Die Anforderungen an hausinterne Datennetze steigen zunehmend. Damit erneuern sich auch die Normen für die Ausrüstung hausinterner Datennetze in regelmäßigen Abständen. Aktuell befinden sich die Normen der Kategorie 8 in der Diskussion. Handelt es sich dabei tatsächlich um den nächsten großen Entwicklungssprung – oder ist diese Kategorie für übliche Office- und Smart-Home-Applikationen eher überflüssig? Ein Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung.

Mit dem neuen Standard um Kategorie 8 verbinden sich hohe Erwartungen, was noch mehr Tempo und noch höhere Datensätze angeht. Die Werte überzeugen auf den ersten Blick in der Tat, wie ein Blick auf die aktuell diskutierten Normen belegt:

  • Kategorie 8 (TIA), Link-Klasse Cat.8 Link, Bandbreite bis 2.000 MHz, rückwärtskompatibel zu Kategorie 6A,
  • Kategorie 8.1 (ISO/IEC RJ-45), Link-Klasse I, Bandbreite bis 2.000 MHz , als Nachteile gelten die aufwändige Elektronik sowie der hohe Energieverbrauch, rückwärtskompatibel zu Kategorie 6A und
  • Kategorie 8.2 (ISO/IEC non RJ-45), Link-Klasse II, Bandbreite bis 2.000 MHz, einfachere Elektronik, geringerer Energieverbrauch, rückwärtskompatibel zu Kategorie 7A – dies ist die derzeit favorisierte Lösung.

Doch neben aller Begeisterung für das stets Neue sollten die Fakten nicht zu kurz kommen. Bei einer rationalen Betrachtung liegt die Schlussfolgerung nahe, dass im Büro- und Heimumfeld für typischerweise genutzte Applikationen keine strukturierten Verkabelungssysteme notwendig sind, die über Verkabelungen der Link-Klasse EA hinausgehen. Dafür sprechen gleich mehrere Gründe. Im Bürobereich sind zum Beispiel die meisten Applikationen nicht bandbreitenintensiv. Die Versorgung der Arbeitsplätze mit heute zumeist 100 MBit/s ist vollkommen ausreichend. Moderne Klasse-EA-Systeme ermöglichen Übertragungsgeschwindigkeiten bis 10 GBit/s, was letztlich einer Verhundertfachung der heute genutzten Geschwindigkeiten entspricht – und somit mehr als ausreichend Reserve und Zukunftssicherheit bietet.

Moderne Klasse-EA-Systeme ermöglichen Übertragungsgeschwindigkeiten bis 10 GBit/s.

Selbstverständlich sind im Büroumfeld, insbesondere beim Versand oder dem Up- oder Download größerer Dateien punktuelle und stoßweise auch höhere Übertragungsgeschwindigkeiten wünschenswert, um Übertragungszeiten zu minimieren und Wartezeiten zu verhindern. Zum einen lässt sich dies durch das Ausführen im Hintergrund umgehen, während andere Applikationen im Vordergrund am Arbeitsplatz weiterhin ausführbar sind. Zum anderen sind durch die Verwendung modularer Switch-Systeme die User durchaus mit höheren Bandbreitenanforderungen auch mit 1 GBit/s oder sogar 10 GBit/s punktuell versorgbar.

Bei Übertragungen solcher Dateien zwischen verschiedenen Standorten über das Weitverkehrsnetz wird die Übertragung oft nicht durch das lokale Netz mit in der Regel mindestens 100 MBit/s ausgebremst, sondern eher durch die im Weitverkehrsnetz zur Verfügung stehende limitierte Bandbreite.

Im Heimbereich gehört dem WLAN die Gegenwart und Zukunft

Im Heimbereich wiederum ist die WLAN-Technik die meist genutzte Technik zur Anbindung verschiedener Endgeräte. Dabei erreichen die Installationen oft schon Geschwindigkeiten von bis zu 150 MBit/s, höhere Geschwindigkeiten sind jedoch durchaus möglich. Für das Gros aller Heimanwendungen und Nutzer sind diese Bandbreiten heute bereits ausreichend. Bei der Installation einer strukturierten Verkabelung der Klasse EA nach DIN EN 50173-4 sind zu einer möglichen Verbesserung der Leistung bis zu 10 GBit/s und zum Beispiel direkte HD-Streams möglich.

Aber besonders im Heimbereich gilt heute in der Regel: Das anliegende Weitverkehrsnetz wird die Übertragung im Heimbereich meist „ausbremsen“, denn die vom Netzbetreiber zur Verfügung stehende Bandbreite ist häufig auf VDSL-Geschwindigkeit mit „bis zu“ 50 MBit/s im Download begrenzt. Auch Geschwindigkeiten über Kabelnetzbetreiber sind durch „bis zu“ Geschwindigkeiten von 100 oder 200 MBit/s (im Cluster als Shared Medium) begrenzt. 10 GBit/s im Heimbereich, die eine Verkabelung der Klasse EA an ihre Grenze bringen, werden in den nächsten Jahren Zukunftsmusik bleiben.

