Im LANline-Gespräch nimmt Dr. Béla Waldhauser, CEO von Telehouse, Stellung zur Entwicklung der Colocation-Branche. Diese ist seiner Einschätzung nach erwachsen geworden, und sowohl auf Anbieter- wie auf Kundenseite sitzen heute Profis. Der Trend zur Cloud führt zu hohen Colocation-Wachstumsraten.

LANline: Herr Dr. Waldhauser, Sie können die Colocation- und Hosting-Branche mit einiger Erfahrung bewerten. Was sind für Sie die entscheidenden Änderungen der vergangenen Jahre?

Dr. Waldhauser: Aus meiner Sicht ist die Colocation-Branche in den vergangenen 20 Jahren ihres Bestehens durch viele verschiedene Phasen gegangen. Angefangen mit der Dotcom-Boomzeit, wo die Nachfrage nach Colocation-Flächen gigantisch war und Geld keine Rolle gespielt hat. Danach kam die Zeit der Insolvenzen und des Überlebenskampfes. Ab ungefähr 2005 ging es mit der Colocation-Branche langsam wieder aufwärts, und es wurde wieder genug Geld verdient, um langsam zu wachsen. Dieses Wachstum wurde immer größer, bis wir vor etwa fünf bis sechs Jahren zweistellige Wachstumsraten von zehn bis zwölf Prozent pro Jahr erreicht hatten. Mit dem Siegeszug der Cloud ist der Bedarf mittlerweile wieder so groß, dass wir Anbieter mit dem Bauen nicht mehr nachkommen.

LANline: Was ist anders?

Dr. Waldhauser: Der Unterschied zu den Jahren 1998, 1999 und 2000 ist, dass unsere Kunden mit ihrem Geschäftsmodell gutes Geld verdienen und daher das Risiko eines erneuten Crashes sehr klein ist. Telehouse hat daher in den letzten Jahren deutlich expandiert und investiert, um der großen Nachfrage gerecht zu werden.

LANline: Was hat sich in der Wahrnehmung durch Ihre Kunden verändert?

Dr. Waldhauser: In den Anfangsjahren wurden wir Carrier-Hotels genannt, heute sind wir mehr Cloud-Hotels. Technisch sind wir aus den Kinderschuhen schon lange herausgewachsen. Alle großen Provider arbeiten auf einem sehr hohen technischen und prozessualen Level.

LANline: Das gilt auch für die technische Seite…

Dr. Waldhauser: Genau, denn in den Anfangsjahren waren die Ansprüche unserer Kunden an Technik, Leistungsdichte und Energieeffizienz noch relativ gering. Auch hatten unsere Kunden oft nicht die Erfahrung mit Rechenzentren, und dementsprechend hat das interne Know-how gefehlt. Das hat sich in der Zwischenzeit deutlich gewandelt. Mittlerweile sitzen auf beiden Seiten Profis.

Dr. Béla Waldhauser, CEO von Telehouse: „In den Anfangsjahren wurden wir Carrier-Hotels genannt, heute sind wir mehr Cloud-Hotels.“ Bild: Telehouse

LANline: Im Colocation-Markt spielt Energieeffizienz als Kostenfaktor unbestritten eine wichtige Rolle. Welche Maßnahmen halten Sie für besonders wichtig?

Dr. Waldhauser: Bei der Energieeffizienz muss man generell unterscheiden zwischen der Energie, die für die IT aufgewendet wird, und der Energie, die wir für den Stromtransport, USV, Kühlung/Klimatisierung und Sicherheitstechnik verbrauchen. Letzteres ist das, was wir als Colocation-Anbieter in der Verantwortung haben und aktiv beeinflussen können. Dabei sind sicher die Kühlung und Klimatisierung die entscheidenden Faktoren. Ausschlaggebend für eine möglichst energieeffiziente Kühlung ist der Einsatz von aktueller Technik mit – indirekter – freier Kühlung, konsequenten Kalt- und Warmgängen, einer kompletten Einhausung von entweder Kalt- oder Warmgang, eine möglichst hohe Temperatur im Kaltgang, also 24°C bis 27°C, und nicht zuletzt das Vermeiden von Hotspots.

LANline: Im Moment scheint sich der Datacenter-Bereich extrem zu diversifizieren: Riesen-RZs à la Facebook bis zu Edge-Anwendungen etc. Gibt es eine Empfehlung, die übergreifend gilt?

Dr. Waldhauser: Auf der Kunden- und Anwendungsseite lässt sich noch viel mehr tun. So ist der Einsatz von virtuellen Servern ausschlaggebend für eine möglichst effiziente Auslastung der Hardware. Des Weiteren sollte unbenötigte Hardware automatisch in den Ruhemodus gehen oder vorübergehend ausgeschaltet werden.

LANline: Was heißt dies für die Infrastruktur?

Dr. Waldhauser: Eigentlich ganz trivial: Kalt- beziehungsweise Warmgänge müssen durch den Einsatz von Blenden soweit wie möglich geschlossen sein. Und letztendlich muss der Kunde den höheren Temperaturen im Kaltgang zustimmen, was nicht immer der Fall ist. Bei einem gewöhnlichen Firmen-RZ kommt es darauf an, wie alt die Infrastruktur ist. Als einfache Faustregel gilt: Je älter die Infrastruktur, umso mehr kann man an Effizienz herausholen.

LANline: Herr Dr. Waldhauser, herzlichen Dank für das Gespräch!