Eine für Fachabteilungen optimierte Darstellung von IT-Kennzahlen sowie Mechanismen für einen geordneten Ablauf unternehmensweiter Rollout-Projekte – dies sind die Neuerungen in der Landesk Management Suite 2016, die LANline einem Praxistest unterzogen hat. Landesk will damit Prozesse sowohl innerhalb der IT als auch abteilungsübergreifend vereinfachen.

Der Name Landesk ist eine feste Größe im Bereich System-, Security- und IT-Service-Management, die Historie geht zurück bis auf das Jahr 1985. In Lauf dieser Zeit hat sich die Landesk Management Suite (LDMS) zu einer umfassenden Lösung für Administratoren in mittleren und größeren Unternehmen entwickelt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Landesk weitere Techniken und Know-how erworben hat. So kam 2013 mit Shavlik die Software eines Unternehmens ins Portfolio, das eine Vorreiterrolle im agentenlosen Patch-Management einnimmt.
LDMS bietet alle typischen Bestandteile einer System-Management-Software: Inventarisierung für alle IP-fähigen Geräte, Betriebssystemverteilung für Windows, OS X und Linux sowie Software-Paketierung für die Formate MSI, EXE, BAT, VBS, PS, RPM und Virtualisierungspakete. Für kleinere alltägliche Aufgaben der Administratoren liefert der Hersteller eine eigene Paketierungssoftware mit. Sollen die Aktivitäten darüber hinausgehen, stellt der Anbieter dafür eine limitierte Version des Installshield Admin Studios bereit.
Neben dem System-Management stellt Landesk einen Service Desk mit 15 ITIL-Prozessen, einem User Helpdesk und Integration des Landesk Mobility Managers für Apple-IOS-, Android- und Windows-Phone-Mobilgeräte zur Verfügung. Ebenfalls auf der Liste der Features: Das Lizenz-Management in der „IT Asset Management Suite“ und die Dekommissionierung per Wipe-Kommando auch für Windows-PCs unterhalb der aktuellen Version 10. Auch eine Prüfung auf Einhaltung von Sicherheitsrichtlinien auf Basis von OVAL und CVE mit separatem Schwachstellen-Scanner liefert der Hersteller mit aus.
Alle Komponenten basieren auf Microsoft-Technik. Für den LDMS-Betrieb ist ein aktueller Windows Server mit MS-SQL-Datenbank erforderlich, folgerichtig kommt für die Web-Dienste der integrierte IIS zum Einsatz. Für eine Teststellung ließ uns der Hersteller eine Basisinstallation als virtuelle Maschine zukommen. Diese lief als Windows Server 2012R2 mit 6 GByte RAM, vier VCPUs und 200 GByte zugewiesener Festplatte. Das Zusammenspiel der Software mit allen Modulen konnten wir zudem im Zuge einer Web-Session ausgiebig betrachten.
 
Schlankere Administration
Mit den Jahren wächst die Zahl der Funktionen in den Konsolen der CLM-Programme (Client-Lifecycle-Management), und so trifft dann auch die Bezeichnung „Cockpit“, die ein Landesk-Consultant für die Oberfläche verwendete, durchaus zu: Der Administrator sieht sich mit vielen hundert Knöpfen konfrontiert. Damit wollen wir nicht den Eindruck erwecken, die LDMS-Konsole sei besonders „erschreckend“: Der Benutzer findet eine klassische Einteilung mit Programmmenü, Menüschaltflächen, Ergebnisfenster und den Reitern für Zusatzeinstellungen vor. In den Eigenschaften und mit so genannten „Scopes“ steuert er, welche Funktionen und welche Unternehmensbereiche sichtbar sind. Ist ein IT-Mitarbeiter beispielsweise lediglich für den Standort München zuständig, sieht er nur die Systeme an diesem Ort, sofern der Administrator den Scope dementsprechend vorgegeben hat.
„Highend-Administratoren“ werden sich in der LDMS-Konsole sicher wohlfühlen: Sie können dort per Drag-and-Drop- und Filterfunktionen alles so steuern und konfigurieren, wie sie es möchten. Wird beispielsweise ein Verteilungsauftrag vorbereitet, reicht es aus, dass der Administrator das Softwarepaket auf den Auftrag „zieht“. Andere Mitarbeiter, etwa die für die Lizenz-Compliance oder das Patch-Level zuständigen, sind von der Anzahl der Funktionen sicherlich erschlagen: Bis sie den notwendigen Button finden, werden sie in zu vielen Fenstern suchen müssen.
Um dieses Problem zu lindern, hat Landesk eine stark reduzierte HTML5-Browser-Ansicht mit den notwendigsten Informationen entwickelt: In sogenannten „Workspaces“ können die Benutzer einige Aufgaben auch direkt bearbeiten. Das Interface ist modern und entspricht dem aktuellen Trend des „Responsive Designs“. Folglich sieht die Website auf einem Tablet etwas anders aus als im Browser eines PCs oder auf einem Smartphone.
Der Hersteller liefert solche Sichtweisen für Endanwender, IT-Analysten, Asset-Management, Security-Administration und die Führungsebene. Während die Ansicht für den IT-Analysten bereits eine Anpassung erlaubt, zum Beispiel welche Information die LDMS im Dashboard grafisch darstellen soll, sind die anderen Workspaces noch starr. Dies wird nach Landesk-Information mit dem kommenden Sommer-Release noch verbessert.
Die Software erlaubt dem Analysten die Betrachtung der aktuellen Ereignisse im sogenannten „Task Summary“. Mit einem Blick sieht der IT-Verantwortliche, welche Aktualisierungen anstehen oder welche Jobs gerade laufen. Mit der Suchfunktion am oberen mittleren Fensterrand kann der IT-Mitarbeiter direkt nach Benutzern oder Geräten suchen. Hat ein Benutzer mehrere Geräte, was dank Smart Devices wohl in fast jedem Unternehmen der Fall sein dürfte, zeigt LDMS zunächst die Auswahl von Geräten zu einem Besitzer. Die Oberfläche stellt dabei die wichtigen Eckdaten zur Hard- und Software, IP-Adresse, Seriennummer oder den letzten Anmeldezeitpunkt ebenso bereit wie einen Zugriff auf die Softwareverteilung oder die Fernwartung.
 
