmen zum Blitzschutz gefordert. Konkret nimmt dieser Teil dabei Bezug auf die komplette Normenreihe DIN EN 62305 „Blitzschutz“, die folgende Teile umfasst:

  • DIN EN 62305-1: Allgemeine Grund­sätze,
  • DIN EN 62305-2: Risiko-Management,
  • DIN EN 62305-3: Schutz von baulichen Anlagen und Systemen sowie
  • DIN EN 62305-4: Elektrische und elektronische Systeme in baulichen Anlagen (Wirkung von LEMP).

Im Rahmen der Planung sind gesetzliche Vorgaben, normative Forderungen sowie eventuell notwendige Zertifizierungen zu beachten. Kernelemente eines ganzheitlichen Schutzkonzepts sind:

  • Ringerder und Erdungssystem,
  • äußerer Blitzschutz,
  • Gebäudeschirmung und Potenzialausgleich sowie
  • Überspannungsschutz.

Die zur Planung und Umsetzung von Blitz- und Überspannungsschutzmaßnahmen in Rechenzentren wichtigsten Normen zeigt Bild 1.

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  1. Schäden und Ausfälle verhindern
  2. Erdung und äußerer Blitzschutz
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