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Architektur für moderne Umgebungen

SD-WAN trifft Campusnetz

10. November 2020, 06:00 Uhr   |  Manuel Finken/wg


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Ausblick: Roll-out

Bei der Planung des eigenen Campusnetzwerks haben Unternehmen meist sehr konkrete Vorstellungen. Man will meist ein Campusnetzwerk auch mit Standorten im Ausland errichten. Dabei soll ein Teil des Traffics einerseits direkt ins Headquarter des Ziellandes fließen, während man lokalen Datenverkehr zu Cloud-Services und Anwendungen regional vor Ort verteilt. Dies senkt in der Regel die Routing-Kosten, weil nur der wirklich notwendige Traffic die internationalen WANs erreicht. Der lokale Traffic hingegen bleibt im Land und die Last auf die Netze durch lokale Internet-Breakouts sinkt.

Ein Beispiel aus dem Automobilbau veranschaulicht dies. Heute betreiben die meisten deutschen Premium-Hersteller eigene Produktionsstätten in den USA. In der „alten“ Netzstruktur lief der gesamte Traffic oft zur Zentrale nach Deutschland – von den USA aus. Beweggrund dafür war meist die alte Server/Client-Infrastruktur sowie eine Philosophie der Zentralisierung in den Rechenzentren der Hauptniederlassungen. Mit einem SD-WAN-gesteuertem Campusnetz erübrigt sich dies jedoch, denn das Netz profitiert durch die Anbindung über lokale IP-Adressen in Kombination mit WAN-Anbindung an die Gateways der entfernten Firmenzentrale. Der Traffic erreicht dadurch mit kurzen Latenzen seinen Bestimmungsort. Dies entlastet die Intranet-Strecken und reduziert den Bedarf an Bandbreite, spart also Kosten. Zudem lässt sich die SD-WAN-Plattform exakt an die jeweils individuellen Geschäftsziele anpassen.

Mit Campusnetzen kaufen sich Großunternehmen Unabhängigkeit, weil sie nicht mehr von den lokalen Mobilfunk-Providern abhängig sind, sondern Campus- und Weitverkehrsnetze unabhängig beschaffen können. SD-WAN ermöglicht die Anbindung der Campus- an Weitverkehrsnetze, erhöht deren Verfügbarkeit, ermöglicht Unabhängigkeit bei Auswahl des Providers für Funktechnik und senkt die Infrastrukturkosten. Zudem kann SD-WAN als künftiger Standard für WAN-Connectivity den Ansatz zur Edge- und Cloud-Technik unterstützen und macht Hersteller unabhängiger von Anbietern. Die anhaltende Diskussion über vorausgewählte Equipment-Provider in vielen Wirtschaftsregionen weltweit unterstreicht, wie wichtig die Unabhängigkeit künftiger Campusnetzbetreiber wie Automobilhersteller, Tier-1- und Tier-2-Anbieter oder sonstiger Hersteller sein wird.

Eine Kontroverse ist nach wie vor die Frage der Anwendungsfälle von Campusnetzwerken. Obwohl die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt sind, scheinen sie ihre Zielgruppe zu überfordern. Derzeit sind sich Funktechnikanbieter, Modulhersteller und letztlich auch die Fertigungsindustrie hinsichtlich der endgültigen Anwendungszenarien der Campusnetzwerke noch uneins. Mit SD-WAN ist das Weitverkehrsnetz gut vorbereitet, Campusnetzwerke in Intranet wie Internet zu integrieren. Der lokale Verkehr bleibt durch lokale Breakouts im Land, intelligentes Routing reduziert Latenzen und vermeidet Flaschenhalseffekte. Zudem ermöglicht der Ansatz die Nutzung internetbasierter Lösungen, um Ausfallsicherheitsniveaus zu erreichen, die den traditionell verwendeten ausfallsicheren MPLS-Diensten für den Zugriff auf Cloud-Anwendungen nahekommen. Und zu guter Letzt profitieren Unternehmen von effizienteren Prozessen und Kosteneinsparungen auf Infrastrukturseite.

Manuel Finken ist Account Director bei GTT, www.gtt.net.

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