Die Cloud hat in den vergangenen zehn Jahren eine rapide Entwicklung hingelegt. Seit 2006 Google den Begriff erstmals auf einer Industriekonferenz verwendet und Amazon seinen Web-Service AWS gestartet hat, haben sich die Anforderungen an die Cloud stark verändert. War die Cloud zunächst für eher unkritische Anwendungen, wie beispielsweise E-Mail, konzipiert, so haben Unternehmen mit der Zeit zunehmend kritische Anwendungen auf eine zentrale Cloud-Plattform ausgelagert, erklärt Michel Arres, Vice President ITD DACH bei Schneider Electric, im Rahmen einer Presseveranstaltung am Unternehmensstandort in Grenoble.

Da kritische Anwendungen in vielen Fällen auf eine schnelle Reaktionszeit angewiesen sind, geht die Entwicklung von einer zentralen Cloud wieder hin zu dezentralen Rechenzentren, die sich näher am Ort der Datenerhebung befinden, so Arres weiter. Schließlich spreche alleine schon die benötigte Bandbreite und der Zeitaufwand dagegen, alle anfallenden Daten in die zentrale Cloud-Plattform zu übermitteln, dort zu analysieren und anschließend darauf basierend zu reagieren — zumal im Normalfall nur ein Bruchteil der Daten benötigt wird. „Wir beobachten zunehmend den Trend, dass Unternehmen verstärkt auf hybride Lösungen bei der Cloud setzen“, sagt Arres. Das heißt, dass Organisationen zwar weiterhin auf eine zentralisierte Cloud-Plattform setzen, die massive Computing- und Storage-Möglichkeiten bietet, jedoch zusätzlich auf lokale Edge-Computing-Umgebungen sowie auf regionale Edge-Rechenzentren setzen.

Während lokale Edge-Lösungen direkt dort zum Einsatz kommen, wo die Daten entstehen, stellen regionale Edge-Datacenter ihre Rechenleistung und Speicherkapazitäten gewissermaßen als Zwischenlösung zwischen der zentralen Cloud und dem lokalen Edge zur Verfügung. „Das Edge übernimmt immer mehr eine Art Filterfunktion von Daten“, erläuterte Arres. Auch die Hyperscaler setzten laut dem Schneider-Electric-Mann verstärkt auf regionale Datacenter, um Daten, die Anwender beispielsweise in einer speziellen Region öfters abfragen, schneller zur Verfügung stellen zu können. Herstellern wie Schneider Electric bietet diese Entwicklung beim Edge Computing ein großes Potenzial. So beziffern die Marktforscher von IDC in einer Prognose ein mögliches Marktwachstum von 1,47 im Jahr 2017 auf 6,72 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2022.

Fehlende Ausfallsicherheit

Zwar handelt es sich bei den regionalen Edge-Umgebungen bereits um klassische Datacenter, die lokalen Edge-Computing-Einheiten bestehen jedoch aus deutlich kleineren Installationen, etwa ein nur zum Teil befülltes Rack, das sich direkt neben einem Maschinenpark oder in einem Büro befindet. Dabei kommen gängige Sicherheitsvorkehrungen oft zu kurz. „Unternehmen, die eine Edge-Computing-Architektur betreiben, dürfen dabei jedoch nicht die Sicherheit vergessen“, erklärte Karin Hernik, ITD Channel Director DACH Sales bei Schneider Electric. Während in den zentralen und regionalen Rechenzentren wichtige Bestandteile für den Betrieb, etwa Redundanz, Monitoring, Fachkräfte oder Sicherheit, vorhanden sind, fehlen diese in der Regel am lokalen Edge. „Aufgrund der wachsenden Bedeutsamkeit von lokalen Edge-Computing-Umgebungen an kritischen Stellen der Infrastruktur müssen wir daran arbeiten, diese so nah wie möglich an ein Tier-3-Cloud-Datacenter anzunähern“, sagte Hernik weiter.

Lokale Edge-Umgebungen sind laut Schneider Electric typischerweise in der Tier-Klassifizierung 1 eingestuft, verfügen also über keine Redundanz. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Ausfallzeit von 28,8 Stunden pro Jahr (99,67 Prozent Verfügbarkeit) von kritischen Applikationen, die sich auf den gesamten Prozess auswirken. Besteht eine Infrastruktur aus mehreren lokalen Edge-Einheiten, erhöht sich die Zahl. „Wir müssen uns bewusst werden, dass es sich hierbei um einen wichtigen Bestandteil der Infrastruktur handeln kann, der nur Tier-1 klassifiziert ist“, unterstrich Arres. Daher sei es wichtig, bei der Implementierung von lokalen Edge-Computing-Architekturen die Redundanz von Netzwerk, Stromversorgung oder Kühlung sowie physische Schutzvorkehrungen mit zu berücksichtigen.

Bei Unternehmen, die mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen haben oder die eine wachsende Zahl von Edge-Rechenzentren verzeichnen, können Management- und Monitoring-Lösungen dabei helfen, diese zu verwalten und mögliche Ausfälle bereits im Vorfeld zu verhindern.

Weitere Informationen finden sich unter www.schneider-electric.de.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.