Asset-Management-Perspektive
Der Nutzer erhält über die Ansicht des Asset-Managers Übersichten zur Softwareausstattung. Diese werden grafisch direkt in den Bezug zu den Lizenzinformationen gesetzt, was wiederum die Übersichtlichkeit erhöht.
Ohne das entsprechende Monitoring im SLM (Softwarelizenz-Management) bleiben diese Ansichten im Workspace allerdings wenig aussagekräftig, da alle Daten wie Preisdaten oder Lizenztypen eben aus dem vorliegenden SLM stammen.
In der betrachteten Version liefert die Software mehrere Grafiken, darunter zum aktuellen Compliance-Status, die eine Zusammenfassung mit der Anzahl von Produkten, installierten Einheiten und der Zahl unlizenzierter Installationen bietet. Eine Tachonadel an einer Skala von Rot nach Grün symbolisiert die Einhaltung der Compliance-Anforderungen.
Ähnlich arbeiten die anderen Ansichten: So zeigt „Save Money“ eine Übersicht noch nie genutzter Lizenzen als Einsparpotenzial, während „Money Saved“ den Wert bisher eingesparter Lizenzkosten durch gezielte Entfernung von Programmen aufführt. Dank der farbigen, plakativen Darstellung inklusive Euro- oder Dollar-Betrag, den man einsparen könnte, bietet sich die Software sicherlich an, um im eigenen Unternehmen „Überzeugungsarbeit“ zu leisten. Uns hat gut gefallen, dass viele Angaben in den Workspaces dazu dienen, die im Hintergrund befindlichen eher komplexen Daten und Abläufe deutlich vereinfacht darzustellen.
 
