Die Probleme und Herausforderungen der Digitalisierung bildeten auch in diesem Jahr den thematischen Hintergrund des Fujitsu Forums, das 2016 unter dem Titel Human Centric Innovation – Driving Digital Transformation in München stattfand. Am 16. und 17. November nutzten über 12.000 Teilnehmer die Gelegenheit, sich auf dem Event einen Überblick über das Produkt- und Leistungsportfolio und neue Entwicklungen des japanischen Technologiekonzerns bezüglich Cloud, IoT, Künstliche Intelligenz und Cyber-Security zu verschaffen. Der Hersteller präsentierte zudem eine weltweite Studie, die die aktuellen und künftigen Folgen der digitalen Transformation auf Unternehmen untersucht hat.

Von den insgesamt 1.180 befragten Führungskräften befürchten demnach 52 Prozent, dass es ihr Unternehmen aufgrund der digitalen Revolution in fünf Jahren in seiner derzeitigen Form nicht mehr geben wird. 98 Prozent sind sich darüber im Klaren, dass ihr Unternehmen bereits von der Digitalisierung beeinflusst wird. Dennoch besteht laut der Studie noch großer Nachholbedarf. Denn 92 Prozent der befragten Firmenchefs glauben, dass sie ihr Unternehmen noch wesentlich besser auf die digitale Transformation einstellen müssen. Trotz des erwarteten Wandels innerhalb der nächsten Jahr finden fast drei Viertel der Studienteilnehmer (72 Prozent), dass die Digitalisierung neue interessante Möglichkeiten bietet. 80 Prozent halten sie sogar für einen positiven Treiber. Bei der Umsetzung setzen 72 Prozent der befragten Führungskräfte auf strategische Kollaborationen mit Partnern, die über ergänzende Kompetenzen bei der Digitalisierung verfügen. Ganze 73 Prozent sehen eine entscheidende Rolle in der Technologie. 67 Prozent setzen bei der Umsetzung auf die Unterstützung externer Experten.

„Die digitale Revolution macht vielen Managern durchaus Sorgen. Allein die Tatsache, dass ungeachtet aller Chancen ganze 33 Prozent der Befragten wünschen, sie wären von diesem Phänomen verschont geblieben, lässt aufhorchen“, sagt Duncan Tait, SEVP und Head of EMEIA und Americas bei Fujitsu. Dennoch sei ihnen mittlerweile bewusst, dass sie das Thema strategisch mit einem Partner angehen müssten. Dass schließt laut Tait auch Fujitsu mit ein. Letztendlich sei sein Unternehmen ebenfalls von der Digitalisierung betroffen. „Wir automatisieren so viel wir können und arbeiten dabei mit verschiedenen Technologiepartnern zusammen“, erklärte Tait gegenüber LANline.

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Duncan Tait ist Senior Executive Vice President und Head of EMEIA und Americas bei Fujitsu.

Das Fujitsu Forum in München dient dem japanischen Unternehmen jedoch in erster Linie als Leistungsschau seiner eigenen digitalen Technik. Dort versucht sich Fujitsu als ein ebensolcher Partner von Unternehmen für die digitale Revolution zu positionieren. In diesem Rahmen verkündete Fujitsu auf dem Event unter anderem die Fortsetzung des Rollouts seiner auf Openstack basierenden Cloud-Plattform K5. Sie soll es Anwendern ermöglichen, geschäftskritische Daten in der Region ihrer Wahl zu speichern, um auf diesem Wege gesetzliche Anforderungen für die Verwaltung sensibler Informationen zu erfüllen. In Deutschland wird es mit Frankfurt am Main und Rüsselsheim ab Mai 2017 zwei Verfügbarkeitszonen der vier Modelle Public-Cloud, Virtual-Private-Hosted-Cloud, Deditcated- sowie Dedicated-On-Premise-Cloud geben. Deutsche Firmenkunden erhalten laut Fujitsu durch das breite Angebot die Möglichkeit, den für sie richtigen Cloud-Ansatz zu wählen und dabei die benötigte Datensicherheit sowie alle Rechts- und Compliance-Garantien zu erhalten. Darüber hinaus steht es deutschen Unternehmen frei, K5-Services auch aus anderen Regionen zu beziehen.

Die K5-Cloud-Services lassen sich laut Fujitsu zudem in vorhandene IT-Infrastrukturen integrieren und als hybride Cloud-Umgebung einrichten. Dadurch können Unternehmen beispielsweise Applikationen wie Web-Shops, Datenbankdienste, CRM-Systeme sowie Lösungen für die Gehaltsabrechnung in einer solchen Umgebung betreiben. Firmen, die ihre Geschäftsdaten gänzlich im eigenen RZ behalten und bearbeiten wollen, können mit Primeflex Integrated Systems eine spezielle Lösung des Herstellers in ihren eigenen Server-Räumen installieren. Sie soll Nutzern die Vorteile von Cloud-Computing ermöglichen, indem sie dieselben Funktionen und eine vergleichbare Architektur wie die K5-Cloud-Services bietet.