Diese Betrachtung zeigt: Weder die Klasse FA noch Kategorie 8 der Link-Klassen I oder II sind – nach heutigem Stand – im Büro- und Heimumfeld wirklich notwendig und sinnvoll. Die Anforderungen der Übertragungstechnik benötigen für die nächsten Jahre nicht mehr als das heute übliche. Die Mehrkosten von deutlich über 50 Prozent und die teilweise Nicht-Kompatibilität zu bestehenden Verkabelungen der Klasse EA machen derlei Systeme auch wirtschaftlich uninteressant. Ein Mehrnutzen ist nicht sichtbar. Wer in echte Zukunftssicherheit auch in der Büro- und Heimverkabelung investieren möchte, sollte alternativ über Glasfaser bis an den Arbeitsplatz nachdenken. Viele der aus der Kupfertechnik bekannten Bandbreiten- und Längenlimitierungen sowie elektrotechnische Probleme lassen sich damit einfach umgehen.

Bei der Installation einer strukturierten Verkabelung der Klasse EA nach DIN EN 50173-4 sind zu einer Verbesserung der Leistung bis zu 10 GBit/s und zum Beispiel direkte HD-Streams möglich.

Aber auch im Rechenzentrumsumfeld sind Kupfersysteme der Kategorie äußerst fraglich. Link-Längen von maximal 30 Metern könnten bei größeren Rechenzentren einfach nicht ausreichen. Hinzu kommt, dass die notwendigen Kabel deutlich dicker und schwerer sind als die bisher genutzten Kupferkabel. Und jedes Kupferkabel ist eine reine Punkt-zu-Punkt-Verbindung, stets von Port zu Port. Mehrfachkabel, wie aus dem Glasfaserbereich bekannt, sind eher unüblich und auch technisch schwierig, insbesondere aufgrund der Übersprech- und somit Störproblematik der Kabel untereinander. Dies bedeutet zugleich, dass entsprechende Kabel-Infrastruktursysteme in Form von Kabelwannen im Deckenbereich sehr groß und für hohe Gewichte ausgelegt werden müssen, verbunden mit erheblichen Installationsaufwand im Rechenzentrum.

Eine Verlegung im Zwischenboden wäre sicher einfacher. Dieser Raum ist jedoch meist für die Frisch- und Kaltluftzufuhr reserviert und kann nicht mit Kabeln zugelegt werden.

Glasfaser ist die echte Alternative

Mehrfaserkabel sind üblich und auch Kabel mit 288, 576 oder noch mehr Fasern möglich und verfügbar. Das Volumen und Gewicht solcher Kabel ist deutlich geringer, ebenso wie die dafür notwendigen Kabelinfrastruktursysteme und deren Montage. Mit Steckgesichtern wie LC sind ähnlich hohe Packungsdichten im Patch-Bereich wie bei der kupferbasierenden Technik auf Basis des RJ45-Steckers möglich.

Auch das Argument des teureren aktiven Port am Switch lässt sich entkräften. Bei der Gesamtbetrachtung aller Kosten für Kabel, die Kabelinfrastruktur, die aktiven Ports etc. dürfte sich dieser angebliche Nachteil schnell aufheben. Beim Thema Zukunftssicherheit punktet die Glasfaser endgültig, denn bei richtigem Design und der Auswahl der richtigen Fasern und Steckersysteme sind Anwendungen von 100 GBit/s und mehr durch künftige Applikationen auch ohne Anpassungen sehr wahrscheinlich möglich, mit Kupfer-Kategorie-8-Systemen eher nicht.

Kategorien und Klassen
Die Leistungsfähigkeit von Komponenten ist beschrieben in Kategorien (Horizontalkabel, Patch-Kabel, Steckverbindungen, Verteilfelder, Anschlussdosen)

  • Kategorie 3 bis 16 MHz,
  • Kategorie 5 bis 100 MHz,
  • Kategorie 6 bis 250 MHz,
  • Kategorie 6A bis 500 MHz,
  • Kategorie 7 bis 600 MHz und
  • Kategorie 7A bis 1.000 MHz.

Die Leistungsfähigkeit von Verkabelungsstrecken, dem sogenannten Link, und somit das Zusammenspiel aller Einzelkomponenten sind beschrieben in Klassen (gesamte Verkabelungsstrecke, immer 100 Meter inklusive Patch-Kabel)

  • Link-Klasse C bis 16 MHz,
  • Link-Klasse D bis 100 MHz,
  • Link-Klasse E bis 250 MHz,
  • Link-Klasse EA bis 500 MHz,
  • Link-Klasse F bis 600 MHz und
  • Link-Klasse FA bis 1.000 MHz.

Torsten Adamietz ist bei 3M Deutschland tätig, www.3m.de.