Unternehmensweite Softwareverteilung
Eine weitere Neuerung in der aktuellen LDMS-Version betrifft die Softwareverteilung im Unternehmen. Bei der Ad-hoc-Ausbringung von Programmen spielen Lösungen wie LDMS eine zentrale Rolle. Klassischerweise stellt ein IT-Mitarbeiter ein Programm über ein Verteilungspaket zur Verfügung. Bei LDMS erfolgt dies per Klick auf „New“ im Register „Distribution“, der Auswahl von „MSI“ und dem Setzen eines Verweises auf den Verteil-Server – entweder per HTTP oder per UNC-Pfadangabe. Danach bietet die Software dem Administrator ein umfangreiches Dialogfenster zur Verfeinerung an: Welche Benutzer sollen die Software verwenden, gibt es Abhängigkeiten, für welche Prozessorfamilie etc.? Je nachdem, wann Scheduler oder Agent ihren Einsatz beginnen, ist einige Augenblicke später die gewünschte Software auf dem PC. Wie zahlreiche andere CLM-Lösungen unterstützt auch LDMS eine beschleunigte Push-Verteilung für Windows und OS X.
Für Programme wie Notepad++ oder Firefox mag die Ad-hoc-Verteilung vertretbar sein. Doch bei Aktualisierungen von Office-Paketen oder der Umstellung branchenspezifischer Lösungen mit einer viel höheren Abhängigkeit von anderen Systemen werden Administratoren diese „Fire and Forget“-Methode eher selten einsetzen: Projekte dieser Größenordnung beginnen mit einer Testinstallation, der Verteilung an eine eng umrissene Gruppe von Benutzern zur Prüfung und dem anschließenden Rollout in definierten Wellen.
Unter dem neuen Menüpunkt „Rollout Projects“ können Administratoren mit LDMS Verteilungsprojekte mit logischen Abhängigkeiten realisieren. Eine solche Abhängigkeit ist zum Beispiel der zeitliche Ablauf: Der neue Patch für eine Software wird zunächst auf die Testmaschinen verteilt, nach zwei Tagen auf eine erweiterte Gruppe von Computern mit produktiv arbeitenden Benutzern. Erst nach weiteren drei Tagen beginnt die LDMS mit der automatisierten Verteilung im kompletten Unternehmen.
In dieser Variante könnte der Administrator, beispielsweise nach negativer Rückmeldung aus einer Fachabteilung, durch einen Klick auf „Pause“ den Vorgang anhalten. Als Alternativen bietet LDMS an dieser Stelle zwei weitere Trigger: einen E-Mail-gestützten Genehmigungsvorgang und einen zu erreichenden Mindestprozentwert für die erfolgreiche Verteilung. Bei der Einrichtung eines solchen Rollout-Ablaufs, den wir mit 7Zip testeten, unterstützt LDMS den Administrator mit einem Assistentendialog.
 
Geschnürt zu praktischen Bündeln
Was uns im Test ebenfalls sehr gut gefiel, waren die „Package Bundles“. Sie ähneln den weit verbreiteten Verteilungsgruppen, allerdings erlaubt Landesk den Administratoren hier auch die Mischung von Windows- und OS-X-Anwendungen. Der Agent erkennt später selbstständig, auf welcher Plattform er startet, und installiert entsprechend das passende Paket. In den Eigenschaften des Bundles definiert der Administrator, in welcher Reihenfolge die Pakete zu installieren sind. Bundles können andere Bundles enthalten, was die Verteilungsplanung vereinfacht.
Hinsichtlich der Produktdokumentation und Beschreibung orientiert sich Landesk offenkundig an den Microsoft-Gepflogenheiten: Hilfetexte öffnet die Software im Browser, glücklicherweise kontextsensitiv. Die Erklärungen im Text sind gut formuliert und überaus hilfreich. Leider kann der Anwender in vielen Fällen zwar auf „Deutsch“ oder „Französisch“ klicken – erhält aber dennoch den ursprünglichen Text auf Englisch.
In einer Ausbaustufe für 1.000 Clients liegt der Preis für LDMS mit allen Modulen einschließlich Patch-Management und Data Analytics bei 82,11 Euro einmalige Lizenzkosten plus rund 20 Prozent jährliche Wartungs- und Patch-Management-Gebühr. In der kleineren Variante „LDMS only“ (Inventarisierung, Remote Control, Software- und OS-Verteilung) sind es 58,31 Euro einmalige Lizenzkosten plus ebenfalls rund 20 Prozent jährlich für Support und neue Versionen.
 
Fazit
IT ist in der Mitte des Unternehmens angekommen, und zunehmend mischen auch Mitarbeiter, die nicht in der IT arbeiten, bei Abläufen und Prozessen mit. Vor diesem Hintergrund hat Landesk die Management Suite in der Version 2016 (10.0.0.271) sinnvoll erweitert: Die Workspaces als einfacher und schneller zu bedienende Oberfläche machte auf Anhieb eine gute Figur. Hier wird es sicherlich in den nächsten Monaten noch weitere Überarbeitungen und Ergänzungen geben. Für den Administrator bleibt die klassische Management-Konsole das Mittel der Wahl, und auch diese ist auf dem aktuellen Stand. Die zweite große Neuerung, die Umsetzung der „Rollout Projects“ für das strukturierte unternehmensweite Change-Management, überzeugt ebenfalls. Hier zeigt sich, dass die Produkt-Manager und Entwickler bei Landesk sehr wohl um die Abläufe in der Praxis wissen. Nicht umsonst sind die Lösungen aus dem Hause Landesk seit jeher in der Oberklasse beheimatet.

Der Autor auf LANline.de: BÄR
Der Autor auf LANline.de: Frank-Michael Schlede
Info: Landesk GermanyTel.: 069/9417570Web: www. landesk.de

Mit den Rollout Projects bereiten Administratoren Patch-Management- oder Software-Verteilungsaufgaben mit einem zeitlichen Ablaufschema vor.

Übersichtlich gestaltet: In den Workspaces der LDMS finden sich Mitarbeiter deutlich schneller zurecht als in der Konsole.