Im LANline-Gespräch erklärt Julian King, Commercial Director bei CyrusOne, warum der Standort Deutschland für einen RZ-Betreiber bei allen nicht ganz einfachen Randparametern dennoch sehr wichtig ist. Pluspunkt kann dabei eine besonders effiziente und ressourcenschonende Kühltechnik sein.

LANline: Herr King, Deutschland gilt unter anderem wegen der Energiekosten als nicht besonders einfacher Standort für Rechenzentren. Warum engagieren Sie sich dennoch neu in diesem Markt?
King: Deutschland ist Europas stärkste Volkswirtschaft, und es ist für uns sehr wichtig, dass wir in diesem Markt präsent sind. Der deutsche Rechenzentrumsmarkt wächst immer noch schnell. Unsere Hyperscale-Kunden fragen uns nach Verfügbarkeit und Kapazitäten in Deutschland. Grundsätzlich gilt es als schwierig, sich auf dem deutschen Markt zu etablieren. Dies wird im Allgemeinen den strengen regulatorischen Bestimmungen und den hohen Energiekosten zugeschrieben. Jedoch ist es so, dass jeder Rechenzentrumsbetreiber diese Gegebenheiten vorfindet. Unser Geschäftsmodell wird davon nicht negativ beeinflusst.

LANline: Was ist das Besondere an Ihrem Portfolio?
King: Die Einflussfaktoren, die zum Erfolg führen, sind in Deutschland genauso wie in jedem anderen Markt. Sie bestehen daraus, Rechenzentrumsfläche zur Verfügung zu stellen, die den Vorgaben des Kunden entspricht, an dem Ort, wo der Kunde sie braucht, und zu dem Zeitpunkt, zu dem der Kunde diese benötigt. Basis unseres Erfolgs sind die Beziehungen, die wir mit unseren Kunden haben. Wenn ein Kunde an einem bestimmten Standort Kapazitäten benötigt, schaffen wir diese für ihn. Wir sind die am stärksten wachsende börsennotierte Rechenzentrumsfirma und die drittgrößte in den USA. Uns war irgendwann klar, dass wir in Deutschland vertreten sein müssen. Als stark wachsender Real Estate Investment Trust sind wir auf große, Carrier-neutrale Rechenzentren spezialisiert.

LANline: Das führte auch zu konkreten Aktionen …
King: Das ist richtig. Die Übernahme von Zenium Data Centers, die wir im August 2018 abgeschlossen haben, war der erste entscheidende Schritt unserer Strategie, in Europa zu expandieren. Momentan haben wir insgesamt vier Rechenzentren in Frankfurt und London im Betrieb. Darüber hinaus haben wir öffentlich bekannt gegeben, dass wir noch weitere Rechenzentren in Frankfurt und London bauen werden. Wie es momentan aussieht, wird der Bau unseres Data Centers London III mit 9 MW bereitgestellter Leistung Ende 2019 abgeschlossen sein. Unser drittes Rechenzentrum in Frankfurt mit einer bereitgestellten Leistung von 22 MW wird voraussichtlich Anfang 2020 den Betrieb aufnehmen.

LANline: Wie geht es in naher Zukunft weiter?
King: Mit der Zenium-Übernahme haben wir uns in Europa eine solide Basis geschaffen. Das war ein guter Start, aber wir sind noch lange nicht am Ende. Wir entwickeln zusätzliche Rechenzentren in Dublin und Amsterdam, sodass wir in absehbarer Zeit eine Leistung von 500 MW in Europa bereitstellen können. CyrusOne zeichnet sich dadurch aus, dass wir Rechenzentren schneller und kostengünstiger errichten als andere Firmen, auch als die großen Cloud-Firmen. Neun der zehn größten Cloud-Anbieter sind unsere Kunden. Diese Firmen stehen alle vor der Herausforderung, dass sie die Nachfrage der Kunden nach ihren Diensten und damit die benötigten Kapazitäten prognostizieren müssen. Unsere Kompetenz, innerhalb kurzer Zeit große Kapazitäten zur Verfügung stellen zu können, löst diese Fragestellung für die Cloud-Firmen.

