Olivier Carmona gehört dem Board of Directors der Open Connectivity Foundation an und ist Director of Business Development bei AwoX. Im Gespräch mit LANline berichtet er über die Probleme, mit denen Hersteller von IoT-Geräten (Internet of Things) konfrontiert sind, und erklärt, welche Pläne die Open Connectivity Foundation (OCF) als derzeit größte Organisation für industrielle Standardspezifikationen verfolgt.

LANline: Das Internet of Things weitet sich auf immer mehr Bereiche aus. Die Open Connectivity Foundation (OCF) hat sich auf die Fahne geschrieben, die massiven Möglichkeiten des IoTs entfalten zu wollen. Wie viele Mitglieder hat die OFC denn und mit welchen Problemen sind diese konfrontiert?

Carmona: Das Versprechen des Internets of Things beruht auf der Fähigkeit von Geräten, miteinander zu kommunizieren. Heute sind Gerätehersteller jedoch mit fragmentierten Ökosystemen konfrontiert, die jeweils ein anderes bestimmtes Protokoll verwenden. Daher begrenzen Gerätehersteller entweder ihren Markt oder erhöhen ihre Kosten, da sie sich über mehrere Ökosysteme hinweg entwickeln müssen. Zusätzlich stehen Endverbraucher bei einem Kauf vor der Entscheidung, ob die gewünschten Produkte mit dem aktuell verwendeten Ökosystem kompatibel sind, oder ob sie Wege finden, ihre Geräte in das Netzwerk zu integrieren und versuchen, Interoperabilitätsprobleme selbstständig zu lösen. Unsere mehr als 400 Mitglieder sind bestrebt, diese Herausforderungen zu lösen.

LANline: Was unternimmt die OCF, um diese Ziele zu erreichen?

Carmona: Das OCF liefert Verbindungsmechanismen zwischen Geräten und zwischen Geräten und der Cloud und verwaltet den Informationsfluss zwischen den Geräten, unabhängig von deren Formfaktoren, Betriebssystemen, Service-Providern oder Transportwegen. Die OCF-Spezifikationen, der Open-Source-Code und das Zertifizierungsprogramm ermöglichen es den Herstellern, Geräte auf den Markt zu bringen, die ein sicheres, interoperables IoT schaffen.

LANline: Wie weit ist die OFC bereits auf diesem Weg fortgeschritten?

Carmona: Die Open Connectivity Foundation hat seit ihrer Gründung viele Ziele erreicht, darunter die Bereitstellung eines universellen, sicheren Protokolls von der Spezifikation bis zum Quellcode, einschließlich eines Zertifizierungsprogramms, das es Herstellern ermöglicht, OCF-zertifizierte Produkte auf den Markt zu bringen. OCF-Lösungen passen zu jedem Gerätetyp und bieten modernste Sicherheit, die während der Zertifizierung getestet wurde. Da OCF-Geräte unter dem dem Gesichtspunkt der Sicherheit zertifiziert sind, können Endanwender bei der Bereitstellung in jedem Ökosystem mehr Vertrauen haben.

Das OCF hat auch Brücken zu aktuellen IoT-Geräten, Legacy-Systemen und OCF-zertifizierten Produkten gebaut, um eine nahtlose Interoperabilität mit einer wachsenden Anzahl von Ökosystemen zu schaffen. Dabei hat das OCF bestehende Industriestandards und Technologien genutzt, um dieses Ziel zu erreichen, anstatt das Rad neu zu erfinden.

Olivier Carmona gehört dem Board of Directors der Open Connectivity Foundation an und ist Director of Business Development bei AwoX. Bild: OCF

LANline: Warum sind Ihrer Meinung nach offene Standards für das Internet of Things so wichtig?

Carmona: Das Internet der Dinge ist ein System von Milliarden von Geräten, die miteinander kommunizieren und den Endverbrauchern dienen. Nach dieser Definition benötigt das IoT eine gemeinsame Sprache, damit diese Geräte korrekt und effizient kommunizieren können. Standards und Open-Source-Code schaffen diese gemeinsame Sprache, die von einer Vielzahl von Geräten und Netzwerken verwendet werden kann.

LANline: Können Sie dieses Verständnis des IoTs denn auch in der Industrie, bei den Herstellern und Nutzern feststellen?

Carmona: Jeder Gerätehersteller, einschließlich der großen Hersteller und Service-Provider, produziert IoT-fähige Geräte, die alle eine sichere Interoperabilität mit allen anderen Geräten auf dem Markt erfordern, damit das IoT und ihre Investitionen erfolgreich sein können. Im Smart-Home-Markt enthalten die jüngsten Erklärungen von Rishi Chandra, VP of Product bei Google und General Manager von Google Nest, und Chris DeCenzo, Principal Software Development Engineer bei Amazon Lab126, Forderungen nach Standards, um die Fragmentierung innerhalb des IoTs zu verringern. Die OCF ist der Ansicht, dass es jetzt an der Zeit ist, diese Standards zu schaffen und umzusetzen, damit das IoT weiter wächst und sich weiterentwickelt.

LANline: Wie wird die Arbeit des OCFs aussehen, um diese Standards zu schaffen?

Carmona: Das OCF arbeitet weiterhin mit Regierungen, Unternehmen und Endanwendern zusammen, um gemeinsam mit der Branche einen Konsens über eine sichere IoT-Entwicklung zu erzielen. Die OCF ist der Ansicht, dass alle Normenkontrollgremien auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten sollten, um dies zu verwirklichen.

LANline: Herr Carmona, vielen Dank für das Gespräch.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.