Die Teilnehmerzahlen der LANline Tech Foren liegen weiterhin extrem hoch. Die Branche boomt, Experten-Know-how ist gefragt, und die technische Entwicklung schreitet ungebremst voran. Geschwindigkeiten von 1 TBit/s und mehr sind heute keine Science Fiction mehr.

Nach München, Zürich, Berlin und Stuttgart steht im Herbst das nächste große LANline Tech Forum zur Verkabelung in Köln an (17. bis 18.9.2019). Anlass genug, um eine kurze Zwischenbilanz der bereits stattgefundenen Events zu ziehen. Die gute Nachricht zuerst: Für die Branche zeichnet sich eine weitere sehr positive Marktentwicklung ab, und Anwendern und Betreibern stehen beim Ausbau der Netze über 10 GBit/s hinweg mehr Technik- und Produktalternativen zur Auswahl denn je. Doch Schatten existiert bei so viel Licht ebenfalls: Nach Einschätzung vieler Experten ist es für Betreiber immer noch extrem schwierig, hinreichend kompetente Planer und Installateure zu finden. In die gleiche Kerbe schlagen Hersteller und Dienstleister mit ihrer Klage, dass der Mitarbeitermarkt komplett leergefegt ist.

Fabian Schmidli diskutierte Details der Bauproduktenverordnung – speziell aus Sicht des Schweizer Herstellers Huber + Suhner.

Die technische Entwicklung und die entsprechende Normierung nähern sich Geschwindigkeiten von 1 TBit/s an, wie unter anderem Rainer Behr von TDE Trans Data Elektronik in seinem Vortrag zu einer zukunftsfähigen Rechenzentrums-Verkabelung – natürlich per LWL – verdeutlichte. Das Rezept dafür ist faszinierend, aber grundsätzlich einfach: Man kombiniere die Möglichkeiten der Faservervielfachung (Paralleloptik) mit einem Wellenlängen-Multiplexing. Das Ergebnis lässt sich leicht errechnen, wenn man als die grundsätzlich über eine Lane erreichbare Geschwindigkeit (10 GBit/s bis künftig 50 GBit/s) ansetzt und mit bis zu 16 Fasern und vier Wellenlängen multipliziert. Die von der IEEE propagierten Terabit-Mountains am Ende der Ethernet-Roadmap liegen damit schon jetzt in sehr verlockender Reichweite.

Wer braucht so etwas? Gute Frage, wahrscheinlich als erstes die Hyperscale-Datacenter dieser Welt, in denen all die Daten zusammenlaufen, die immer mehr Menschen auf diesem Planeten unter anderem mit ihrem Social-Media-Konsum sowie Maschinen im IoT-Zeitalter produzieren. Auf dieser Seite der Skala residiert eine weitere spannenden Entwicklung im Verkabelungsumfeld: Single Pair Ethernet über Kupfer. Im Gebäude, in Fahrzeugen, innerhalb von Maschinen fallen meist keine besonders großen Datenmengen an. Die Informationen müssen dennoch schnell und sicher übertragen werden.

Andreas Huhmann von Harting erklärte Technik und Einsatzszenarien von Single Pair Ethernet.

Als Ablösung für proprietäre Netze bietet sich dabei häufig eine einfache, leicht zu installierende und kostengünstige Ethernet-Variante mit einem einzelnen Adernpaar an (siehe dazu auch den Artikel auf Seite 42 in LANline 8/2019). Warum dieses Konzept als optimale Basis für die IoT-Vernetzung dienen kann, erklärte auf dem Tech Forum Andreas Huhmann vom deutschen Hersteller Harting. Der Verbindungstechnikproduzent aus Espelkamp hat seinen Single-Pair-Ethernet-Stecker erfolgreich in der einschlägigen Normierung verankern können.

Immer noch nicht final ausdiskutiert ist das Thema Bauproduktenverordnung, unter die seit geraumer Zeit – jedenfalls formal – auch alle fest installierten Verkabelungen in Gebäuden fallen. Einem kritischen Betrachter könnte dabei die Idee kommen, dass sich Hersteller und Anwender besser vorbereitet und in entsprechende Technik und Know-how investiert haben, als die beteiligten Behörden mit der „offiziellen“ Umsetzung nachkommen. Brandschutz ist ohne jede Einschränkung wichtig und nötig, das machte auch Fabian Schmidli von Huber + Suhner in seiner Präsentation zu diesem Thema unmissverständlich klar. Ob die Verordnung das umsetzen kann, wozu sie gedacht war, musste jedoch auch er – jedenfalls im Moment – noch offen lassen.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.