Illegale Kältemittelimporte könnten bis zu einem Drittel des EU-Markts betragen

Kältemittelimport über illegale Lieferwege

29. Juni 2020, 09:10 Uhr   |  Jörg Schröper

Kältemittelimport über illegale Lieferwege
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Europas Klimaziele könnten durch einen blühenden Schwarzmarkt für teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFKW) stark untergraben werden. Mit der Evaluierung von HFKW-Handelsströmen will das Unternehmen Oxera Consulting LLP wichtige Einblicke in diese illegalen Aktivitäten geben, deren tatsächlicher Umfang bislang kaum bekannt ist.

Die Analyse der Daten durch den Europäischen Technischen Ausschuss für Fluorkohlenwasserstoffe (EFCTC) deute darauf hin, dass das Volumen der illegal importierten HFKWs in die EU einem CO2-Äquivalent von bis zu 34 Millionen Tonnen entsprechen könnte – also 33 Prozent der zulässigen Quote in 2018. Demnach entsprächen illegale Importe rund einem Drittel des legalen Markts für Kältemittel in der EU. Eine beträchtliche Menge an HFKWs – gängige Kältemittel, die in allen Bereichen von kommerziellen Kühlgeräten bis hin zu Autoklimaanlagen verwendet werden – gelangt über illegale Lieferwege auf den europäischen Markt und umgeht damit auch die F-Gase-Verordnung der EU. Seit 2015 reguliert diese Verordnung die schrittweise Reduzierung von HFKWs mit einem hohen Treibhausgaspotenzial (Global Warming Potential, GWP) über ein Quotensystem. Die F-Gase, die auf den europäischen Markt gelangen, sollen entsprechend dieser Regelung an allen Eintrittspunkten in die EU überprüft werden.

Der europäische „Green Deal“ soll Europa mit einer der ehrgeizigsten Umweltgesetzgebungen der Welt zur Klimaneutralität führen. Eine solch ehrgeizige Gesetzgebung sollte mit einer ebenso ehrgeizigen Umsetzung einhergehen; durch Kontrollen an allen Grenzen der EU und der Durchsetzung der geltenden Gesetze.

Die behördliche Durchsetzung der F-Gase-Verordnung ist jedoch nicht ausreichend, Akteure des Schwarzmarkts bringen weiterhin HFKW außerhalb des Quotensystems nach Europa. Diese illegalen Aktivitäten finanzieren die organisierte Kriminalität und wirken sich negativ auf europäische Unternehmen in der gesamten Wertschöpfungskette aus, so der Bericht. Viele von ihnen sind kleine und mittelständische Unternehmen, die unwissentlich illegal importierte Produkte vertreiben und verwenden, oder große Verluste erleiden, wenn sie von denjenigen, die dies tun, im Preiswettbewerb unterboten werden.

Die Natur des Schmuggels erschwere dabei die Einschätzung, wie viel unkontrollierter Handel tatsächlich stattfindet. Ein Bericht der unabhängigen Environmental Investigations Agency (EIA) schätzte die illegalen Importe von HFKWs im Jahr 2018 auf 16,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Auf Grundlage der jüngsten Untersuchungen der Data-Analytics-Beratung Oxera nimmt der EFCTC nun jedoch an, dass diese Zahl noch einmal deutlich höher liegt.

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1. Kältemittelimport über illegale Lieferwege
2. Vergleich der Exportdaten
3. Gefälschte Produkte

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