MWC 2014: Pläne für Virtualisierung des Mobilfunknetzes und "5G" gewinnen Kontur

Software-definierbare Carrier-Netze

27. Februar 2014, 09:30 Uhr   |  LANline/Stefan Mutschler

Software-definierbare Carrier-Netze

Der Druck zur flexiblen Gestaltbarkeit und kostengünstigen Verwaltung ihrer Netze sitzt nun auch den Mobilfunkbetreibern verstärkt im Nacken. Die einschlägigen Mobilfunk- und IT-Ausrüster wie Alcatel-Lucent, Ericsson, Huawei, NSN (steht jetzt für Nokia Solutions and Networks) und weitere auf der einen, ebenso wie Cisco, HP, Juniper, NEC und weitere auf der anderen Seite brachten zum MWC ihre Lösung des Problems mit: Virtualisierung in mehr oder weniger freier Auslegung eines Designvorschlags der ETSI-Arbeitsgruppe NFV (Network Function Virtualization, ETSI steht für European Telecommunications Standards Institute). Doch was als SDN (Software-Defined Network) in den Rechenzentren von Unternehmen vergleichsweise flott von der Hand geht, gestaltet sich in den Vermittlungsstationen von TK-Providern eher langwierig.

Mobilfunknetze stehen offenbar vor dem vielleicht größten Umbruch ihrer Geschichte. Nachdem mit LTE (Long Term Evolution) mehr und mehr das aus der IT-Welt stammendes Internet-Protokoll (IP) in der TK-Welt Einzug hält, kommen nun die vergleichsweise starren Hardware-Implementierungen im Netz unter verschärfte Beobachtung. Die IT in Rechenzentren macht es vor – durch den Einsatz von Virtualisierungstechnologien sparen sich Unternehmen viel Geld – zum einen bei der Hardware, zum anderen und vor allem aber bei Betrieb und Verwaltung ihrer Infrastruktur.

Zudem erlauben die Software-steuerbaren Netze eine wesentlich besser an die jeweils aktuelle Situation angepasste Bereitstellung von Ressourcen. Letzteres ist für Mobilfunker sogar noch wichtiger als für Unternehmen, denn sie müssen im scharfen Wettbewerb sowohl mit ihren direkten Konkurrenten als auch mit den sogenannten „Over-the-Top“-Anbietern für flüssige und bezahlbare Dienste sorgen.

Die Umsetzung entsprechender Virtualisierungsstrategien gestaltet sich bei den Mobilfunkern ungleich schwieriger als in Unternehmen. Zum einen gibt es zahlreiche technische Herausforderungen. „Beispielsweise Bei LTE darf die Antwortzeit zwischen Gerät und Radio Access Node nur maximal vier Millisekunden betragen“, erklärt Marcus Weldon, President of Bell Labs bei Alcatel-Lucent. „Der Einsatz von Virtualisierungstechnologien darf nicht dazu führen, dass dieser Wert überschritten wird“.

Um entsprechende Leistung bei den digitalen Signalprozessoren (DSPs) bereitstellen zu können, hat sich Alcaltel-Lucent auf dem MWC Intel als Partner seiner NFV-Strategie gesichert. Allerdings ist diese Partnerschaft keineswegs exklusiv – Insider erwarten, dass Intel schon bald weitere Player mit entsprechender Prozessor-Technologie unterstützen wird.

„Das größte Problem mit NFV ist nicht die Technik, sondern die Organisation“, so Matt Foley, Director EMEA Cloud Presales bei der HP Enterprise Group. „Hier prallen IT- und TK-Welten aufeinander und jeder will sein Revier verteidigen“. Mit OpenNFV hat HP auf dem MWC ein umfassendes NFV-Programm vorgestellt. Es umfasst eine NFV-Referenzarchitektur auf Basis offener Standards sowie ein Partner-Ökosystem.

5G: Intelligenz ins NetzIm Zuge der Netzwerkvirtualisierung geisterte fast überall auch das Kürzel „5G“ durch die Hallen. Nach 2G (GSM), 3G (UMTS), 4G (LTE) steht 5G also für eine neue Mobilfunkgeneration. Anders als bei den Vorgängern geht es hier jedoch nicht um eine konkrete neue Mobilfunktechnologie, sondern eher um ein neues Konzept für die Realisierung von Breitbandmobilfunkdiensten. Dieses Konzept sieht bei jedem Anbieter etwas anders aus, aber die Puzzlestücke lassen inzwischen zumindest die wichtigsten Eckpfeiler erkennen:

1. immer kleinere Funkzellen2. Integration aller Funktechnologien wie RFID, NFC, Bluetooth, WLAN etc.3. Verlagerung der Intelligenz direkt ins Netz4. Weiterentwicklung von LTE – im nächsten Schritt „Advanced LTE“5. Entwicklung neuer Funktechnologien (bislang noch nichts Konkretes in der Pipeline)

Ziel ist es, jedem Nutzer im Netzwerk dynamisch immer die zu seiner aktuellen Applikation passenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. „Jeder Nutzer gewinnt den Eindruck, das Netz sei speziell für ihn gemacht“, sagt Weldon. „Aber das ist noch eine lange Reise. Wir reden hier von einem Zeitrahmen bis etwa 2020“.

"Jeder Nutzer gewinnt den Eindruck, das Netz sei speziell für ihn gemacht", so Marcus Weldon, President of Bell Labs bei Alcatel-Lucent. "Aber das ist noch eine lange Reise. Wir reden hier von einem Zeitrahmen bis etwa 2020".

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