Ebenso erweitert Fujitsu in Europa sein Portfolio um eine neue Cloud-IoT-Plattform. Diese soll es Unternehmen erleichtern, IoT-basierte Lösungen zu nutzen, bereitzustellen und zu verwalten. Über die Cloud-Plattform können Anwender auf ihre Business-Intelligence-Daten aus verschiedenen Quellen zugreifen und sie dadurch für alle Geschäftsbereiche und -prozesse verwenden.

 

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Fujitsu will in Europa eine neue Cyber-Security-Geschäftssparte etablieren.

Neben den Cloud-Angeboten etabliert Fujitsu künftig auch Cyber-Security als neuen Geschäftsbereich in Europa. Damit reagiert der Technologiekonzern auf die wachsende Bedrohung durch Cyber-Angriffe von kriminellen oder staatlichen Protagonisten. „In einer hyperconnected World steigt die Gefahr von Massenangriffen“, erklärt Joseph Reger, CTO EMEIA bei Fujitsu. Um sich vor Cyber-Attacken besser schützen zu können, bietet Fujitsu daher ein neues Portfolio an global integrierten Sicherheitslösungen für Unternehmen an.

Die ganzheitlichen Abwehrsysteme werden aus sechs globalen Security Operations Center (SOC) gesteuert. Zudem baut Fujitsu die SOCs in Großbritannien und Deutschland zu Advanced-Cyber-Threat-Center aus. „Wir wollen mehr Analyse in unsere IT-Security integrieren“, sagt Tait. Bisher hat Fujitsu in seinen SOCs Managed-Security-Services in Großbritannien, Deutschland, Finnland und Spanien angeboten. Fujitsus Ziel ist es, die Kunden mit Frühwarnsystemen und Abwehrmaßnahmen gegen Cyber-Angriffe auszustatten. Laut Reger ist ein unentdeckter Massenangriff für Unternehmen geschäftskritisch, die Fähigkeit solche unbekannten Bedrohungen in Echtzeit zu identifizieren daher unabdingbar. „Ein System mit Machine Learning kann das“, erklärt der Fujitsu-CTO. Das auf der Zinrai-Technologie von Fujitsu basierende System untersucht dabei nach zuvor festgelegten Parametern den Datenverkehr nach Unregelmäßigkeiten, um sogenannte First-Time-Attacken zu vereiteln. „Natürlich benötigt es dafür eine gewisse Trainingszeit – Stichwort Deep Learning“, erläutert Reger. Schließlich komme es dabei auch auf die Daten an, mit der die Technologie gefüttert werde. „Ohne Systeme mit maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz haben wir jedoch keine Chance, gegen die Angriffe im Cyberspace zu bestehen“, ist sich Reger sicher.

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Die Human Centric AI Zinrai von Fujitsu bringt Technologien wie Machine Learning, Deep Learning und Visual Recognition in die digitalen Lösungen und Dienstleistungen des japanischen Herstellers.

Durch ihre Fähigkeit, verschiedenste Daten zu sammeln und auszuwerten, eignet sich die Zinrai-Technik für verschiedene Einsatzszenarien. Beispielsweise testet die San-Carlos-Klinik in Madrid bereits seit einem halben Jahr Fujitsus Advanced Clinical Research Information System Hikari, das basierend auf Analysen von anonymisierten Daten Ärzten und medizinischen Personal dabei hilft, schneller über Behandlungsoptionen und -ansätze zu entscheiden. Die zugrundeliegende Datenbank speist sich aus rund 36.000 Patientenakten, die um Zusatzinformationen wie beispielsweise zur Sucht-Historie oder der Vorgeschichte psychischer Erkrankungen ergänzt wurden. Durch Hikari benötigen die Ärzte laut Fujitsu weniger Zeit für das Studium der Patientenakten und haben somit mehr Zeit für den einzelnen Patienten zur Verfügung. Die Lösung stellt die Basis für ein neues Health-Application-Programming-Interface, das sich entweder lokal oder in der Fujitsu-Cloud implementieren lässt.

Dies ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie digitale Technik dabei helfen kann, Prozesse in Unternehmen zu optimieren. Fujitsu sieht sich mit seinem Portfolio als Technologiepartner für die Digitalisierung gut aufgestellt, erklärt Tait. „Neue digitale Technologien und Services, die auf der Cloud, Big Data, mobilen Services und dem Internet der Dinge basieren, stellen die Marktdynamik auf den Kopf und schaffen völlig neue Kundenanforderungen. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Kunden daran, eine neue digitale Welt zu schaffen.“

Weitere Informationen stehen unter www.fujitsu.com zur Verfügung.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.