Am Rande der Citrix Technology Exchange Ende 2018 in Bonn sprach LANline mit Citrix-CTO Christian Reilly über die Herausforderungen des digitalen Arbeitsplatzes, Security Analytics, selbstbestimmte Endanwender und die Vertreter der „Generation Z“, die sich auf dem Sprung in die Arbeitswelt befinden.

Citrix-CTO Christian Reilly, hier bei seiner Keynote auf der Citrix Technology Exchange im World Conference Center (dem ehemaligen Bundestag) in Bonn. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

LANline: Herr Reilly, wie muss die digitale Arbeitsumgebung der Zukunft aussehen?

Christian Reilly: Der Fokus muss darauf liegen, die Lücke zwischen Arbeitsumfeld und Produktivität zu schließen. Jede App an jedem Ort und auf jedem Endgerät verfügbar zu machen, ist schon ein guter Start. Aber auch ML (Machine Learning, d.Red.) wird eine große Rolle spielen: für die Sicherheit, da die Fülle der Endgeräte schlechter kontrollierbar ist als früher, aber auch, um Performance- und Produktivitätsfragen zu beantworten. Viele Mitarbeiter verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit damit, Genehmigungen einzuholen. Solche unproduktiven Arbeitsschritte lassen sich ermitteln und automatisieren. Der Betrieb muss dann in der Cloud erfolgen.

LANline: Die Absicherung der Digital Workspaces kann ein Anbieter kaum mehr allein bewältigen. Wie sieht das Zusammenspiel von Citrix mit den Security-Spezialisten aus?

Christian Reilly: Bei Security Analytics profitieren wir von der Vielzahl der Datenpunkte, die wir über die gesamte Workspace-Umgebung hinweg erheben können. Wir wollen aber weder mit Splunk noch mit den SIEM-Anbietern konkurrieren. Vielmehr setzen wir auf Partnerschaften, darunter Endpoint-Security-Spezialisten oder auch IAM-Anbieter (Identity- and Access-Management, d.Red.). Die Kernfrage der Endpoint-Sicherheit wird künftig sein: Schaffen wir es als Industrie, ein offenes Data Set für anbieterübergreifende Sicherheitsanalysen zu liefern?

LANline: Dank KI und Automation geben Endanwender immer mehr Verantwortung an Software ab. Zugleich wollen sie aber die Hoheit über die Automation und ihre Privatsphäre behalten. Wie lässt sich dieses Dilemma auflösen?

Christian Reilly: Aus moralischer Perspektive muss der digitale Arbeitsplatz für den Mitarbeiter so transparent wie möglich sein. Ein einfaches „Stimmen Sie zu?“-Pop-up wie bei Cookies reicht da nicht aus. Es sollte stets eine Opt-in-Mentalität herrschen, damit der Endanwender im Einzelfall entscheiden kann: Will ich diese Information weitergeben, will ich das automatisiert erledigen? Zugleich stellt sich die Frage, wer die Verantwortung trägt, wenn man Software autorisiert, im eigenen Namen zu handeln.

LANline: Allmählich treten die ab der Jahrtausendwende Geborenen – die „Generation Z“ oder „Gen Z“ – in den Arbeitsmarkt ein, aufgewachsen mit sofortiger Verfügbarkeit jeglicher Apps, Services und Informationen. Wie wird das die Arbeitswelt verändern?

Christian Reilly: Diese Frage konnten wir kürzlich selbst durchspielen: Wir haben an unserem Standort in Cambridge eine Reihe von Schulabgängern eingestellt und beobachtet, wie sie untereinander kommunizieren. Dazu haben wir ihnen alle möglichen Business-Tools bereitgestellt, von E-Mail bis Slack. Nach zwei Wochen haben wir sie gefragt, wie sie sich untereinander austauschen. Die Antwort: zwei WhatsApp-Gruppen, eine für Berufliches, eine privat. Selbst das allseits gepriesene Slack hatte den Einsteigern einen zu hohen Anteil von „Rauschen“ in der Kommunikation. Wir haben gelernt: Die Generation Z probiert Dinge aus, und wenn etwas nicht sofort funktioniert wie gewünscht, tauscht man es ohne Aufhebens aus. Laut Hochrechnungen wird die Generation Z bis 2020 rund 35 Prozent der Mitarbeiterschaft ausmachen. Es muss für IT-Verantwortliche deshalb um Personas gehen, um die Rollen der Mitarbeiter und deren Anforderungen, nicht vorrangig um eine bestimmte Technologie – und dies bei einer Mitarbeiterschaft, die so mobil arbeitet, dass man viele Kollegen wohl nie im Office antreffen wird. Problematisch wird es, wenn Nutzer auf Consumer-Apps ausweichen – und man dann in der Ende-zu-Ende-verschlüsselten App eines Ex-Kollegen einen Geschäftskontakt finden soll. Die Balance zwischen Benutzeranforderungen einerseits und Security sowie Compliance andererseits wird die große Herausforderung des Digital Workspaces sein.

LANline: Herr Reilly, vielen Dank für das Gespräch.