LANline: Was ist das Besondere an diesen Kunden?
King: Viele unserer Kunden sind sogenannte Disrupter. Ihr Geschäftsmodell fordert den Status quo heraus und verändert diesen. Dazu gehören die Sharing Economy, Social Media, Automatisierung der Cloud und Finanztechnologie. In diesem Umfeld muss auch die Technik passen. In unseren Rechenzentren kommt zum Beispiel eine Kühltechnik zum Einsatz, die ohne Wasser auskommt. Diese Technologie ist umweltfreundlich und energieeffizient.

LANline: Das ist ein wichtiges Thema. Wie sieht eine optimale technische Infrastruktur in Ihren RZs aus?
King: Grundsätzlich liegt es in unserem eigenen Interesse, so energieeffizient wie möglich zu sein, denn so können wir Kostenersparnisse an unsere Kunden weitergeben. CyrusOne ist sich bewusst, dass der umweltschonende Umgang mit Wasser weltweit ein wichtiges Thema ist. In unseren Rechenzentren verwenden wir eine Luftkühlung mit integriertem Kondensator, die eine sich im Kreislauf befindende Wassermenge kühlt. Weiterhin kommt eine adiabate Verdunstungskühlung zum Einsatz. Bei der Luftkühlungstechnik, die in Frankfurt zum Einsatz kommt, werden die Leitungssysteme nur einmal mit Wasser gefüllt. Kein Wasser verdunstet beim Kühlungsprozess, es gibt keine Abschlammung, neues Wasser muss nicht zugeführt werden, kein Kühlwasser geht ins Abwassersystem. Der Wartungsaufwand ist gering. Von Zeit zu Zeit müssen Pestizide zugegeben werden.

LANline: An den anderen Standorten gibt es ebenfalls besondere Lösungen …
King: Genau. Im Rechenzentrum Frankfurt II und in London I in Slough verwenden wir eine adiabate Verdunstungskühlung. Diese ist der Luftkühlungstechnologie ähnlich, jedoch fügt diese dem Kreislauf etwas Wasser hinzu, um das System noch stärker zu kühlen. Dieses System führt zu mehr Energieeffizienz und reduzierten PUE-Werten. Die Werte von CyrusOne für die letzten zwölf Monate sind zufriedenstellend. Die PUE-Werte unserer Kunden liegen im Jahresdurchschnitt bei 1,15.

LANline: Derzeit wird viel über die Rolle der EN 50600 und entsprechender Zertifizierungen gesprochen. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
King: Die EN 50600 wurde bei der Einführung im Jahr 2016 viel diskutiert. Unsere Erfahrung mit diesem Standard hält sich bisher in Grenzen. Wir sind diesem Standard gegenüber grundsätzlich offen, jedoch setzen wir uns erst verstärkt damit auseinander, wenn unsere Kunden das Thema ansprechen und dies wünschen. Wenn sich der Markt weiter konsolidiert und immer mehr Unternehmen ihre Daten in die Cloud verlagern, denken wir, dass die EN 50600 in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören könnte. Der größte Anreiz dafür, Rechenzentren von CyrusOne zu nutzen, liegt darin, dass sich unsere Kunden auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Wir kümmern uns um den Rechenzentrumsbetrieb und unterstützen als Dienstleister. Komplizierte Service Level Agreements schreiben uns als Betreiber das Risiko für den reibungslosen Rechenzentrumsbetrieb zu. Wenn man sich dies vor Augen führt, wird deutlich, dass die EN 50600 und andere Standards weniger wichtig werden. Was jedoch immer wichtig sein wird, ist der fortlaufende und risikofreie Betrieb. Daher sind für uns die bedeutendsten Akkreditierungsbereiche die ISO 27001, also Informationssicherheit, die ISO 9001, also das Qualitäts-Management, die ISO 14001, das Umwelt-Management, und die ISO 45001. 2019 wollen wir SOC2-Compliance noch ergänzen.

LANline: Herr King, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.