Der Betreiber des weltweit größten Internetknotens DE-CIX in Frankfurt am Main zieht eine erste Bilanz seit Verschärfung der öffentlichen Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des COVID-19 Virus. DE-CIX stellt diesbezüglich eine starke Veränderung des Datenverkehrs und auch des Internet-Nutzerhaltens fest. Der durchschnittliche Datenverkehr am weltgrößten Internet Exchange in Frankfurt hat sich seit dem 11.März um zehn Prozent erhöht (Stand: 18.März). Im Vergleich zu den vergangenen Wochen gab es auch einen signifikanten Anstieg des Videokonferenzverkehrs – wie beispielsweise Skype, Teams und WebEx – um etwa 50 Prozent. Zudem registrierte man auch eine steigende Anzahl von VPN-Nutzern.

Darüber hinaus verzeichnete DE-CIX seit dem 13. März auch eine Zunahme von etwa 25 Prozent bei Online- und Cloud-Gaming. Ebenso erhöhte sich der Datenverkehr bei der Nutzung von Social-Media-Plattformen erheblich. Ähnliche Ergebnisse werden für die anderen DE-CIX Standorte erwartet. „Die Kapazitäten in unserem eigenen Netz werden regelmäßig und langfristig ausgebaut. Wir planen immer für etwa zwölf Monate im Voraus. Wir bauen unsere Kapazitäten weiter aus, sobald 63 Prozent der vorhandenen Kapazitäten erreicht werden. Die übrigen 37 Prozent freie Kapazität sind zum einen für Redundanzen nötig und zum anderen, damit wir immer genügend freie Kapazitäten für Traffic-Wachstum haben. Neben unserem Netz für die Internetknoten müssen die Kunden ihre Kapazitäten in ihrem Netz auch ausbauen. Diese Ausbauten nehmen die Kunden selbst vor, nach eigenen Prozessen und Vorgehensweisen“, kommentiert Dr. Thomas King, CTO bei DE-CIX, den steigenden Datenverkehr.

Durch die ansteigende und auch veränderte Nutzung des Internets erhöhen die DE-CIX Kunden ihre Datenkapazitäten weltweit, um den Bedarf ihrer Endverbraucher bedienen zu können. So sei insgesamt über alle DE-CIX Internetknoten weltweit seit Anfang März ein Anstieg des Bedarfs an zusätzlichen Kapazitäten um 20 Prozent zu verzeichnen. „Wir sehen die Erhöhung der Kapazitäten besonders bei den weltweit agierenden großen Internet- und Content-Providern. Die Kapazitäten werden hier teilweise mehr als verdoppelt. Vor allem in internationalen Daten-Drehkreuzen wie New York, Madrid oder auch Frankfurt ist die Nachfrage nach mehr Kapazitäten an den DE-CIX Internetknoten groß. Auch hier sehen wir neue Rekordwerte an Datenverkehr zu Spitzenzeiten“, so Ivo Ivanov – CEO DE-CIX International zu den aktuellen Ereignissen.

In Zeiten, wo die Menschen teilweise in der Isolation leben müssen, sei der direkte Draht zur Familie, zu Freunden und zum Firmenumfeld über die verschiedenen privaten und geschäftlichen Applikationen essenziell. Der Betrieb dieser Applikationsebene und der Austausch der Daten müssten reibungslos verlaufen. Hier sehe man es als Maxime, den Kunden und somit den Internetnutzern weltweit ein störungsfreies, sicheres und zuverlässiges Internet zu gewährleisten, so Ivanov weiter.

Bereits vor einer Woche hatte DE-CIX (Deutscher Commercial Internet Exchange) in Frankfurt eine neue Weltrekordmarke im Datendurchsatz gesetzt. Mit über 9,1 Terabit pro Sekunde habe man eine Schallmauer durchbrochen. Noch nie wurden an einem Internetknoten zu Spitzenzeiten so viele Daten ausgetauscht. Erst im Dezember 2019 hatte DE-CIX in Frankfurt die 8 Terabit pro Sekunde geknackt.

Für die eigene Reaktion auf die Krise hat DE-CIX eine FAQ-Seite eingerichtet: www.de-cix.net/en/about-de-cix/company-profile/faqs-on-covid-19-situation.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.